Roland-Berger-Studie

Lieferengpässe in der deutschen Industrie gefährden den Aufschwung

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Die stillgelegten Kapazitäten müssen die Unternehmen jetzt erst wieder hochfahren, so Roland-Berger-Projektmanager Sebastian Durst. Und das brauche Zeit, zumal viele Unternehmen noch zurückhaltend seien, weil sie Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs hätten. Dazu komme eine bewusste Verknappung des Angebots, um die Preise zu erhöhen oder stabil zu halten.

Steigende Nachfrage trifft auf knappes Angebot

Auf der anderen Seite steht der Berger-Studie zufolge eine deutliche Zunahme der Nachfrage: 95% der befragten Unternehmen spüren eine Belebung ihres Geschäfts und benötigen entsprechend wieder mehr Rohstoffe und zugelieferte Teile.

Dass viele Unternehmen nicht mit einem so deutlichen Aufschwung gerechnet hätten, verschärfe die Situation zusätzlich, so Durst. Dazu komme, dass die Nachfrage je nach Produkt zum Teil heftig schwanke. Die Ursachen für Lieferengpässe seien je nach Warengruppe unterschiedlich stark ausgeprägt.

Vulkanausbruch spielt untergeordnete Rolle

Zwei weitere Gründe für die Lieferengpässe betreffen die Wertschöpfungskette insgesamt: Einerseits haben alle Beteiligten während der Krise die Sicherheits- und Pufferbestände abgesenkt und dabei teilweise überreagiert. Andererseits ist jetzt ein gegenläufiger Effekt zu beobachten:

Vor dem Hintergrund der Lieferengpässe bestellten oder reservierten die Unternehmen jetzt zum Teil mit deutlichen Sicherheitsaufschlägen, um so ihre eigene Versorgung zu sichern. Das sorge für zusätzliche Engpässe.

Der Vulkanausbruch auf Island und das dadurch ausgelöste Chaos bei der Luftfracht beeinflusst die Lieferketten dagegen der Umfrage zufolge nur am Rande.

Am ehesten betroffen hiervon sind Unternehmen der Automobilindustrie. Dagegen erwarten rund 70% der Unternehmen nicht, dass sich die Lage durch die vulkanbedingten Lieferstörungen zusätzlich dauerhaft verschlechtert.

Probleme mit Lieferketten bleiben bestehen

Der Vulkanausbruch in Island hat ein Problem noch einmal verschärft und in den Blickpunkt des Interesses gerückt, so Thomas Rinn, das vorher auch schon da war. Die Probleme mit ihren Lieferketten hatten viele Unternehmen aber vorher auch schon – und werden sie in den kommenden Monaten auch noch haben, wenn niemand mehr über den Vulkan redet.

Die Experten von Roland Berger haben Ansatzpunkte zur Überwindung der Lieferengpässe erarbeitet: Dazu gehören unter anderem ein nachfragegerechter Kapazitätsaufbau, ein realistisches Bestellverhalten und der Verzicht auf eine „künstliche“ Verknappung.

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