Sanierungsgutachten Möglicher Rettungsanker für Meyer Werft

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Das Beratungsunternehmen Deloitte soll helfen, die Werft im Emsland vor dem Untergang zu retten. Der erste Sanierungsentwurf gibt Grund zur Hoffnung.

Trotz voller Auftragsbücher steckt die Meyer Werft in der Krise. Das Unternehmen braucht dringend neues Geld. Ein erstes Sanierungsgutachten lässt hoffen.(Bild:  Meyer Werft/ David Hecker von Aschwege)
Trotz voller Auftragsbücher steckt die Meyer Werft in der Krise. Das Unternehmen braucht dringend neues Geld. Ein erstes Sanierungsgutachten lässt hoffen.
(Bild: Meyer Werft/ David Hecker von Aschwege)

Die Beratungsfirma Deloitte hatte nach Unternehmensangaben in einem ersten Entwurf für die Sanierung der Werft eine positive Prognose in Aussicht gestellt.

Laut Werftchef Bernd Eikens und Sanierungsexperte Ralf Schmitz gibt es jedoch noch zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. Bis Ende August soll die finale Version des Sanierungsplans vorliegen, aber bis dahin müsse noch einiges passieren. Dringend notwendig sei eine Verbesserung der finanziellen Ergebnisse der Werft, die zuletzt Verluste verzeichnete, so Schmitz.

Werft muss dringend Ergebnis verbessern

Die Werft habe zuletzt Verluste gemacht, sagte Schmitz der Deutschen Presse-Agentur. Das müsse sich dringend ändern und das Unternehmen bis zum 15. September frisches Geld bekommen. „Wir brauchen eine Zusage und entsprechende Kreditverträge – das ist noch viel Paperwork”, so Schmitz.

Rund 2,5 Milliarden Euro würden insgesamt für den Bau von Schiffen benötigt. Es handele sich dabei nicht um Subventionen, sondern um übliche Kredite. Diese seien notwendig, um Investitionen zu tätigen. Denn: In der Branche werden üblicherweise 80 Prozent des Baupreises eines Schiffes erst bei Ablieferung gezahlt. Den Bau muss die Werft also mit Krediten zwischenfinanzieren.

Beteiligung der öffentlichen Hand möglich

Herausfordernd sei zudem, die Erhöhung des Eigenkapitals zu finanzieren. Denn damit müssten Verluste der Vergangenheit finanziert werden, meint Schmitz. Die „überwiegend wahrscheinliche Variante” sei eine Beteiligung der öffentlichen Hand an der Werft. Parallel schaue das Management der Werft, ob sich ein weiterer Investor finden lässt. Das Eigenkapital muss um 400 Millionen Euro aufgestockt werden.

Laut Schmitt gibt es derzeit konstruktive Gespräche auf einem hohen inhaltlichen Niveau – sowohl mit Banken als auch mit Land und Bund. Ergebnisse gebe es indessen noch nicht. Sollten Bund und Land für 80 Prozent der benötigten 2,5 Milliarden Euro Bürgschaften abgeben, blieben noch weitere 500 Millionen Euro ohne Bürgschaften der öffentlichen Hand. Für die gelte es dann, Investoren zu finden.

Schwerste Krise seit Gründung der Werft

Die Meyer Werft erlebt die größte Krise ihrer über 200-jährigen Geschichte. Ein Grund dafür ist laut Schmitz die generelle Zurückhaltung der Banken, in den Schifffahrtssektor zu investieren, insbesondere nach der Containerschifffahrtskrise vor einigen Jahren. „Dazu kommt, dass die Meyer Werft in den letzten Jahren keine Ertragsperle war.” Die Verluste seien dabei im Wesentlichen auf die Corona-Pandemie zurückzuführen.

So hat die Werft derzeit zwar Aufträge bis 2028. Allerdings waren die Verträge für die Kreuzfahrtschiffe teilweise vor der Corona-Pandemie abgeschlossen worden. Mit Konditionen, die nun nicht mehr haltbar seien.

Wegen des zwischenzeitlichen Einbruchs des Tourismusmarktes waren Aufträge in Absprache mit den Reedereien zeitlich gestreckt worden. Aber an die drastisch gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine seien die Verträge nicht angepasst worden.

Restrukturierungsmaßnahmen beschlossen

Anfang Juli einigte sich die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat und der IG Metall auf ein Restrukturierungskonzept. Mit dem Ergebnis: 340 der mehr als 3.000 Stellen sollen demnach abgebaut werden. Es sollen ein Aufsichtsrat und ein Konzernbetriebsrat geschaffen und der Unternehmenssitz wieder von Luxemburg nach Deutschland verlegt werden.

Belegschaft wieder zuversichtlicher

Die positive Prognose des Gutachtens wurde von den Beschäftigten mit Erleichterung aufgenommen, sagte Betriebsratsvorsitzender Andreas Hensen. Er selber kenne das Gutachten bisher nicht komplett. Der Betriebsrat wolle sich in den kommenden Tagen damit beschäftigen. Es sei klar, dass die Werft noch nicht endgültig gerettet sei, sagte er.

Für den Umbau des Unternehmens werde eine Zeitspanne von drei bis vier Jahren erwartet, hieß es. Bis 2028 solle die Meyer Werft wieder eine „zuverlässige, qualitätsbewusste Werft” sein, die zusammen mit ihren Kunden und Partnern ihre Technologie- und Innovationsführerschaft, vor allem im Bereich Nachhaltigkeit und Digitalisierung, behaupten könne, hieß es.

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