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Distribution Bahrain – der schnellste Weg nach Saudi-Arabien?

Autor: M. A. Benedikt Hofmann

Das kleine Königreich Bahrain am Persischen Golf rüstet sich mit ambitionierten Plänen für die Zeit nach dem Öl. Die Planer vor Ort setzen dabei große Hoffnungen auf die Bereiche Fertigung und Logistik, in denen die Unternehmen besonders von der schnellen und unkomplizierten Verbindung nach Saudi-Arabien profitieren könnten.

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Bahrain blickt auf eine lange Tradition des Handels zurück und will hier auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der Golfregion spielen.
Bahrain blickt auf eine lange Tradition des Handels zurück und will hier auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der Golfregion spielen.
(Bild: Hofmann/MM LOGISTIK)

Es kommt der Tag, an dem das Öl versiegt. Diese Erkenntnis wird zwar noch nicht an jedem vom Öl gesegneten Ort des Planeten ausgesprochen, verstanden aber sehr wohl. Vielerorts hat man schon vor einiger Zeit damit begonnen, sich für die Zeit nach dem schwarzen Gold zu rüsten. Gerade unter den Golfstaaten gibt es einige Beispiele, die schon lange daran arbeiten, sich Standbeine neben dem Rohstoffexport aufzubauen. Das Emirat Katar ist ein Beispiel dafür und auch Dubai, die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Das kleine Inselkönigreich Bahrain wird neben den glitzernden Metropolen, die in den vergangenen Jahrzehnten am Persischen Golf entstanden sind, häufig übersehen, dabei ist und bleibt es ein Mikrokosmos, an dem man die Entwicklung in der Region ablesen kann: Hier wurden die ersten Ölvorkommen am Golf entdeckt und hier wird das Öl als erstes versiegen.

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Die Zeit danach

Die Führung Bahrains ist sich dessen bewusst und artikuliert das auch sehr offen. Will man den mittlerweile recht hohen Lebensstandard des Landes halten, benötigt man also neue Einnahmequellen. Die Aluminiumindustrie ist ein Beispiel dafür und auch die Textilwirtschaft, die beide bereits zu wichtigen Wirtschaftszweigen geworden sind. Die Logistik soll ein weiterer werden, dieses Ziel verfolgen Regierung und die zuständige Behörde für Wirtschaftsentwicklung, das Bahrain Economic Development Board (EDB), sehr engagiert. Das kann jeder sehen, der von Zeit zu Zeit Logistikevents besucht, der Deutsche Logistik-Kongress ist das jüngste Beispiel.

Natürlich sind auch die Medien ein probates Mittel, um ein derartiges Projekt unter den einschlägigen Unternehmen bekannt zu machen. Und so kam es, dass ich Ende Oktober meine Koffer packte, um mir auf Einladung des EDB vor Ort ein Bild von dem zu machen, was Vertreter Bahrains immer so blumig beschreiben. Es sollten drei sehr interessante Tage, mit vielen aufschlussreichen Gesprächen werden, aber der Reihe nach ...

Das Tor in den Nahen Osten

Um ein Land zu verstehen, hilft es immer, sich ein wenig mit seiner Geschichte zu beschäftigen. Diese reicht im Falle Bahrains zurück bis ins 3. Jahrtausend v. Chr., als die Kultur der Dilmun dort siedelte. Um 2000 v. Chr. verliefen dann die Handelswege der Sumerer und Babylonier nach Indien über Bahrain. Man kann also tatsächlich sagen, dass das Königreich auf eine lange Handelstradition zurückblicken kann. Was sich wohl unter anderem auf die geografische Lage zurückführen lässt, die sich auch im Namen, „al-Bahrain“ bedeutet „die zwei Meere“, widerspiegelt. An diese Tradition will man in Bahrain jetzt anknüpfen und zum Tor in den Nahen Osten – vor allem auf den großen Markt Saudi-Arabien – werden. Dieses Ziel Realität werden zu lassen, lässt sich das nur rund 750 km² große Land einiges kosten. Mehr als 32 Mrd. US-Dollar sollen im Rahmen der Strategie 2030 unter anderem in die Infrastruktur fließen. Und das sieht man gerade in der Hauptstadt Manama auf Schritt und Tritt. Überall wird gebaut, seien es Hochhäuser, Siedlungen oder Verkehrswege.

Bei Letzterem stehen die größten Projekte aber noch an: Eine zweite Brückenverbindung nach Saudi-Arabien und eine Zugverbindung zwischen den Golfstaaten. „Die Oberhäupter der Mitgliedsstaaten des Golf-Kooperationsrats haben sich mittlerweile darauf geeinigt, dass eine Zugverbindung zwischen den einzelnen Staaten geschaffen werden soll“, erklärt H. E. Kamal bin Ahmed, Minister für Transport und Telekommunikation, bei einem Gespräch im Ministerium. „An diesem Projekt arbeiten wir schon seit einigen Jahren, da es hier natürlich einigen Abstimmungsbedarf gibt, beispielsweise bei den technischen Standards. Wir denken, es wird etwa acht Jahre dauern, bis wir diese Strecke fertiggestellt haben.“ Insgesamt gehen die Verantwortlichen in Bahrain davon aus, dass für die Zugstrecke und den zweiten Causeway für den Straßenverkehr Investitionen zwischen 4 und 4,2 Mrd. US-Dollar nötig sein werden. „Uns ist bewusst, dass wir für unsere Zukunft Unternehmen sowohl aus dem Bereich Logistik, als auch aus der Fertigung benötigen, die sich hier ansiedeln, nur ein Standbein alleine funktioniert nicht“, so bin Ahmed weiter. „Das ist im Endeffekt doch der Grund, aus dem Deutschland im Bereich Logistik die weltweite Nummer eins ist, dort gibt es in beiden Bereichen sehr starke Unternehmen. Deshalb wollen wir auch eine Infrastruktur schaffen, die allen zugutekommt.“

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Über den Autor

M. A. Benedikt Hofmann

M. A. Benedikt Hofmann

Chefredakteur MM MaschinenMarkt