Lager Deutsche Unternehmen haben Nachholbedarf im Lagermanagement
Es ist ein fester Bestandteile jeder Versorgungskette, dennoch wird der Stellenwert eines gut organisierten Lagers in vielen Unternehmen unterschätzt. Wir sprachen darüber mit dem Logistikexperten Marco Ehrhardt, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Ehrhardt + Partner GmbH & Co. KG in Boppard.
Anbieter zum Thema
Herr Ehrhardt, welche Resonanz haben zur Zeit der wirtschaftlichen Abschwächung Ihre integrierten Gesamtlösungen für die Lager-Logistik, wie stark sind Sie mit Ihrem Lösungs- und Produktangebot betroffen?
Marco Ehrhardt: Das Jahr 2008 war sicherlich überdurchschnittlich. Aber da wir im letzten Jahr mit einer extrem hohen Auslastung gearbeitet haben, sind wir im Tagesgeschäft jetzt auf ein normales Niveau zurückgekehrt. Der Bedarf an logistischen Gesamtlösungen und an Experten, die in der Lage sind, komplexe Logistikaufgaben zu lösen, ist nach wie vor groß.
In welche Richtung gehen die Anfragen in erster Linie?
Ehrhardt: Vor allem geht es um die Optimierung der Lagerlogistik, wie sich intern die Logistikprozesse besser gestalten lassen, wie sich die Transparenz im Lager erhöhen lässt oder wie sich Durchlaufzeiten reduzieren lassen. Hinzu kommen auch noch viele Lagermodernisierungen.
Wie beurteilen Sie allgemein die Qualität in deutschen Lägern?
Ehrhardt: Das Lager wird in der Regel noch zu sehr vernachlässigt. Dort wird oftmals in veralteten Prozessen gearbeitet, weil viele Unternehmen vor Investitionen zurückschrecken. So gesehen gibt es viele Ansätze, wie und wo man Läger noch erheblich effizienter organisieren und modernisieren kann.
Was ist davon betroffen: die Automatisierung, die Mechanik oder generell die planerische Anlage des Lagers samt der Software?
Ehrhardt: Was die Automatisierung angeht, sehen wir einen Trend hin zu einer höheren Flexibilität und zu optimierten manuellen Lösungen. Oft ist man mit einer manuellen Lösung einfach flexibler und produktiver.
Außerdem sind in vielen Fällen die Kosten für Maintenance und Support so hoch, dass wir für unsere Kunden manuelle Lösungen ermitteln können, die sich nach einer ROI-Berechnung schon innerhalb von neun bis zwölf Monaten amortisieren – trotz des Einsatzes von High-Tech-Systemen wie Pick-by-Voice oder Multi-Order-Picking.
Und wie erklären Sie diesen Trend?
Ehrhardt: Das Geschäft ändert sich. Es werden immer kleinere Mengen bestellt und es wird immer öfter ausgeliefert. Da kommen automatisierte Systeme schnell mal an ihre Grenzen. Da muss man im Einzelfall genau abwägen, ob eine Automatisierung oder eine manuelle Handhabung wirtschaftlich sinnvoller ist.
(ID:315113)