Ausgedümpelt? Deshalb will der Staat die Meyer Werft retten

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Die milliardenschwere Rettung der traditionsreichen Meyer Werft durch den Bund und das Land Niedersachsen ist beschlossene Sache, wie die dpa meldet ...

Nachdem die angeschlagene Meyer Werft mittlerweile über den größten Auftrag jubelt, entspannt sich auch die finanzielle Lage. Denn der Staat will dem Schiffsbauer mit einer dicken Finanzspritze mehr als eine Handbreit Wasser unter dem Kiel bescheren, so die dpa.(Bild:  Meyer Werft)
Nachdem die angeschlagene Meyer Werft mittlerweile über den größten Auftrag jubelt, entspannt sich auch die finanzielle Lage. Denn der Staat will dem Schiffsbauer mit einer dicken Finanzspritze mehr als eine Handbreit Wasser unter dem Kiel bescheren, so die dpa.
(Bild: Meyer Werft)

Der Haushaltsausschuss des Bundestags gab in Sachen Rettung für die Meyer Werft ebenfalls grünes Licht. Dazu gesellt sich auch die Meinung des Landtags in Hannover. Damit wird der Staat die finanziell angeschlagene Werft mehrheitlich übernehmen und damit aber auch eine hohe Bürgschaften schultern. Die Beschäftigten an den Schiffbau-Standorten Papenburg und Rostock können erst mal aufatmen. Das Ziel der Staatshilfen ist es nicht zuletzt, Tausende Arbeitsplätze bei der Werft sowie ihren Zulieferern zu sichern und damit auch die maritime Wirtschaft zu unterstützen. Darüber hinaus verfolge der Bund mit der Rettung außerdem strategische Interessen. Denn sollte sich die geopolitische Lage verschärfen, könne die heute vor allem für Kreuzfahrtschiffe bekannte Werft auch zu militärischen Zwecken für die Marine genutzt werden.

Meyer Werft erst mittelfristig wieder auf Kurs

Der Rettungsplan sieht vor, dass der Bund und das Land für 400 Millionen Euro zusammen rund 80 Prozent der Anteile der Meyer Werft übernehmen. Zusätzlich gewähren sie dem Unternehmen Bürgschaften von jeweils rund einer Milliarde Euro, um Kredite von Banken abzusichern. Die entsprechenden Verträge sollen am Freitag, dem 13. September unterzeichnet werden. Der Einstieg des Staates soll zwar zeitlich befristet sein, ein fixes Ausstiegsdatum gibt es aber offiziell nicht. Wirtschaftlich ist die Situation für die Meyer Werft wohl auch noch über Jahre hinweg schwierig. Man werde wohl 2026 wieder eine Vollauslastung der Werft haben, aber nach dem Sanierungsgutachten erst 2028 wieder ein positives wirtschaftliches Ergebnis erreichen.

Kritik an den Staatshilfen für die Meyer Werft

An dem Staatseinstieg gibt es deswegen Kritik. So sagte der Ökonom Marcel Fratzscher, dass es eigentlich keinen guten Grund gibt, weshalb jetzt dieses Unternehmen für Deutschland essenziell ist. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nannte es besorgniserregend, dass es keinen privaten Investor gibt, der sich beteiligen will. Das sollte eigentlich ein Alarmsignal an alle sein, dass dieses Unternehmen eigentlich nicht wirklich nachhaltig aufgestellt ist. Niedersachsens Wirtschaftsminister Lies entgegnete aber, dass man die Wahl zwischen einer Insolvenz mit dem Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen oder der Stabilisierung der Werft gehabt habe. Für 2025 erwarte man aber noch ein schwieriges Jahr. Danach gebe es eine echt gute Perspektive. Das Ziel ist es natürlich auch, dass ein Externer irgendwann mal in diese Werft einsteigt, so Lies.

Olaf Scholz spricht von industriellem Kronjuwel

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist überzeugt, dass die Werft eine Zukunft hat: „Zahlreiche Aufträge, vor allem zum Bau von Schiffen, sind in den Büchern. Es gibt eine hohe Nachfrage bei der Werft. Das spricht für eine gute Zukunftsperspektive.“ Das Problem ist nur, dass Riesenaufträge wie diese zuvor durch Kredite vorfinanziert werden müssen, wie Experten wissen. Zu den Argumenten für die Rettung gehöre auch, dass das Know-how im Schiffsbau im Land gehalten werden soll. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte vor gut drei Wochen in Papenburg, die Stellung Deutschlands als drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt erfordere eine starke maritime Wirtschaft – und die Meyer Werft ist für ihn ein industrielles Kronjuwel. Und tatsächlich hat die Werft mit ihrer über 200-jährigen Geschichte weltweit einen guten Ruf. Erst im August verzeichnete das Unternehmen mit vier Kreuzfahrtschiffen für die Disney Cruise Line sogar den nach eigenen Angaben größten Auftrag der Firmengeschichte. Doch die Meyer Werft muss zunächst eine Finanzierungslücke von 2,8 Milliarden Euro stopfen.

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