Supply Chains

Kriminalität in Logistikprozessen

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Gegenüber Behörden und Amtsträgern im Inland erachten 30 % der Transport- und Logistikunternehmen die Korruptionsbekämpfung als wichtig (alle Branchen: 35 %), außerhalb der EU sind es nur 23 % (alle Branchen: 38 %). Zudem ist es für Unternehmen in der Transport- und Logistikbranche nicht selbstverständlich, sich am Verhaltenskodex der Internationalen Handelskammer (ICC) zur Bekämpfung von Korruption zu orientieren. So halten sich bei Geschäften in Deutschland nur 56 % der Befragten vollständig oder zum großen Teil an den ICC-Verhaltenskodex, 12 % beachten den Kodex teilweise, 13 % kaum und sogar 19 % praktisch gar nicht.

Vor einigen Wochen geisterten bereits Zahlen aus Großbritannien zum Thema Korruption in der Logistik durch die Branche. Eine Studie der „Good Corporation“ kommt zu dem Ergebnis, dass ein Drittel aller Logistiker auf der Insel noch keine Antikorruptionsrichtlinie veröffentlicht haben. Dabei hat das Gesetz, der „Bribery Act“, weitreichende Folgen. Ein Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich kann für die Tat eines Mitarbeiters in Spanien zur Verantwortung gezogen werden.

Logistiker haben die Gesetze im Blick

Das muss auch deutsche Logistikdienstleister beunruhigen, denn viele große Anbieter haben auch Niederlassungen in Großbritannien. „Aufgrund der weltweiten Präsenz von Hellmann Worldwide Logistics beobachten wir die Entwicklungen im Bereich Compliance und insbesondere in den Bereichen Anti-Trust und Anti-Bribery sehr genau. In unseren Richtlinien berücksichtigen wir sowohl nationale als auch internationale Regelungen und Anforderung – darunter FCPA und U.K. Bribery Act. Unser Compliance-Programm ist darauf ausgerichtet, zukünftig sowohl die Vorgaben der US Sentencing Guideline als auch des UK Bribery Acts im höchstmöglichen Maß zu erfüllen. Aufgrund der Komplexität und der teilweise noch unsicheren Rechtsprechung ist es jedoch wichtig, die Entwicklungen ständig zu beobachten und, wenn nötig, auf externe Beratung zurückzugreifen“, erklärt Hellmann gegenüber MM Logistik.

Und auch Dachser aus Kempten ist vorbereitet: „Im Rahmen des konzernweit installierten Compliance-Programms wurden auch die Anforderungen aus dem UK Bribery Act entsprechend berücksichtigt“, versichern die Allgäuer.

Defizite bei der Compliance

Laut PWC hat bislang lediglich ein Viertel (26 %) der Transport- und Logistikunternehmen ein Compliance-Programm implementiert. Damit liegt die Branche weit unter dem Durchschnitt (52 %). Lediglich 34 % der Unternehmen in der Transport- und Logistikbranche gehen davon aus, dass die betroffenen Mitarbeiter eine zumindest gute Kenntnis des Kartellrechts haben, 23 % vermuten sogar nur geringe oder sehr geringe Kenntnisse. Dies verwundert nicht, denn bislang hat nur jedes zweite Unternehmen Schulungen dazu durchgeführt, während fast zwei Drittel (60 %) über Richtlinien verfügen. Bei 70 % der Transporteure und Logistiker fehlt dagegen Informationsmaterial zu kartellrechtlichen Vorschriften ganz. Im Vergleich zu allen Branchen besteht hier weiterhin erheblicher Nachholbedarf.

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