Die letzte Paketmeile ist die teuerste: Wer hier geschickt agiert, spart Kosten, senkt die Arbeitsbelastung für Mitarbeiter und verbessert seine Nachhaltigkeitsbilanz. Grundlage sind topaktuelle Verkehrsdaten, die sich durch Rückmeldungen der Fahrer und eingesetzten Apps noch verbessern lassen.
Die größten Optimierungspotenziale in der KEP-Logistik finden sich in der letzten Meile. Hier sind Data Analytics und Datenqualität das A und O.
(Bild: Here Technologies)
Der kostenintensivste Teil der Lieferkette ist die letzte Meile, also das letzte Stück des Weges zum Kunden. Gerade in Städten ist die Streckenführung oft kompliziert, aufgrund der Verkehrssituation kommt es zu Verzögerungen und die Pünktlichkeit leidet. Ortskundige Fahrer sind außerdem Mangelware.
Ein nicht dynamisches Routing bekommt schnell Probleme, wenn an einem Tag 150 Pakete, einen Tag später aber 250 Pakete auf der gleichen Route auszuliefern sind. Dann sind Springer nötig, die sich auf der Route kaum auskennen und noch mehr Zeit für die Auslieferung benötigen.
Das generelle Routing haben große Paketdienste aber häufig schon optimiert. Was Probleme bereitet, ist die Auslieferung vor Ort. Wo kann man halten und in welchem Hinterhof ist der richtige Eingang? Ist es effizienter, mehr zu laufen und weniger zu fahren (Stichwort: multimodale Auslieferung)? Bei vielen Stopps am Tag macht es einen großen Unterschied, ob die Auslieferung drei Minuten dauert oder eine.
Außerdem müssen aktuelle Verkehrsstörungen eingeplant und Umplanungen unter Berücksichtigung von Lieferzusagen im Livebetrieb möglich sein.
Fahrerwissen digitalisieren
Der entscheidende Punkt ist die Location Intelligence: Das Wissen erfahrener Fahrer gilt es zu digitalisieren und mit topaktuellen Karten-, Verkehrs- und Umgebungsdaten zu kombinieren. Dabei ist es für KEP-Dienste wichtig, dass sie die Datenhoheit über ihr Erfahrungswissen behalten, aber dennoch in eine umfassende Tour-Routing- und Last-Mile-End-to-End-Anwendung integrieren können.
Dafür gibt es zwei verschiedene Lösungsansätze:
1. eine API-Schnittstelle für die Integration in eigene Logistiklösungen;
2. eine Last-Mile-Komplettlösung inklusive App, Backend und Dashboard, wie beispielsweise „Here Last Mile“.
Die Fahrer-App hat mehrere Einsatzszenarien und Funktionen: Zum einen unterstützt sie den Fahrer beim Routing, bei der Suche nach Stopps und möglichst effizienten Wegen zur Auslieferung. Sie gibt ihm aber auch die Möglichkeit, lokale Hinweise als Feedback zurückzuspielen, sodass das System aus den Rückmeldungen lernt. Ein Beispiel: bestimmte Orte, an denen das Fahrzeug problemlos und sicher kurz halten kann. Dieses Wissen bleibt beim Unternehmen.
Routenoptimierung, Big Data und intelligente Transportsysteme sind die besten Technologien für mehr Logistikeffizienz.
(Bild: Here Technologies)
Die Fahrer-App kann zusätzlich – ohne Aktion des Fahrers – selbst lernen, wo das Fahrzeug stand und welche Haltepunkte angefahren wurden, und diese Informationen mit der Auslieferung kombinieren.
Know-how in eigene Anwendungen integrieren
Location Intelligence sollte nicht nur für sich optimiert werden, sondern in eine End-to-End-Anwendung eingebettet sein. Diese Anwendung berücksichtigt nicht nur auf KI basierte Verkehrsprognosen, sondern verteilt die Paketmengen gleich über alle Fahrer und kann sofort auf Unfälle und Behinderungen reagieren. Sind alle Touren gleich lang und kommen alle Fahrer etwa zur gleichen Zeit ins Depot, erleichtert dies darüber hinaus eine dynamische Optimierung.
Die Integration der Verkehrs- und Navigationsdaten von Here in eigene Anwendungen erlaubt zudem ganz neue Lösungsszenarien, um beispielsweise die Nachhaltigkeit der Auslieferung zu verbessern.
Nachhaltigkeit und alternative Antriebe
Ein besonderes Beispiel ist das Gemeinschaftsprojekt von Here und Migros, dem größten Einzelhändler in der Schweiz. Basierend auf diversen Navigationsdaten, aber auch CO2-Berechnungen beim Betrieb verschiedener Fahrzeuge (inklusive Faktoren wie Emissionen beim Fahrzeugbau, bei der Ressourcengewinnung, Recycling, Raffineriekosten für Treibstoff et cetera) hat Migros eine Software auf Basis von Here-Technologie entwickelt. Sie berechnet, welche Antriebsart für welche Lieferstrecken unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten am besten geeignet ist, und berücksichtigt dabei Fahrzeuge mit Diesel-, Bio-CNG-, Wasserstoff- und Akkubetrieb.
Die Lösung trägt den Namen „CO2 Insights“ und wurde in Zusammenarbeit mit dem renommierten Forschungsinstitut Empa der ETH Zürich entwickelt. Sie ist außerdem von der Klimaschutzstiftung Myclimate zertifiziert und steht allen Logistikunternehmen für die Umsetzung ihrer Klimaziele zur Verfügung.
Migros hat mit den Erkenntnissen von CO2 Insights nur 5 Prozent seiner 1.000 Flottenfahrzeuge ausgetauscht und damit seine CO2-Emissionen um 10 Prozent verringert. Das Unternehmen ist damit seiner ambitionierten Roadmap, bis 2030 70 Prozent der Emissionen einzusparen, schon deutlich voraus.
Fazit
Here Technologies bietet mit seinen Produkten Last Mile und der Here Platform KEP-Logistikunternehmen Lösungen an, die zum einen deutliche Einsparungen und Kostenvorteile erzielen, zum anderen aber auch auf die mittelfristigen Nachhaltigkeitsziele einzahlen. Sie unterstützen die Kunden dabei optimal mit umfangreichem Datenmaterial und -diensten, ohne dass jene eine neue Software einführen oder Daten aus der Hand geben müssen. Kleinere Unternehmen können aber auf eine End-to-End-Lösung setzen, die sie zeitnah ohne weiteres Customizing direkt einsetzen können. (bm)
Stand: 08.12.2025
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* Luisa Rappers ist Director Product Portfolio Management bei Here Technologies in 10115 Berlin, Tel. +49 30 446760, www.here.com. Christoph Herzig ist Director Product Management Transport & Logistics beim selben Unternehmen.