Lagerroboter

Flitzende Roboter sagen Amazon den Kampf an

| Autor / Redakteur: Robert Weber / Robert Weber

Das Transportsystem fährt unter die Palette und transportiert dann die Ware zum Kommissionierer.
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Das Transportsystem fährt unter die Palette und transportiert dann die Ware zum Kommissionierer. (Bild: Grenzebach)

Eine nicht abgestimmte Präsentation brachte die mediale Lawine ins Rollen. Der Maschinenbauer und Swisslog-Großaktionär Grenzebach will mit Lagerrobotern die Logistikzentren revolutionieren. Die Lösung erinnert an das Amazon-System Kiva und soll ab Frühjahr 2014 verkauft werden.

Die Vorgeschichte dieses Beitrags startet im Frühjahr 2013. Auf einer Podiumsdiskussion zu Logistikprozessen im E-Commerce während der Fachmesse Transport Logistic in München präsentierte ein Unternehmensberater den Zuhörern eine Powerpointfolie auf der kleine rote Roboter Regale durch das Logistikzentrum fuhren. Von Revolution im Lager sprach der Referent. Der Firmenname Grenzebach auf den roten Flitzern war nur für die Zuschauer in den ersten Reihe zu entziffern und die Folien waren schnell wieder verschwunden. Doch die Geschichte war geboren. Einige Hundert Meter weit entfernt von der Maschinenmarkt-Podiumsdiskussion spekulierten Logistiker zeitgleich über die Rückkehr des Kiva-Systems nach Deutschland. Hintergrund: Amazon hatte das Unternehmen Kiva Systems gekauft und die Technik weitgehend vom Markt genommen.

Wer setzt sich durch – Grenzebach oder Amazon?

Jetzt also die Rückkehr. In den USA setzt Amazon die Robotertechnik bereits bei Zappos ein, berichtete eine Quelle dieser Redaktion. Nun sollen die kleinen Roboter, die ihr Regal mit zum Kommissionierer bringen, auch nach Deutschland kommen. Schon im nächsten Jahr könnte es so weit sein, wird spekuliert. Die Gerüchteküche brodelte. Auch ein Verkauf der Technik sei nicht ausgeschlossen, berichtete der Informant.

Zwischen der inoffiziellen Präsentation einer Grenzebach-Roboterlösung und dem Kiva-Gerücht lagen nicht mehr als zehn Minuten. Die Intralogistikbranche war elektrisiert, denn beide Systeme ähneln sich. Grenzebach erkannte schnell die Wirkung, die der kurze Vortrag entfaltetet, und bat diese Redaktion, vorerst auf eine namentliche Veröffentlichung zu verzichten. Wir hielten uns an das Gebot und berichteten ohne Firmennamen über die Lösung. Fünf Monate vergingen, bis Grenzebach an die Öffentlichkeit ging und diese Redaktion als erste in Deutschland über das System G-Com informierte. Doch was verbirgt sich hinter dem roten Roboter (Bild 1)?

Die neue Lösung, G-Com, besteht aus einem mobilen Lagersystem, einem fahrerlosen Transportsystem (FTS) mit robusten, intelligenten Transportfahrzeugen (FTF) sowie ergonomischen und variabel konfigurierbaren Pick-Stationen, an denen die Kommissionierung der Sendungen erfolgt. G-Com ist speziell ausgerichtet auf die Anforderungen im dynamisch wachsenden E-Commerce/Multi-Channel. Die Grundidee des Systems bilden mobile Regale (Bild 3), die von kleinen Robotern, den „Carrys“, unterfahren, angehoben und automatisch zur Pick-Station (Bild 2) transportiert werden. Die Regale sind in ihrer Aufteilung völlig variabel und können somit Artikel unterschiedlichster Abmessungen und Gewichte sowie hängende Konfektion lagern. Damit sind sie auch bei sehr heterogenen und in sich oft verändernden Sortimenten flexibel einsetzbar, sind die Entwickler überzeugt.

Die Roboter können in bestehende Lager eingebaut werden

Über den Warenhausmanager des Kunden wird die chaotische Lagerung einzelner Regale organisiert. Der Grenzebach-Flottenmanager übernimmt diese und steuert die Flotte der Grenzebach-Carrys. Die Carrys können durchgängig fahren, da sie sich induktiv aufladen. Dadurch muss der Kunde nur so viele Carrys kaufen, wie er auch operativ einsetzen will – zusätzliche Fahrzeuge, die stundenlang in Ladestationen verweilen, entfallen.

Laserpointer, Put-to-Light-Technik sowie ein Scanner in Verbindung mit einem Display unterstützen den Mitarbeiter an der Pickstation und ermöglichen hochproduktive Kommissionierleistungen bei höchster Pickqualität, verspricht Grenzebach. Die Pickstation selbst ist multifunktional: Sie kann flexibel zum Kommissionieren, für die Nachschubeinlagerung oder die Retourenrücklagerung eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Stationen ergonomisch ausgelegt sind, so die Maschinenbauer. Müssen Lagerarbeiter bei herkömmlichen Systemen bis zu 18 km am Tag zurücklegen, können sie hier ohne große körperliche Belastung stationär an der Pickstation arbeiten – und das nach einer kurzen Einarbeitungszeit von nur ein bis zwei Tagen.

Das G-Com kann nach Vorstellung der Ingenieure problemlos in bestehende Gebäude und Anlagen integriert, modifiziert und auch von einem Standort zum anderen verlagert werden. „Wir haben G-Com so ausgelegt, dass es sich sowohl mit den physischen Komponenten als auch mit der Steuerungssoftware in bestehende Umgebungen leicht integrieren lässt“, so Dr. Christian Wurll, Chief Technology Officer (CTO) bei Grenzebach Automation. „Besitzt ein Kunde etwa ein bestehendes Warehouse-Management-System oder eine Versandtransportanlage, so ergänzen wir mit unseren maßgeschneiderten Bausteinen das System und optimieren es.“

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