Rauf oder runter? Die deutsche Industrie muss raus aus der Krise

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Die deutsche Industrie hofft nach Jahren der Krise auf eine Trendwende, doch wie soll man selber die Weichen dafür stellen ...?

Die Lage in der deutschen Industrie ist durchaus besser als noch vor einigen Wochen. Aber es gibt noch viel zu tun! BDI-Präsident Peter Leibinger: „Deutschland bewegt sich in die richtige Richtung, doch die Wettbewerbsfähigkeit muss gestärkt werden!“ Hier mehr zur Situation ...(Bild:  BDI)
Die Lage in der deutschen Industrie ist durchaus besser als noch vor einigen Wochen. Aber es gibt noch viel zu tun! BDI-Präsident Peter Leibinger: „Deutschland bewegt sich in die richtige Richtung, doch die Wettbewerbsfähigkeit muss gestärkt werden!“ Hier mehr zur Situation ...
(Bild: BDI)

„In diesem Jahr entscheidet sich, ob wir nach Jahren der Stagnation die Basis für einen nachhaltigen Aufschwung legen und damit den Industriestandort Deutschland sichern und retten“, konstatierte Peter Leibinger, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), in Berlin. Die Aussichten für dieses Jahr sprechen jedoch nicht für einen rasanten Umschwung. Der BDI rechnet deshalb damit, dass die Industrie schwächer wächst als die Gesamtwirtschaft. Immerhin hat das Gespenst neuer Zölle seitens der USA wegen der Grönland-Frage zunächst wohl ausgespukt. Der BDI-Präsident verwies dabei auch auf Abhängigkeiten von den USA – zum Beispiel beim Thema künstlicher Intelligenz, bei dem die Vereinigten Staaten weltweit die Führungsrolle einnehmen, und bei Cloud-Diensten. Es wäre nach Leibingers Meinung naiv, zu glauben, dass eine europäische Autonomie schnell aufgebaut werden kann. Dass die Lage der deutschen Industrie labil ist, hat schon bewiesen, wie allein schon die Ankündigung von weiteren Zöllen verunsichernd gewirkt hat, so Leibinger.

Der freie Fall der deutschen Industrie ist gebremst

Die BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner sagte dazu, dass die Situation in der Industrie weiterhin angespannt sei, man denke nur an die Stahlbranche. Gönner weiter: „Die Produktionskapazitäten sind zu Beginn des vierten Quartals 2025 nur zu gut 78 Prozent ausgelastet gewesen. Maschinen stehen still, Produktionspotenzial bleibt ungenutzt, Investitionen werden aufgeschoben, Beschäftigung wird abgebaut.“ Die Dauer der Krise ist viel gravierender als die Tiefe der Krise, betonte wiederum Leibinger. Unternehmen, die Jahr für Jahr Rückgänge hätten, kämen nun allmählich an die Substanz. Und 2025 schrammte Deutschland nur knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbei, denn es gab immerhin ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Für dieses Jahr erwartet der BDI ein Wachstum von einem Prozent, das sich aber vor allem durch staatliche Ausgaben zur Modernisierung der Infrastruktur erklärt. Ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent ist für Leibinger aber ein Hoffnungssignal. Die Stimmung in der Industrie aber bleibt fragil. Immerhin ist seine einstige Prognose vom freien Fall der deutschen Wirtschaft nicht eingetroffen.

Auch die Industrie hat ihre Fehler gemacht

Deutschland bewege sich also langsam in die richtige Richtung. Strukturelle Probleme müssten aber jetzt konsequent aus der Welt geschafft werden. Denn nur wenn die Stärkung von Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum eine hohe Priorität habe, könne der Abwärtstrend der Industrieproduktion gestoppt werden. Konkret fordert der BDI unter anderem einen rigorosen Bürokratieabbau, einen langfristigen Fahrplan für ein Energiesystem mit geringeren Systemkosten, eine schnellere Genehmigungen für Industrieanlagen, flexiblere Arbeitszeitmodelle und Reformen in puncto Sozialversicherungen. Aber auch die Unternehmen haben Pflichten, denen sie nachzukommen haben, wie Leibinger klarmachte. Ein wichtiges Thema ist für ihn die Resilienz – also etwa die Notwendigkeit, Lieferketten breiter aufzustellen und sich nicht von einzelnen Lieferanten abhängig zu machen. Rückblickend seien auch in der Industrie Fehler gemacht worden, wie man zugeben müsse. In der Zeit von Anfang der 2000er-Jahre bis 2018 hätten nicht zuletzt außergewöhnlich günstige Bedingungen geherrscht, merkte er etwa mit Blick auf die damals geringen Energiepreise an. In dieser Zeit seien deshalb Kostenstrukturen aufgebaut worden, die jetzt einfach nicht mehr tragbar seien.

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