Verdruss um Verschluss Der fest angebundene Flaschenverschluss ist Augenwischerei

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Ein Verpackungsexperte hat die verbindliche Vorgabe fest angebundener Flaschenschraubverschlüsse und -deckel als nicht logisch kritisiert ...

Lippenkratzer oder Umweltsegen? Seit dem 3. Juli dürfen manche Getränkeflaschen nur noch mit fest angebundenen Schraubverschlüssen in den Handel kommen (sogenannten tethered caps). Das soll Kunststoffmüll vermeiden. Ein Experte ist anderer Meinung ...(Bild:  R. Zwickel)
Lippenkratzer oder Umweltsegen? Seit dem 3. Juli dürfen manche Getränkeflaschen nur noch mit fest angebundenen Schraubverschlüssen in den Handel kommen (sogenannten tethered caps). Das soll Kunststoffmüll vermeiden. Ein Experte ist anderer Meinung ...
(Bild: R. Zwickel)

Um den Müll in der Landschaft zu verringern, sind seit 3. Juli lose Verschlusskappen bei bestimmten Getränken verboten. Markus Prem von der Hochschule Kempten äußerte sich gegenüber der dpa folgendermaßen: „Bringt der fest angebundene Verschluss wirklich etwas für den Planeten oder selbst für Europa? Meine Antwort heißt: Nein!“ Für ihn ist die Umstellung des Verschlusssystems reiner Aktionismus, um ein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Der Experte geht aber davon aus, dass bei den sogenannten „tethered caps“ bald ein Gewöhnungseffekt eintreten dürfte. Prem sagte, dass die Menge an weggeworfenen Deckeln, die schließlich im Meer oder in Flüssen und Seen landen, äußerst gering sei. Man habe damit der Industrie Milliardeninvestitionen unter anderem in neue Maschinen auferlegt. Und das für einen Effekt, der quasi nicht messbar ist, so der Experte. Der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels teilte auf Anfrage der dpa mit, dass Anlagen um- oder neu gebaut werden mussten, was Millionen gekostet hat. (Übrigens wurde der ursprüngliche Schraubverschluss vom Briten Dan Rylands vor fast genau 135 Jahren erfunden).

Viel wichtiger ist das generelle Recycling von Kunststoffen

Der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) betonte, dass über größere Probleme bei der Umstellung in der Branche aber nichts bekannt ist. Aufwand und Kosten fielen jedoch sehr unterschiedlich aus. Für einige Unternehmen käme die Umstellungen in der Abfüllung aber einer Produktneueinführung gleich. Andere hätten erhebliche Aufwendungen, wenn Änderungen in der Inspektionstechnik oder bei der Verschließtechnik notwendig waren. Der Anteil, den Europa und Amerika an den Kunststoffen hat, die ins Meer gespült werden, sei gering, so Prem weiter. Denn die überwältigende Mehrheit des Mülls stamme aus Asien. Man müsse deshalb ganz woanders ansetzen, wenn man wirklich was bewegen will. So ist es seiner Meinung nach viel wichtiger, Kunststoffe zu recyceln und einen geschlossenen Materialkreislauf zu bilden. Prem merkt an: „Kunststoffe sind aber bisher in vielen Bereichen Verbundmaterialien, die nicht oder nur sehr schwer recycelbar sind.“ Ein gutes Beispiel sind PET-Flaschen, die fast vollständig recycelt werden können, so Prem. Auch der VDM betonte, bei Glas- und PET-Flaschen werde bereits eine Rücklaufquote von rund 99 Prozent erreicht. Das Problem des sogenannten Litterings – also der Vermüllung – habe also in Deutschland schon vor dem Inkrafttreten der EU-Richtline nicht existiert.

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