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Die Einführung von MTM im Unternehmen ist ein komplexes Unterfangen. Was tut MTM für die Mitarbeiter vor Ort?
Müller: Mitarbeiter vor Ort können zum einen die Planer sein. Für diese Mitarbeiter führen wir Schulungen durch und bieten ihnen Plattformen zum Erfahrungsaustausch, wie beispielsweise auch die jährliche MTM-Bundestagung. Mitarbeiter vor Ort können aber auch die direkten Mitarbeiter sein, für die wir die Planungen erstellen. Dort bieten wir den Mitarbeitern, aber auch deren Interessenvertretern, eine Planungsnorm. Die MTM-Zeit ist eine Norm zum objektiven Vergleich der Leistungen und findet daher auch breite Akzeptanz in der Belegschaft.
Die MTM-Methode ist inzwischen weltweit verbreitet. Welche Vorteile bietet MTM international agierenden Unternehmen?
Müller: Die MTM-Prozessbausteine, mit denen Arbeitsabläufe objektiv abgebildet werden können, sind weltweit standardisiert, das heißt, die Abkürzungen, die Einheiten und die Zeitwerte sind identisch. Im internationalen Team wissen die Kollegen, worüber sie sprechen. Die Begrifflichkeiten sind normiert. Das erleichtert sehr stark die länder- bzw. werkübergreifende Kommunikation. Wenn ein Konzern die Fertigung eines Produktes oder einer Serie ins Ausland verlagert, können die Prozessbausteine 1:1 übertragen werden. So wird Doppelarbeit vermieden. Alle Werke nutzen dieselbe Datenbasis. Das sind große Vorteile für internationale Unternehmen.
Was ist bei MTM wichtiger – die Zeitbestimmung oder die Prozessoptimierung?
Müller: Der MTM-Leitsatz „Die Methode bestimmt die Zeit“ beantwortet eigentlich Ihre Frage. Das Wesentliche ist die Gestaltung der Arbeitsplätze mittels Prozessbausteinen. Optimiert werden beispielsweise Greif- und Laufwege, die Teilebereitstellung, Werkzeugablagen und der Einsatz beider Hände. Wenn wir die Methodik richtig gewählt und die Arbeitsabläufe gut gestaltet haben, erschließen sich automatisch Zeitsparpotentiale, da den Bausteinen Normzeiten zugeordnet sind. Durch die entstehende Transparenz können diese Potentiale relativ schnell gehoben werden.
Eine stringente Planung braucht qualifizierte Fachleute. Auf einschlägigen Kongressen hört man immer wieder, dass die Hochschulabsolventen über ein zu geringes Methodenwissen und zu geringe Praxiserfahrung verfügen. Was ist Ihre Erfahrung und wie sieht für Sie der ideale Absolvent aus?
Müller: Ein Hochschulabsolvent ist nicht gleich ein fertiger Planer. Ein Planer braucht vier Jahre Planungserfahrung, bis man ihn allein an eine Planung setzen kann. Diese Erfahrung kann ein Student nicht mitbringen. Was er aber mitbringen kann und mitbringen sollte, ist ein Verständnis davon, welche Grundprinzipien der Produktion es gibt und wie die Wertströme in einer Fertigung fließen. Er sollte einen morphologischen Kasten mit den wichtigsten Bewertungsprinzipien kennen, die es ihm ermöglichen, Verbesserungspotentiale zu erkennen und zu belegen.
Dafür bietet MTM an Hochschulen die Ausbildung „Basic MTM“ an. Die Schulung lehrt den Absolventen die Grundverfahren MTM-1 sowie MTM-UAS und befähigt sie, Arbeitssysteme mit MTM zu bewerten und zu optimieren. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, dass die Absolventen die Erfahrung der älteren Mitarbeiter wertschätzen und offen mit ihnen kommunizieren können. Die Qualität der Planung hängt immer davon ab, wie gut der Planer die Produktionsabläufe kennt. Dieses Wissen der älteren Mitarbeiter müssen sich die jungen Industrial Engineers zunutze machen.
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