Studie Schlechte Beschaffungslogistik im Maschinenbau beschert Millionenverluste

Redakteur: Claudia Otto

Zu hohe Bestände wegen mangelnder Liefertreue verursachen beim deutschen Maschinen- und Anlagenbau enorme Verluste. Durchschnittlich ein Sechstel des Beschaffungsvolumens wurde laut der 110 Teilnehmer der Studie „Beschaffungslogistik im Maschinen- und Anlagenbau“ der RWTH Aachen im vergangenen Jahr verspätet angeliefert.

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Um ihre Montage zeitlich nicht zu sehr in Verzug zu bringen, wappneten sich die meisten Unternehmen mit einer Aufstockung ihrer Sicherheitsbestände. Der Einbruch der Absatzzahlen habe jedoch vor allem Einzel- und Kleinserienhersteller in die Situation gebracht, über 20% ihres Umsatzes in Beständen ruhen zu haben. Während die Serienhersteller ihre Lager in den vergangenen Monaten leeren konnten, leide der Einzel- und Kleinserienhersteller bis heute unter dem Wertverlust und den Kosten seiner hohen Lagerbestände.

Effizienzverluste bei Serienherstellern wesentlich geringer

Generell können sich Serienhersteller mit weitaus weniger Effizienzverlusten und mit bedeutend geringeren Beständen (11,9%) durch die Beschaffungskette manövrieren – was zum Teil in der Wiederholrate ihrer Einkäufe begründet ist. Laut Studienergebnis erreichen sie Kostenvorteile im ein- bis zweistelligen Millionenbereich. Mit einem intelligenten Beschaffungsmanagement könne aber jedes Unternehmen – unabhängig von Fertigungsart oder Umsatzgröße – rund 5,4% seiner Kosten einsparen.

Mehr Transparenz in der Beschaffung schafft eine regelmäßige Abfrage des Lieferstatus auf Basis von elektronischem Datenaustausch (EDI), wodurch der Einkauf eventuellen Engpässen schnell vorbeugen kann. In diesem Bereich seien die Unternehmen, die ihre Einkaufsprozesse mit EDI abwickeln, deutlich im Vorteil. Die Zeitersparnis dank EDI (rund 55%) kommt strategischen Aufgaben zu Gute.

Schlüsselstellung des Einkaufs vielen Unternehmen nicht bewusst

Claus Narr, Geschäftsführer der My Open Factory Software GmbH vermutet, dass vielen Unternehmen die Rolle des Einkaufs nicht bewusst ist: „Das zeigt sich zum Beispiel in einem fehlenden Warengruppenmanagement und einer diffusen Beschaffungsstrategie, die eine ausgedehnte Lieferantenbasis von manchmal bis zu 600 Lieferanten nach sich zieht.“

Durchschnittlich erzielen Einzel- und Kleinserienhersteller nur ein Fünftel des Umsatzes (80 bis 85 Mio. Euro) verglichen mit den befragten Serienherstellern (etwa 400 Mio. Euro). Gleichzeitig arbeiten sie aber mit rund 30% mehr Lieferanten zusammen, um ihre Einkäufe zu bewerkstelligen.

Durch ihren geringen Umsatz pro Lieferant haben vor allem kleinere Unternehmen oft wenig Verhandlungsspielraum bei ihren Zulieferern und werden von Dreiviertel ihrer Lieferanten als B- oder sogar C-Kunde betrachtet. Zur Verbesserung der Lieferzuverlässigkeit wollen die Studienteilnehmer künftig verstärkt Auszeichnungen oder Erfolgsbeteiligungen als Anreizsysteme einsetzen. Ihrer schwachen Machtposition gegenüber ihren Lieferanten wollen vor allem B- und C-Kunden in Form einer gemeinsamen Plattform für eine öffentliche Lieferantenbewertungen begegnen.

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