Der wachsende E-Commerce-Markt ist stark umkämpft: Onlinehändler konkurrieren mit dem Versprechen kürzester Lieferzeiten um die Gunst der Kunden. Diese setzen für eine Same- oder Next-Day-Lieferung voraus, dass die gewünschten Waren zu jeder Zeit verfügbar sind. In der Lagerlogistik wird daher eine schnelle wie flexible Kommissionierung zum wichtigen Wettbewerbsvorteil. Hier entscheidet die gewählte Methode: Moderne Robotiklösungen bieten dank intelligenter Software die Möglichkeit, das Lager in dynamische Zonen einzuteilen – sodass die Mitarbeiter so effizient wie möglich kommissionieren können.
Zwei „Chucks“ im Einsatz: Die Cobots nutzen Machine Learning und Künstliche Intelligenz, damit ihre menschlichen „Kollegen“ zügiger arbeiten können.
(Bild: 6RS)
Der Onlinehandel boomt: Diese Entwicklung hat sich im Coronajahr 2020 deutlich verstärkt. Statt im – zeitweise geschlossenen – stationären Handel kaufen viele Menschen noch mehr Waren online ein. Das bestätigt auch der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh). Die Zahlen einer großen Verbraucherstudie zeigen weiterhin ein starkes Wachstum – insbesondere bei Gütern des täglichen Bedarfs. Dass sich die Verbraucher vorwiegend zu Hause aufhalten, zeige sich in der Nachfrage bei Produkten aus dem Lebensmittel-, Heim- und Freizeitbereich. In diesem Zusammenhang erhalten auch Multichannel-Konzepte neuen Aufwind. Wollen Händler ihr Customer-Engagement vorantreiben, müssen sie den Kunden zusätzliche Vorteile bieten: ein konsistentes Einkaufserlebnis auf zahlreichen Kanälen, ein Maximum an Verfügbarkeit und kürzeste Lieferzeiten.
Um die massiv gestiegene Onlinenachfrage bewältigen zu können, sind die Anforderungen an die Effizienz der Lagerlogistik nochmals deutlich gestiegen. Der gesamte Workflow von der Bestellung bis zum Versand muss durchgängig und koordiniert sein. Die erhöhte Nachfrage verlangt nach größeren Beständen bei ständiger Anpassung an sich häufig ändernde Artikel. Geschwindigkeit wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
In Kombination mit einer modernen Robotiklösung kann die Zonenkommissionierung die Effizienz im Warehouse um ein Vielfaches steigern.
(Bild: 6RS)
Die Lösung: eine Lagerautomatisierung. Statt auf traditionelle, fest installierte Lösungen wie Fördersysteme, die starr und unflexibel sind, setzen viele Lagerlogistiker mittlerweile auf Technologien wie kollaborative mobile Roboter (Cobots). Diese sind insbesondere bei der Bewältigung saisonal erhöhter Bestellvolumen und zunehmend kleinteiliger Bestellungen flexibel und skalierbar. Wichtig ist aber auch die Wahl der geeigneten Kommissioniermethode, die in Kombination mit einer modernen Robotiklösung die Effizienz im Warehouse um ein Vielfaches steigern kann.
Intelligente Software schafft dynamische Zonen
Insbesondere die Zonenkommissionierung, auch Zone Picking oder „Pick-and-pass“-Methode genannt, bietet in dieser Hinsicht immense Vorteile. Dabei wird das Lager in verschiedene physische Zonen unterteilt, in denen die Lagermitarbeiter alle Stock Keeping Units (SKU) des Bereichs für jeden einzelnen Auftrag robotergestützt kommissionieren. Bei den betreffenden Zonen handelt es sich um Abschnitte, die nach Produkttyp, Regaltyp, Umgebungsmerkmalen oder SKU-Geschwindigkeit definiert sein können. Verantwortlich für die Einteilung der Zonen ist Künstliche Intelligenz (KI). Um Arbeit zuzuweisen, werten die Softwares hinter Robotiklösungen wie Chuck von 6 River Systems den Auftragspool aus und identifizieren Möglichkeiten, den Fußweg durch die Gruppierung von Aufgaben innerhalb von Gängen oder dynamischen Zonen zu minimieren. Dynamisch bedeutet, dass die Zonen in Echtzeit auf der Grundlage der zu erledigenden Arbeit verkleinert und vergrößert werden, ohne dass die Kommissionierer dies überhaupt bemerken.
Bei der Zonenkommissionierung wird das Lager in verschiedene physische Zonen unterteilt, in denen die Lagermitarbeiter alle Stock Keeping Units (SKU) des Bereichs für jeden einzelnen Auftrag robotergestützt kommissionieren.
(Bild: 6RS)
Mit Pick and pass über dynamische Zonen hinweg stellt die Software sicher, dass sowohl die Mitarbeiter als auch die Cobots den ganzen Tag über voll ausgelastet sind. Die Cobots erledigen Aufgaben, die auf der aktiven Zone des Mitarbeiters basieren, wie zum Beispiel ineinandergreifende Entnahmen, Nachschub, Zählungen und Bewegungen. Sobald die Behälter beladen sind, bringen sie die Waren direkt zu den Mitarbeitern im aktiven Bereich und treffen diese dazu in der Nähe ihres letzten bekannten Entnahmeortes. So führt die Technologie Mitarbeiter durch ihre Zone und positioniert sie für die effektivste Kommissionierung. Das garantiert die bestmögliche Auslastung über den ganzen Tag hinweg.
Schneller und genauer kommissionieren
Als grundlegender Fulfillment-Prozess hat die Zonenkommissionierung einen großen Einfluss auf die Produktivität der Lieferkette. Verschiedene Zonen können nicht nur auf Basis unterschiedlicher Kriterien, wie etwa schnell und langsam drehender SKU, eingerichtet werden, sondern jeder Bereich kann über eine eigene Lagerstrategie, Kommissionierausrüstung und -technologie verfügen. Diese Methode eignet sich somit am besten für große Lager, die eine hohe Anzahl von Artikeln mit einzigartigen Merkmalen oder Kommissionieranforderungen verarbeiten.
Die Laufzeit wird erheblich verkürzt, da die Kommissionierer in den ihnen zugewiesenen Zonen bleiben, anstatt durch das Lager zu gehen. Cobots bewegen Kartons oder andere Behälter von Zone zu Zone, in die die Kommissionierer jeweils ihre spezifischen SKU hinzufügen. Sobald der Auftrag erfüllt ist, gilt die Kommissionierung als abgeschlossen und die Cobots transportieren die Artikel zu Verpackung und Versand. Ein weiterer Vorteil: Durch die Arbeit in einer kleineren Zone sind die Kommissionierer besser mit den SKU in ihrer Zone vertraut, was zu einer schnelleren und genaueren Kommissionierung führt.
Stand: 08.12.2025
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Fazit: Zonenkommissionierung wird zur Best Practice
Bevor Lagerbetreiber eine geeignete Kommissioniertechnik für ihren Betrieb auswählen, sollten sie zwar stets erst die aktuelle Bestandssituation, Mitarbeiter, Technologie, Infrastruktur und Lagerlayout bewerten. Dennoch bringt gerade im E-Commerce eine Zonenkommissionierung in Kombination mit einer modernen Robotiklösung das entscheidende Optimierungspotenzial, um das zunehmende Bestellvolumen zu bewältigen. Die Waren sollten entsprechend verteilt werden: Die Platzierung großvolumiger Artikel in der Nähe der Vorderseite des Lagers vermeidet beispielsweise unnötige Laufzeiten. Artikel, die häufig zusammen verkauft werden, sollten zum Vorteil der Kommissionierer auch in angrenzenden Zonen gelagert werden. Eine intelligente Arbeitszuweisungs-Software hinter einer kollaborativen Robotertechnologie unterstützt Lagerlogistiker dabei, ihre Kommissionierprozesse richtig zu analysieren und zu rationalisieren. Das Motto: Die gewünschten Waren sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und die Kunden profitieren von maximaler Verfügbarkeit. Die Grundprinzipien der gewählten Kommissioniermethode bleiben robotergestützt zwar die gleichen, doch in der Ausführung ist sie deutlich effizienter. ■
* Jürgen Heim ist Director Sales Europe bei 6 River Systems in 60528 Frankfurt am Main, Tel. (01 71) 1 93 66 75, jheim@6river.com