Über viele Jahrhunderte hinweg haben etliche Philosophen sowie Erfinder und Wissenschaftler den Wert der Einfachheit gepriesen. Wilhelm von Ockham (Ockhams Rasiermesser), Kopernikus, Leonardo da Vinci, Galileo, Isaac Newton und Albert Einstein, um nur einige zu nennen, fanden alle lobende Worte für simple Lösungen. Das soll nicht heißen, dass Lagerfachleute in Zukunft zu Philosophen werden müssen. Aber auch für sie lohnt es sich, sich mit dem Wert einfacher Lösungen zu beschäftigen, nämlich im Bereich der Automatisierung von Lagerprozessen.
Auch KMU sollten sich mit dem Thema der Lagerautomatisierung beschäftigen. Es könnte der Schlüssel dazu sein, in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt zu bestehen.
(Bild: hello@wepartnersfiles.com)
Grundsätzlich befasst sich die Lagerautomatisierung damit, Aufgaben und Information so zu choreografieren, dass sie zur richtigen Zeit bei den richtigen Leuten ankommen und ihre Rolle perfekt spielen können. Dies muss nicht zwangsweise ein komplexes System sein. Tatsächlich sind die erfolgreichsten Projekte zur Automatisierung diejenigen, die Simplizität in den Vordergrund stellen – im Systemdesign, der Instrumentierung der Arbeitskräfte, im Onboarding, im Management und der Benutzerfreundlichkeit.
Für die meisten ist der erste vorsichtige Schritt die Umstellung auf papierloses Arbeiten. Es genügt ihnen, Daten zu digitalisieren sowie ein paar Formulare, Berichte und Anleitungen auf mobilen Endgeräten oder Computern zur Verfügung zu stellen. Andere fokussieren ihre Bemühungen darauf, veraltete Hardware und Software mit modernen mobilen Computern und Lagerverwaltungssystemen zu ersetzen.
Knapp sechs von zehn KMU-Lagerbetreibern gaben in einer aktuellen Umfrage von Zebra an, Automatisierung stehe an erster Stelle und es bestehe großes Interesse daran, den Produktfluss in Echtzeit sichtbar zu machen. Die Lagerbetreiber wissen, dass jede Störung im Lagerbetrieb fatale Folgen für die damit verbundenen internen Aufgaben und die vor- und nachgelagerten Prozesse der Lieferkette haben kann.
Beispiele aus der Praxis
Vor Beginn der Pandemie arbeitete Zebra beispielsweise mit einem medizinischen Versorgungsunternehmen daran, Kommissionierung, Verpackung und Versand zu automatisieren. Die Lösung, die inzwischen autonome mobile Roboter beinhaltet, begann mit einem wesentlich einfacheren Schritt: der Inbetriebnahme von mobilen Computern.
Die Außendienstmitarbeiter wurden mit unternehmensfähigen mobilen Android-Computern mit Touchscreen, kleineren Handgelenkcomputern, welche sich mit dem mobilen „Host“-Computer verbinden können (der oft in einer Hosentasche oder an der Hüfte verstaut ist), Ringscannern und Headsets ausgestattet. Danach wurde mit einem Partner daran gearbeitet, diese Hardware mit einer sprachgesteuerten Softwareplattform und einem System zur Lagerhausautomatisierung zu verbinden. Dadurch hat sich die Auftragsabwicklung des Unternehmens unverzüglich geändert.
Eine modernisierte IT-Ausstattung der Außendienstmitarbeiter hat direkte Auswirkungen auf die Auftragsabwicklung im Lager.
(Bild: hello@wepartnersfiles.com)
Die Gabelstaplerfahrer werden automatisch aufgefordert, kommissionierte Waren abzuholen oder aufzustocken. Mobile Computer erleichtern ihnen das Scannen und Melden von Warenbewegungen in Echtzeit. Dies hat die Bestandsführung verbessert, da es ein Leichtes ist, den Standort und Status von Waren sowie die letzte Nutzung und Lagerbestände zu überprüfen.
Zusätzlich wissen sprachgeführte Bodenstapler, wo und was sie von den Regalen nehmen müssen – was einfacher denn je ist, jetzt, da sie die Hände frei haben. Ihnen wird sogar genau gesagt, wo sie nach der korrekten Ware sehen müssen, während die Kommissioniergenauigkeit von einem schnellen Barcodescan mit einem der tragbaren Geräte verifiziert wird. Aber das Beste ist, dass es ihnen mithilfe der autonomen mobilen Roboter möglich war, auf eine Kommissionierung per Chargenbestellungen umzustellen.
Mensch trifft Roboter
Das Lagerverwaltungssystem sendet eine Chargenbestellung an das Lagerautomatisierungssystem, welches die Bestellung analysiert und die effizienteste Kommissionierstrategie für jede Ware ermittelt. Anschließend sendet es ein Bündel an Bestellungen und einen Roboter zu einem Kommissionierwagen, den der Roboter dann zur ersten Kommissionierzone fährt. Einem menschlichen Arbeiter wird daraufhin per Sprachführung mitgeteilt, wo und wann er den Roboter treffen soll. Dort angekommen, wird ihm gesagt, was er kommissionieren soll – und in welcher Reihenfolge. Die Kommissioniergenauigkeit kann mit einem schnellen Blick auf das Display ihrer Geräte geprüft werden. Die Waren werden auf den Wagen geladen und der Arbeiter macht sich, vom automatisierten System geleitet, auf den Weg zu den nächsten Kommissionieraufträgen.
Die Effizienz der Abwicklungsprozesse hat sich für den Kunden vervierfacht, aber nicht nur, weil die Mitarbeiter nun direktere Wege nehmen. Viele dieser Verbesserungen sind auf den vorgegebenen – oder geführten – Charakter des gesamten Prozesses zurückzuführen. Die Mitarbeiter sehen und hören ihre Arbeitsanweisungen und sind sich aufgrund des Signaltons und der Leuchtanzeige des Barcodescanners sicher, den richtigen Artikel ausgewählt zu haben.
Stand: 08.12.2025
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Vom Mobilcomputer zum RFID-Leser
Ein weiteres Beispiel für die Vereinfachung durch Automatisierung wäre der Einsatz von RFID-Sleds (Schlitten), die die mobilen Computer der Mitarbeiter in RFID-Lesegeräte verwandeln, mit denen sich die Bestandszählung praktisch automatisieren lässt – und mit ziemlicher Sicherheit auch die Bestellungen für das Auffüllen des Bestands.
Sobald die Mitarbeiter den RFID-Sled aufgesteckt haben, halten sie einfach ihre mobilen Geräte in die grobe Richtung der Artikel, die sie zählen wollen – oder lokalisieren, wenn es für Kommissionier- oder Prüfzwecke verwendet wird – und ziehen innerhalb einer Sekunde Daten für über 1.300 Tags ein. Das bedeutet im Endeffekt, dass sie an jedes Informations-, Automatisierungs- und Entscheidungssystem im Lager weitergesendet werden. Wenn bestätigt wird, dass bestimmte Artikel nur noch in geringen Mengen oder gar nicht mehr vorrätig sind, könnte das Bestandsverwaltungssystem veranlasst werden, automatisch nachzubestellen. Gleichzeitig könnte es die Verantwortlichen über die Engpässe informieren, damit sie die betroffenen Abläufe entsprechend anpassen.
Und dieselbe „Welle“ kann den Kommissionierern helfen, den genauen Gang, das Regal und die Position des Artikels zu bestätigen, den sie entnehmen müssen. Im Gegenzug können sie sich ohne Verzögerung auf den Weg dorthin machen, was, wenn man darüber nachdenkt, die Essenz der Automatisierung ist: Maßnahmen oder Prozesse ohne Verzögerung voranzutreiben.
Erst einen, dann viele Vorgänge automatisieren
Bevor also kleine oder wachsende Unternehmen sagen, dass es für sie nicht lohnenswert ist, Kommissionier-, Verpackungs- oder Versandprozesse zu automatisieren, sollten sie sich daran erinnern, was Automatisierung eigentlich bedeutet und an die Praxisbeispiele. Daran, wie sie ganz einfach damit beginnen können, alles von Aufgabenzuweisungen über Fortschrittsberichte bis hin zu Einkäufen zu automatisieren. Ehe sie sich versehen, können sie sich einen „vollautomatischen“ Betrieb vorstellen, in dem die Akquisition, die Annahme, die Auftragserfüllung und sogar die Einhaltung von Vorschriften reibungslos und termingerecht ablaufen, selbst wenn die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und die geschäftlichen Anforderungen unausgewogen bleiben.
Dementsprechend ist es auch für kleine oder mittelständische Betriebe sowohl ratsam als auch von Vorteil, sich mit dem Thema Automatisierung zu befassen. Tatsächlich ist die Automatisierung von Arbeitsabläufen und Entscheidungen mithilfe von Technologien, die bereits verfügbar oder sogar vorhanden sind, der Schlüssel dazu, in diesem wettbewerbsintensiven Markt zu bestehen. (bm)
* Amanda Honig ist Small and Medium-Sized Business Industry Lead bei Zebra Technologies in 60069 Lincolnshire (Illinois, USA). Weitere Informationen: Zebra Technologies Germany GmbH, 40882 Ratingen, Tel. +49 69 70073865, germany@zebra.com