Compliance Die zehn wichtigsten Themen und Risiken für Unternehmen

Autor / Redakteur: Joachim Bause / Jürgen Schreier

Wirtschaftskriminalität ist schon lange kein Kavaliersdelikt mehr, sondern ein ernst zu nehmender Verstoß gegen Gesetz und Recht und somit auch gegen den fairen Wettbewerb. Folglich werden außer der allgemeinen Geschäftsentwicklung das Thema Compliance und die Einhaltung entsprechender Gesetze und interner Richtlinien für Unternehmen immer wichtiger.

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Natürlich werfen die verschiedenen Fälle von Korruption, Bilanzfälschung und anderen Gesetzesverstößen, die international und auch in Deutschland in den letzten Jahren bekannt geworden sind, kein gutes Licht auf den Umgang mit Ethik und Compliance in manchen Unternehmen. Immerhin ist durch das Aufdecken dieser Vorfälle das Thema viel stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, des Gesetzgebers und der Unternehmensmanager gerückt. Den meisten Unternehmen ist mittlerweile klar, dass Compliance-Verstöße in vielen Fällen entdeckt und geahndet werden und dass die Einhaltung von Gesetzen und internen Richtlinien ein sehr wichtiges Unternehmensziel ist. Zudem wirken sich Compliance-Verstöße imageschädigend aus und gefährden den Erfolg von Firmen- und Produktmarken im internationalen Wettbewerb.

Umfragen haben ergeben, dass die Mehrzahl der Unternehmen in den kommenden Jahren einen zunehmenden Druck von Seiten der Kunden und der Investoren zur Einhaltung von Compliance-Richtlinien erwartet. Um Verstößen und rechtlichen Strafen vorzubeugen und das Bewusstsein der Mitarbeiter im Unternehmen zu schärfen, müssen die Unternehmen eine entsprechende Ethikkultur aufbauen und eine effektive Kontrolle installieren. Dabei hilft es, wenn man das Thema klar strukturiert und sich die zehn wichtigsten Hauptrisiken vor Augen hält.

1. Unternehmenskultur

Eine Verpflichtung zu ethischen Standards und zu bestimmten Werten sollte in der Unternehmenspolitik verankert werden. Entsprechende Richtlinien müssen formuliert, die Mitarbeiter ausreichend informiert und aufgeklärt und in diesem Sinne funktionierende Strukturen im Unternehmen installiert werden. Ziel ist, bei allen Mitarbeitern ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. Nicht zuletzt ist auch eine effektive Kontrolle des Compliance-Verhaltens unabdingbar.

2. Unlauterer Wettbewerb

Kunden haben Anspruch auf einen Markt ohne wettbewerbswidrige Absprachen zwischen den Anbietern, ohne den Missbrauch von Marktpositionen und unfaire Beschränkungen. Jeder Mitarbeiter im Vertrieb oder Einkauf, der direkt mit Wettbewerbern zu tun hat, kann leicht mit dem Wettbewerbsrecht in Konflikt geraten. Die Kenntnis dieses Rechtsgebiets und die Gefahren im Falle eines Verstoßes sollten den zuständigen Mitarbeitern vermittelt werden.

3. Bestechung, Geschenke und Interessenkonflikte

Jeder Mitarbeiter ist in der Regel bestrebt, im besten Interesse für sein Unternehmen zu handeln. Er ist dabei allerdings einigen Regelungen und Beschränkungen unterworfen. Persönliche Geschenke und Vorteile zugunsten von Entscheidungsträgern sind, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, verboten. Interessenkonflikte sollten in jedem Fall vermieden oder unverzüglich angezeigt werden.

4. Finanzen und Rechnungswesen

Fehlverhalten im Finanzbereich – ob Geldwäsche, Bilanzfälschung, Insiderhandel und dergleichen – geht immer zu Lasten anderer. Die wahren Opfer werden oft nicht wahrgenommen. Die meisten Gesetze, die sich mit finanzieller Integrität und entsprechenden Kontrollen beschäftigen, bestehen zum Schutz von Unternehmen und Investoren.

5. Dokumentation und Berichtswesen

Grundsätzlich müssen Unterlagen und Dokumente, insbesondere wenn sie sensible Daten enthalten, vertraulich verwaltet und dürfen nur nach den gesetzlichen Vorgaben bearbeitet, weitergeleitet oder vernichtet werden. Rechtliche Aufbewahrungsfristen sind einzuhalten und Unterlagen auf Verlangen den Behörden zur Einsicht zu übermitteln. Den Mitarbeitern muss bewusst gemacht werden, dass ein Verfälschen oder Verschweigen von Zahlen oder Informationen ernsthafte Folgen nach sich ziehen kann.

6. Datenschutz und geistiges Eigentum

Immaterielles Eigentum wie Marken oder Patente kann äußerst wertvoll sein – manchmal sogar wertvoller als die materiellen Vermögenswerte eines Unternehmens. Geistiges Eigentum muss geschützt, sensible geschäftliche Informationen und persönliche Daten müssen vertraulich behandelt werden. Im Zeitalter des elektronischen Datenverkehrs bedürfen Mitarbeiter ausreichender Schulung.

7. Arbeitnehmerrechte und Arbeitsbedingungen

Unternehmen müssen sowohl die individuellen als auch die kollektiven Rechte ihrer Mitarbeiter berücksichtigen. Auch im Verhältnis der Mitarbeiter untereinander sind diese Rechte zu beachten. Schutz vor Diskriminierung, Arbeitssicherheit, Umweltschutz oder die Einhaltung von Arbeitszeitrichtlinien sind nur einige Themen, über die Mitarbeiter und Vorgesetzte informiert sein müssen.

8. Verbraucherschutz

Unternehmen dürfen Produkte oder Dienstleistungen, von denen unzumutbare Gefahren für die Nutzer ausgehen, weder herstellen noch vertreiben. Die Kunden müssen nicht nur vor fehlerhaften Produkten, sondern auch vor irreführender Werbung und unlauteren Verkaufspraktiken geschützt werden. Bei Fehlverhalten und entsprechenden Klagen können Unternehmen gravierende Finanz- und Imageschäden erleiden.

9. Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz

Produkte und Dienstleistungen dürfen die Gesundheit und Sicherheit der Bürger sowie die Umwelt nicht gefährden. Auch die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter muss geschützt werden.

10. Regierungsuntersuchungen und Kontrollen

Regierungsbehörden haben sehr weit reichende Möglichkeiten, um Untersuchungen und Kontrollen durchzuführen, Verfügungen zu erlassen oder Handelsaktivitäten zu untersagen. Werden diese Rechte ausgeübt, müssen die Unternehmen mit den entsprechenden Behörden kooperieren. Darüber hinaus müssen die Geschäftsführung und die Mitarbeiter eines Unternehmens wissen, wie mit Regierungsbehörden umzugehen ist.

Bei all diesen Punkten ist es nicht nur notwendig, den Mitarbeitern entsprechende Informationen und Aufklärung zu bieten. Es müssen im Unternehmen auch Strukturen – Ansprechpartner oder Anlaufstellen sowie Kontrollmechanismen – geschaffen werden, um die Umsetzung in der Praxis zu gewährleisten. Nicht zuletzt sollte ein entsprechend offenes, der Ethik- und Compliance-Kultur im Unternehmen förderliches Klima (oder Bewusstsein) geschaffen werden.

Begriffsbestimmung

In der Betriebswirtschaft wird der Begriff Compliance verwendet, wenn es um die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien sowie freiwilligen Kodizes in Unternehmen geht. Ins Deutsche übersetzen könnte man Compliance mit „Regelüberwachung“. Darüber hinaus soll natürlich auch die Übereinstimmung des unternehmerischen Geschäftsgebarens mit allen gesellschaftlichen Richtlinien und Wertvorstellungen, mit Moral und Ethik gewährleistet werden.

Joachim Bause ist Geschäftsführer Zentraleuropa von Integrity Interactive, 80539 München, Tel. (089) 24218206, Fax (089) 24218200

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