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Logistiker in Bahrain
Um herauszufinden, wie sich die Realität für bereits in Bahrain ansässige Logistiker gestaltet, traf ich mich mit Bassam Ali Ameen Alkhaja, dem Geschäftsführer von Schmidt ME Logistics, einer Tochter der Karl Schmidt Spedition, die vor sechs Jahren in Dubai gegründet wurden. Den ersten Hub in der Region baut Schmidt derzeit aber in der Bahrain Logistics Zone (BLZ) auf. „Über den Standort des Hubs machten sich unsere Mitarbeiter im Dubai-Büro viele Gedanken und wir sahen uns viele Möglichkeiten an“, erklärt Alkhaja. „Die Wahl für unseren zentralen Standort – es wird weitere, kleinere Satelliten in der Region geben – fiel nicht aus einem einzigen Grund auf Bahrain, sondern wegen des Paketes, das man uns hier bieten kann.“
Als Beispiel führt er die Infrastruktur an. Obwohl Bahrain beispielsweise nicht über den größten Hafen in der Region verfügt, konnte er die Fachleute durch seine Effektivität und Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Kosten überzeugen. „Man darf hier auch nicht den Bereich der Human Resources vergessen“, fügt der Geschäftsführer und gebürtige Bahraini an. „Es gibt hier sehr qualifizierte Arbeitskräfte, die ebenso gut ausgebildet sind, wie das an unseren europäischen Standorten der Fall ist. Außerdem arbeiten Bahrainis in allen Branchen und Professionen, wodurch auch Quoten kein Problem sind.“ Bis Ende 2017 sollen hundert von ihnen in den zu Zeiten meines Besuchs noch leeren Hallen und Büros arbeiten, in die Schmidt insgesamt etwa 30 Mio. US-Dollar investiert. Mittlerweile sollten die ersten Testlieferungen abgeschlossen sein und die Hallen sich füllen. Dann wird auch die Transportzeit nach Saudi Arabien eine große Rolle spielen. „Wir gehen davon aus, dass wir den Transport vom Hafen bis nach Saudi-Arabien inklusive Clearing in etwa zwölf Stunden schaffen werden“, so Alkhaja. „Um diese Zeiten zu erreichen, muss man natürlich die nötigen Vorbereitungen treffen, aber das fällt leicht, unter anderem auch, weil die Institutionen hier wirklich daran interessiert sind, dem Logistiksektor zu helfen.“
Ein Deutscher in der Wüste
Prof. Bernd J. Hoefer stammt aus Köln, lebt und arbeitet aber mittlerweile bereits seit 10 Jahre in Bahrain. Ursprünglich führte er hier für den Schwager des Königs zwei Unternehmen, gründete 2008 dann sein eigenes Unternehmen, A9C Capital, und ist Vorsitzender des deutschen Wirtschaftskreises auf der Insel. Ein perfekter Ansprechpartner also, um über die lokale Geschäftswelt zu sprechen. Auch er stellt klar: „Natürlich ist der Markt hier winzig und kann allein kein Grund für Unternehmen sein, sich hier anzusiedeln. Es geht immer um das Geschäft mit Saudi-Arabien und den anderen Ländern des GCC. Hierfür bietet das Land aber ausgezeichnete Voraussetzungen. Nehmen Sie beispielsweise die Tatsache, dass die Möglichkeit zur 100 % foreign ownership besteht. Das geht beispielsweise in Dubai nicht. Dort müssten sie sich dazu in einer Freihandelszone ansiedeln, was natürlich sehr viel teurer ist und auch andere Nachteile mit sich bringt.“ Allerdings ist es, wie viele der Gesprächspartner betonen, dennoch häufig ratsam, einen lokalen Geschäftspartner zu haben, um von dessen Marktzugängen zu profitieren.
Hoefer kommt auch auf die Liberalität des Landes zu sprechen, die in der Region wohl einzigartig und bei einem Besuch unübersehbar ist. Das beginnt damit, dass Frauen ganz selbstverständlich Auto fahren und schließt auch die allgemeine Religionsfreiheit ein, durch die unter anderem christliche Kirchen kein Kuriosum sind. Als Beispiel für diese Liberalität wird gerne Houda Ezra Nonoo angeführt, eine arabische Jüdin, die Bahrain als Botschafterin bei der UN vertrat. Diese Liberalität wirkt sich Hoefer zufolge auch auf das Geschäftsleben aus. „Für die Unternehmensgründung gibt es beispielsweise einen festgelegten Prozess und sie können realistischerweise in vier Wochen ein Unternehmen gegründet haben“, so der Geschäftsmann. Auch das Investitionsrecht wurde nochmals liberalisiert. Einige Aktivitäten wie Distribution oder Immobilienerschließung, die früher Bahrainis vorbehalten waren, sind jetzt für alle Unternehmen offen.
Mehr Platz für die Logistik
Um sicherzustellen, dass für interessierte Logistiker genug Platz zur Verfügung steht, wird bereits eine zweite Logistikzone (BLZ 2) geplant, wie Minister bin Ahmed verrät: „Wir befinden uns gerade in den Gesprächen zur Umsetzung, da es in BLZ 1 in einem Jahr wohl keinen freien Platz mehr geben wird. Wir werden eine Fläche von 1,2 Mio m² schaffen.“ Das ist aber nicht das einzige weitere Zukunftsprojekt, das bin Ahmed am Herzen liegt und von dem er sich einen weiteren Schub für die Logistik in seinem Land erhofft. Wenig überraschend geht es dabei in vielen Fällen um eine Vereinfachung der Lieferung von und nach Saudi-Arabien. So arbeiten die beiden Länder an einem Programm für bekannte Versender, für die die Abwicklung am Zoll zukünftig noch schneller von- stattengehen soll, und an einem Single-Window-System, durch das zwischen den beiden Ländern nur noch ein Stopp nötig wäre. Das Königreich lässt seinen Worten also Taten folgen und treibt seine Emanzipation vom Öl weiter voran. Logistikern mit Ziel Saudi-Arabien kann das nur recht sein ... ■
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