Schnelle Reaktionen auf dynamische Ereignisse, bessere Planbarkeit und höhere Liefersicherheit versprechen Plattform-Lösungen auf Blockchain-Basis. Dank Transparenz in der Lieferkette lässt sich zudem die Produktqualität sicherstellen.
Vereinfachte Darstellung der Distributionskette in der Pharmaindustrie
Die Globalisierung und weltweite Vernetzung haben dafür gesorgt, dass die Komplexität von Lieferketten in der pharmazeutischen Industrie enorm gestiegen ist – genauso wie die Risiken: Schwankungen in Angebot und Nachfrage werden schnell zur Herausforderung, da kaum ein Beteiligter alle Glieder der Lieferkette kennt.
Das hat sich ganz besonders in der Corona-Pandemie gezeigt, die mit Shutdowns in verschiedenen Ländern die Produktion teilweise oder weitgehend lahm gelegt hat. Hinzu kamen Lieferverzögerungen durch striktere Zollabwicklungen und Probleme auf den Transportwegen. Nicht selten wurde erst dadurch deutlich, dass bestimmte Rohstoffe knapp werden, weil sie nur aus einem einzigen Land bezogen werden (können).
Transparenz in der Lieferkette – Wunsch und Wirklichkeit
Deshalb ist es für Produzenten essenziell zu wissen, wo welcher Rohstoff für welches Produkt herkommt, wie es um die aktuelle Liefersituation bestellt ist und wo sich in der Lieferkette welche Mengen des Produkts oder Rohstoffs aktuell befinden. Allerdings sind Lieferketten in der Regel, bedingt durch die Vielzahl an Beteiligten – von den Erzeugern über die Transporteure und den Groß- und Einzelhandel bis zum Verbraucher – fragmentiert und unübersichtlich.
Die Zusammenarbeit und das Management des Transports sowie der vor- und nachgelagerten Prozesse werden zudem dadurch erschwert, dass die Akteure unterschiedliche Backend-Systeme für die Datenverarbeitung verwenden. Schnelle Entscheidungen und Reaktionen auf dynamische Ereignisse in der Lieferkette sind dadurch fast unmöglich, ebenso die Rückverfolgbarkeit und Planbarkeit.
Bei pharmazeutischen Produkten kommt hinzu, dass sie meist begrenzt haltbar und auf die Einhaltung spezifischer Produktions- und Transportbedingungen angewiesen sind. Durch mangelhaftes Supply-Chain-Management kann deshalb Ausschuss und damit ein finanzieller Verlust entstehen beziehungsweise Produkte mit mangelhafter Qualität.
Seminar: Qualitätsrisikomanagement für regulierte Produkte
In unserem Seminar „Qualitätsrisikomanagement für regulierte Produkte im Lifescience“ lernen Sie, wie Sie ein Risikomanagementsystem aufbauen und im Qualitätsmanagement integrieren können. Dabei werden Hilfsmittel präsentiert und deren Einsatz anhand von Fallbeispielen geübt. Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie ist diese Veranstaltung auch als Live-Webinar buchbar.
Entspricht ein Produkt nicht den Qualitätsanforderungen, sind innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen zu treffen und Maßnahmen durchzuführen, zum Beispiel ein Produktrückruf. In einer komplexen, intransparenten Lieferkette sind solche Aktionen extrem zeit- und kostenaufwendig.
Eine Rückrufaktion verursacht durchschnittliche Kosten von 9,5 Mio. US-Dollar
Wird die Maßnahme nicht zeitnah ergriffen, besteht die Gefahr, dass mangelhafte Produkte zum Verbraucher gelangen. Die Folge können gesundheitliche Schäden durch falsche oder unzureichende Wirksamkeit der Arzneimittel sein und damit ein herber Imageschaden und Vertrauensverlust der Kunden.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind transparente Lieferketten mit einer Echtzeit-Zustandsüberwachung nötig. Dazu müssen die unterschiedlichen Prozesse und Systeme aller an der Lieferkette Beteiligten sowie die daraus entstehenden Daten zusammengeführt werden.
Digitale Plattform schafft Transparenz
Die SAP-Plattformlösung „SPRINT – Strategic Product Recall in Transparency“ hat Tech Mahindra im Rahmen des SAP Co-Innovation Lab (COIL) speziell für diesen Einsatz entwickelt. Sprint transformiert die fragmentierte physische Lieferkette in eine intelligente, digitale Ende-zu-Ende-Version und vereint hier alle Partner auf einer Plattform. Damit unterstützt sie eine durchgängige Rückverfolgbarkeit innerhalb der vor- und nachgelagerten Lieferkette. Gibt es bei einem Produkt Qualitätsmängel oder ist gar eine Rückrufaktion erforderlich, liefert die Lösung detaillierte Produkt- und Geodaten sowie die Rückverfolgbarkeit über verschiedene Abschnitte der Lieferkette hinweg.
(Bild: Tech Mahindra)
Die Blockchain-Lösung basiert auf SAP Leonardo Blockchain-as-a-Service mit der SAP Cloud Plattform (SCP) und dem Datenbank-Verwaltungssystem HANA. SCP erleichtert die zukünftige Integration mit verschiedenen Back-End-Anwendungen, unabhängig davon, ob diese von SAP stammen oder nicht.
Blockchain speichert alle Informationen
Das System sammelt riesige Datenmengen aus allen Prozessschritten entlang der Lieferkette, etwa von mobilen IoT-Geräten und Sensoren zur Qualitätsüberwachung der Komponenten oder Produkte während der Lagerung und des Transports, gescannte Barcodes und Produktnummern sowie hochgeladene Fotos zur Authentifizierung und Nachverfolgung der Waren.
Die Daten werden kontextbezogen in Echtzeit analysiert und in einer IoT-fähigen Blockchain gespeichert. Die Blockchain-Technologie sorgt dafür, dass der Informationsfluss über alle Einheiten der Lieferkette unveränderlich ist. Die Produkte und deren Beschaffenheit werden durch Serialisierungsmechanismen eindeutig identifiziert. Das schützt vor Produktbetrug und -fälschungen und ermöglicht die nachweisliche Einhaltung behördlicher Vorgaben sowie den Zugang zur unterstützenden Dokumentation.
Stand: 08.12.2025
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Alle Beteiligten innerhalb der Lieferkette verfügen über eine gemeinsame, einheitliche und integrierte digitale Plattform, über die sie in Echtzeit Einblicke erhalten und mit dem System von Datensätzen interagieren können. Mithilfe der Plattform lässt sich ein solches Blockchain-Netzwerk nach dem Bedarf der Beteiligten einrichten; verschiedene Parteien können einfach verifiziert und in das Netzwerk aufgenommen werden.
Schnelle Reaktionsfähigkeit bei Rückrufaktionen
Auf Basis dieser Daten und Analysen lassen sich Arbeitsabläufe, Transaktionen und fundierte Entscheidungen, vor allem bei dynamischen Ereignissen, innerhalb der Lieferkette schnell gemeinsam treffen. Zudem werden vorausschauende Planungen über Unternehmensgrenzen hinweg möglich.
Kommt es – wie in der aktuellen Corona-Situation – dazu, dass ein oder mehrere Rohstoffe beziehungsweise Komponenten fehlen, können sofort alle betroffenen Endprodukte identifiziert und die Prozesse optimiert werden, indem fehlende Rohstoffe beispielsweise durch regional verfügbare ersetzt werden oder die Produktion zeitlich oder räumlich verschoben wird.
Bei Rückrufaktionen unterstützt die digitale Lieferkette die Unternehmen bei der Verwaltung und Durchführung des Rückrufmanagements, angefangen bei der ersten Benachrichtigung über die Identifizierung der Fehlerquelle und Analyse betroffener Chargen und Produkte bis hin zur endgültigen Disposition und dem Abschluss. So wird sichergestellt, dass die betroffenen Produkte frühzeitig identifiziert und nicht (mehr) in den Umlauf gebracht werden, der Zeitrahmen der Aktion verkürzt sich von Monaten auf Wochen.
* Der Autor ist Country Manager Germany & Austria, Tech Mahindra