Getränkelogistik

Die Getränkelogistik auf dem Prüfstand – Aktuelle Zahlen und Fakten

| Autor / Redakteur: Heiko Hitzhuber / Jonas Scherf

Wie steht es um die Getränkelogistik in Deutschland?
Wie steht es um die Getränkelogistik in Deutschland? (Bild: pixabay)

Die digitale Transformation macht auch vor der Getränkelogistik nicht halt. Eine aktuelle Studie zeigt, wo die Branche momentan steht – und wo es dringenden Nachholbedarf gibt.

Die Getränkelogistik befindet sich im Wandel – sowohl auf Seiten der Hersteller als auch des (Groß-) Handels. Beide Akteure in der Getränke-Supply-Chain sehen sich veränderten Anforderungen gegenüber, sei es durch das Auf und Ab von Einwegverpackungen, einer zunehmenden Artikelvielfalt, gestiegener Display-Anforderungen oder auch vermehrter Exporttätigkeiten der Hersteller.

Aber nicht nur solche infrastrukturell–kapazitiven Veränderungen stellen die Branche vor große Herausforderungen, auch andere Themen wie die zunehmende Volatilität der Nachfrage an den Absatzmärkten oder der demographische Wandel erfordern innovative und nachhaltige Lösungen für die Zukunft.
Wie die Branche derzeit aufgestellt ist, was bereits getan wurde und welche Maßnahmen geplant sind, um zukünftigen Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können – all dies sind Fragestellungen, die im Rahmen einer im Sommer 2017 durchgeführten Studie erstmals adressiert wurden.

Reaktive Strategien in der Getränkelogistik

Der deutsche Getränkemarkt ist nicht gerade durch deutliche Wachstumszahlen geprägt. Unternehmensindividuelles Wachstum erfolgt demzufolge durch Verdrängung von Wettbewerbern, was zu Preiskämpfen auf der einen und einem immer ausdifferenzierteren Sortiment und steigenden Werbemaßnahmen auf der anderen Seite führt. Dies spiegelt sich auch in den Treibern der Logistikprojekte aus Sicht der deutschen Studienteilnehmer wider. Deutsche Unternehmen der Getränkeindustrie kämpfen vor allen Dingen mit einer Verbreiterung ihres Sortiments durch die Zunahme der Artikelvielfalt und sehen diese als Haupttreiber ihrer Logistikprojekte.

Fokus auf Kostensenkung

Diese generelle unterschiedliche Markt- und Wettbewerbssituation spiegelt sich auch in vielen anderen Antworten im Rahmen der Studie wieder. So geht die Studie etwa der Frage nach, welche Ziele sowohl in der Vergangenheit als auch zukünftig mit strategischen, infrastrukturellen und operativen Projekten verfolgt wurden und zukünftig verfolgt werden sollen.

Anscheinend werden einige wichtige Instrumente zur Kostensenkung durch die deutsche Getränkeindustrie unterschätzt. So zielen zwar immer noch die meisten strategischen Projekte auf die Optimierung des Distributionsnetzwerkes ab, die Optimierung des Produktionsnetzwerkes (etwa die Frage, welche Artikel in welchen Mengen an welchem Standort abzufüllen sind) hingegen (als „Ursache“ der Distributionskosten) wird weitaus weniger betrieben. Dabei liegt gerade in der End-to-End Optimierung von Inbound über Produktion bis zur Kundenbelieferung der eigentliche Hebel zur Optimierung von Service und Kosten!

Getränkelogistik hat im Outsourcing Nachholbedarf

Generell kann festgestellt werden, dass die deutsche Getränkeindustrie im Thema Logistikoutsourcing anderen Segmenten aus Industrie und Handel deutlich nachhängt. Insbesondere die Lagerung von Fertigwaren ist bei deutschen Getränkeherstellern kaum outgesourct. So antworten mehr als 90 % der deutschen Studienteilnehmer, das Lager komplett oder überwiegend selbst zu betreiben (siehe auch Abbildung 1). Auch im Transport zeigen die Teilnehmer einen hohen Anteil von selbst wahrgenommenen Aufgaben. Lediglich bei der Sortierung zeigt sich eine höhere Quote, so haben die Unternehmen diesen Prozess zu 50-60 % outgesourct.

Outsourcinggrad nach Prozessen

Kaum Automatisierung in der Lagertechnik bei deutschen Unternehmen

Auf die Frage, welche Lagertechniken heute in der Getränkeindustrie in Deutschland im Einsatz sind, dominiert mit weitem Abstand das Blocklager, gefolgt vom Breitgang. Keiner der Teilnehmer in Deutschland gibt an, aktuell ein automatisches Hochregallager zu betreiben. Dies entspricht natürlich nicht ganz der Realität. Es gibt einige Hersteller, die bereits ein automatisches Hochregallager in Betrieb haben (z.B. Gerolsteiner, Erdinger, etc.) oder sich aktuell in der Planungsphase für ein solches befinden – allerdings ist die Anzahl dieser Unternehmen an der Grundgesamtheit der Hersteller noch relativ überschaubar und im Getränkefachgroßhandel ist die Verbreitung automatisierter Lagertechniken noch deutlich geringer.

Bezüglich der IT muss festgestellt werden, dass der derzeitige Durchdringungsgrad von IT-Lösungen in der deutschen Getränkelogistik im Vergleich zu anderen Industrien noch relativ gering ist. Lagerverwaltungssysteme (LVS bzgl. WMS) zeigen mit 58% die höchste Durchdringung, während sich andere abgefragte Systeme wie Rampensteuerungssystem, Staplerleitsystem oder Demand Planning & Forecasting deutlich seltener im Einsatz befinden.

Logistikperformance nicht gleich  Unternehmensperformance

In der Logistik geht man naturgemäß immer wieder gerne auch der Frage nach, welchen Wertbeitrag eine gute Logistikperformance darstellt. So untersuchen wir regelmäßig in verschiedenen Branchen den Zusammenhang zwischen Logistikperformance und Unternehmensperformance, mithin die Frage, ob eine gute Logistikperformance zu einer guten Unternehmensperformance beiträgt. Während wir z.B. in der 2016 durchgeführten Chemielogistik-Studie einen solchen direkten Zusammenhang zwischen Logistikperformance und Unternehmensperformance ableiten konnten, gelingt dies für die Getränkeindustrie nicht ohne weiteres.

Unternehmens- und Logistikperformance

Im Gegensatz zu anderen Industrien lässt sich für die Getränkeindustrie kein direkter Zusammenhang zwischen der Logistikperformance der Unternehmen und ihrer Unternehmensperformance ableiten. Unternehmen mit guter Unternehmensperformance weisen typischerweise auch eine gute Logistikperformance auf, allerdings ist eine gute Logistikperformance kein Garant für eine gute Unternehmensperformance wie aus Abbildung 2 deutlich wird. Offensichtlich definiert sich der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens mehr über Marke, Reichweite und Vertrieb als über Lieferservice, Verfügbarkeit und Logistikkosten. Insofern spielt die Logistik in der Getränkewirtschaft eher die Rolle eines Hygienefaktors denn eines Erfolgsfaktors.

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