Automatisierung Japans „Jahr-2024-Problem“ wird den Robotereinsatz beschleunigen

Von Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein 2 min Lesedauer

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Kennen Sie das „Jahr-2024-Problem“? Viele werden spontan auf so etwas tippen wie die damalige Angst zum Milleniumswechsel, dass Computer nicht mehr laufen oder Ähnliches passiert. Nein, hier geht es schlicht und ergreifend um das Problem, dass in Japan im kommenden Jahr neue Überstundenregelungen für Lkw-Fahrer in Kraft treten. Beobachter rechnen mit einer Logistikkrise.

Für die Transport- und Logistikbranche wurden nach IFR-Angaben weltweit mehr professionelle Serviceroboter hergestellt als für jedes andere Einsatzgebiet.(Bild:  Neura)
Für die Transport- und Logistikbranche wurden nach IFR-Angaben weltweit mehr professionelle Serviceroboter hergestellt als für jedes andere Einsatzgebiet.
(Bild: Neura)

In Japan stehen technologische Lösungen künftig hoch im Kurs – insbesondere solche, die dabei helfen können, negative Folgen des steigenden Arbeitskräftemangels abzuwenden. Als weltweit führendes Herstellerland von Robotern arbeitet Japan an passgenauen Automationsstrategien. Die Entwickler befassen sich dabei nicht nur mit logistischen Problemen, sondern darüber hinaus mit Lösungen für eine ganze Reihe von Herausforderungen rund um die neuen Arbeitszeitvorschriften.

Die von der japanischen Regierung beschlossene Obergrenze für Überstunden ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in der Logistikbranche.

Takayuki Ito, Vizepräsident der International Federation of Robotics

Aber worum geht es im „Land des Lächelns“ genau? Wie die International Federation of Robotics (IFR) mitteilt, liegt die durchschnittliche Jahresarbeitszeit eines Lkw-Fahrers in Japan bei 2.568 Stunden und damit 444 Stunden über dem Durchschnitt aller Berufe (Daten des Arbeitsministeriums aus 2022).

Das Be- und Entladen kostet Zeit

Zu den zeitaufwendigsten Aufgaben der Lkw-Fahrer zählt dabei das Ein- und Ausladen von Gütern in Lastkraftwagen und Lagerhallen. Mobile Roboterlösungen für den Transport und die Logistik können hier Abhilfe schaffen. Die Entlastung der Lkw-Fahrer vom Laden und Entladen der Fracht spart nach IFR-Angaben während einer Tagesschicht bis zu 25 Prozent der Arbeitszeit. Roboter tragen zudem dazu bei, Fehler bei der Auftragsabwicklung zu reduzieren, indem Standardaufgaben wie das Kommissionieren und Verpacken automatisiert werden.

Die heute eingesetzte Lagerhausautomatisierung reicht von kompakten autonomen mobilen Robotern (AMR) bis hin zu großen automatisierten Lager- und Bereitstellungssystemen. Ihr Einsatz verkürzt die Zeit, die für den Warentransport von schweren Lasten und gefährlichen Materialien benötigt wird, ohne die menschlichen Kollegen zu gefährden.

Der Staat greift ein

Aktuelle Statistiken zeigen eindrucksvoll die Vorteile von Robotik-Lösungen in der Transport- und Logistikbranche: Für dieses Segment wurden weltweit mehr professionelle Service-Roboter hergestellt als für jedes andere Einsatzgebiet. Die Verkäufe stiegen 2022 weltweit um 44 Prozent mit mehr als 86.000 Einheiten verkauften Einheiten, wie die IFR berichtet. IFR-Mann Ito dazu abschließend: „Die Herausforderungen der neuen Arbeitszeitregeln für die Lkw-Fahrer sind ein gutes Beispiel dafür, wie Robotik und Automation adäquate Lösungen für unsere Arbeitsplätze der Zukunft liefern kann.“

Da muss ich hin ...

Wer sich noch schnell ein Flugticket nach Japan sicher möchte: Der Eintritt für die Fachmesse iREX 2023 in Tokio, die vom 29. November bis zum 2. Dezember läuft und eine der größten Roboterausstellungen weltweit ist, kostet gerade einmal 1.000 Yen, was beim derzeitigen Wechselkurs etwa 6,16 Euro entspricht. Ein echtes Schnäppchen. Hier geht es zur englischsprachigen Website. (bm)

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