In-Night-Verkehre KEP-Dienstleister stehen in Pflicht und Verantwortung
In-Night-Dienstleister stehen Nacht für Nacht vor besonderen Herausforderungen. MM Logistik sprach mit Michael Röttcher, seit dem 1. November 2007 Geschäftsführer Sales, Marketing und Customer Services bei TNT Innight in Leverkusen, über die Wettbewerbssituation, Politik und Umweltschutz.
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MM: Herr Röttcher, was ist heute vonnöten, um im In-Night- und im Expressbereich die Nase im Wettbewerb vornezubehalten?
Röttcher: Die Basis unseres Erfolgs als Marktführer in Deutschland ist unsere hohe Dienstleistungsqualität. Anders als Anbieter von Produktionsgütern können wir unseren Kunden kein fertiges Produkt als Muster für unsere Qualität vorlegen. Vielmehr müssen wir sie davon überzeugen, dass wir die zugesagten Leistungen pünktlich und und präzise erbringen. Dazu überwachen wir innerhalb der Organisation tagtäglich unsere Service-Qualität. Es geht schließlich um den Aufbau und den Erhalt des Vertrauens unserer Kunden.
Dazu gehören die notwendigen Instrumente, also Prozesse und Informationssysteme, und das Know-how, sie richtig einsetzen zu können, besonders wenn Probleme auftreten. Mindestens ein Mitarbeiter muss beispielsweise jederzeit in der Lage sein, einen anfragenden Kunden exakt über den aktuellen Stand des Ablaufs seines Auftrags zu informieren. Und diese Informationen müssen im Bedarfsfall von uns pro-aktiv gegeben werden. Sollte es aus irgendwelchen Gründen zu einer Störung in der Ablaufkette einer Lieferung kommen, muss das der Kunde sofort wissen. Um das realisieren zu können, müssen erst einmal bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Wichtiger denn je ist eine Dienstleistung auf höchstem Niveau bei gleichzeitiger unmittelbarer Nähe zum Kunden.
MM: Also durchgehende Transparenz?
Röttcher: Genau. Durch die vorhandenen und zur Verfügung gestellten Schnittstellen sind wir für unsere Kunden und deren spezifische Aufträge sehr transparent. So können wir ihnen ständig Updates liefern, was ihre Aufträge angeht. Die von uns eingesetzten GPS-gestützten Systeme bieten auch den Vorteil, dass wir unsere Leistung Tag für Tag selber kontrollieren können. Sobald ein Fehler entdeckt wird, können wir sofort darauf reagieren. Auch lässt sich sehr leicht feststellen, ob bestimmte Fehler einmalig sind oder wiederholt vorkommen.
Beispiel Urlaubsverkehr: In unserem sehr straßenlastigen System gilt es, schnell auf jahreszeitlich oder straßenbaulich bedingte und somit vorhersehbare Verkehrsstörungen zu reagieren, indem man beizeiten Ausweichrouten plant, um Verzögerungen zu vermeiden. Dazu gehört viel Flexibilität, um Fahrzeuge entsprechend zu disponieren. Wir haben zum Beispiel jede Nacht Mitarbeiter im Einsatz, die die Straßenverkehrssituation beobachten, die Fahrer beizeiten unterrichten und ihnen Routenänderungen und -empfehlungen weitergeben.
MM: Der Verkehrsinfarkt auf Deutschlands Straßen ist fast schon Realität: Wie lange geht das aus Ihrer Sicht noch gut?
Röttcher: Ja, der Gütertransport auf unseren Straßen nimmt immer mehr zu. Aber da wir vor allem nachts unterwegs sind, bieten sich uns noch Möglichkeiten. Im Nachtexpress ist unsere Dienstleistung normalerweise morgens um 8.00 Uhr abgeschlossen. Wir fahren also zu Zeiten, in denen die allgemeine Verkehrsdichte und damit auch die Staugefahr wesentlich geringer ist als üblich. Daher sehen wir die Situation noch recht entspannt.
MM: Sie bieten Ihre Dienste ja weltweit und nicht nur auf den oder über die Straßen an. Wie schwierig ist es im Expressgeschäft, zu einer Auslastung der Transportfahr- und -flugzeuge zu kommen?
Röttcher: Wir verfügen als Marktführer schon über eine recht hohe Auslastung unserer Fahrzeuge. Aber selbst, wenn Fahr- oder Flugzeuge nicht zu 100% ausgelastet sind, müssen wir sie schon aus Verpflichtung unseren Kunden gegenüber fahren oder fliegen lassen. Natürlich beobachten wir, auf welchen Flügen die Auslastung suboptimal ist. Ist dies der Fall, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werden dispositive Möglichkeiten überlegt – tun’s auch kleinere Einheiten? – oder man ändert die Routen im Sinne optimierender Hub-Abwicklungen. Wichtig ist, dass man die Auslastung konsequent im Auge behält und flexible Anpassungen vornimmt.
MM: Kooperiert man auch schon mal mit dem Wettbewerb?
Röttcher: Nein. Wir sind selbst stark genug und verfügen über eine entsprechende Verdichtung. Hinzu kommt, dass die wesentlichen Stärken eines Unternehmens in unserer Branche vor allem im Know-how liegen, ein umfassendes Netzwerk zu unterhalten und zu takten, es zu organisieren und zu gestalten. Dies ist auch Voraussetzung, sich mittel- oder langfristig am Markt zu bewegen, und dieses Know-how teilt man nur ungern mit dem Wettbewerb. Natürlich gibt es – gerade im internationalen Geschäft – die Zusammenarbeit mit Partnern, die aber nicht als Wettbewerber zu verstehen sind.
MM: In der Politik ist man inzwischen auch schon dabei, sich Gedanken über die Boom-Branche Logistik zu machen. Werden Unternehmen wie das Ihre dabei ein-bezogen?
Röttcher: Wir werden regelmäßig mit Informationen versorgt, aber unabhängig davon arbeiten wir unternehmensintern an unterschiedlichen Konzepten, um uns rechtzeitig auf mögliche anstehende Gesetzesänderungen einstellen zu können. Ich denke, dass die Logistikbranche im Zuge allgemeiner politischer Entscheidungsfindungen stärker berücksichtigt werden sollte. Immerhin rückt in Deutschland der Dienstleistungsbereich als Produktivitätsfaktor immer stärker in den Vordergrund. Und das um so mehr, da Logistik einen wichtigen Beitrag für die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen leistet.
MM: Die Transportbranche steht ja häufig in der Kritik, weil Lkw die Straßen verstopfen, weil Transportfahrzeuge mit ihren Emissionen erheblich zum Klimawandel beitragen...
Röttcher: Mit diesem Thema beschäftigt sich unser Konzern bereits intensiv, zum Beispiel mit der Initiative „Planet me“. Mit verschiedenen Aktivitäten soll der CO2-Ausstoß nachhaltig gesenkt werden. Das reicht vom Einsatz umweltfreundlicher Fahrzeuge über die Reduzierung von Geschäftsreisen bis hin zur Errichtung umweltfreundlicher Gebäude. Unserer Verantwortung zur Reduzierung der CO2-Emissionen werden wir uns nicht entziehen.
Das Interview führte MM-Logistik-Redakteur Volker Unruh.
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