Logistikdienstleister Lenkzeitverordnung verteuert Logistik
Roland Rüdinger von der gleichnamigen Spedition ist sich sicher: Die EU-Lenkzeitverordnung verteuert die Lkw-Betriebskosten um bis zu 20%. Die Verordnung ist nichts Neues, aber im Aufschwung macht sie sich erst bemerkbar.
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Vor drei Jahren verabschiedete das europäische Parlament eine neue Regelung zu den Lenkzeiten. Die Mindestnachtruhezeit wurde von acht auf neun Stunden ausgedehnt und der digitale Tachograph vorgeschrieben. Diese Vorgaben zwängen den Fahrer in ein Raster, das in vielen Fällen nicht zu seinem Arbeitsablauf passt, heißt es in einer Pressemitteilung.
„Früher gingen Wartezeiten zu Lasten der Freizeit des Fahrers, nun gehen sie zu Lasten der betrieblichen Produktivität“, sagt Roland Rüdinger. Erschwerend kommt hinzu, dass für Lkw-Fahrer die normale Arbeitszeitverordnung gilt, wonach ein Arbeitnehmer durchschnittlich maximal zehn Stunden pro Tag arbeiten darf. „Das heißt, er darf pro Woche 48 Stunden fahren, aber nur 50 Stunden arbeiten“, rechnet Rüdinger vor. Für Be- und Entladen bleibe keine Zeit mehr, so der Spediteur.
Kosten können nicht weitergegeben werden
Seine Befürchtungen: Verlust an Flexibilität, höhere Personalkosten und erhöhte Verwundbarkeit der Logistikabläufe durch Wartezeiten und Staus. In der Weltwirtschaftskrise sei die neue EU-Regelung bei den Verladern nicht angekommen, so der Transportexperte. Seit aber der Laderaum knapp wird, entspreche es den normalen Regeln der Preisbildung, dass Kosten zu Preisen werden, so Rüdinger. Weitergeben kann Rüdinger diese aber nur schwer.
Ein Beispiel: Im Januar wollte Rüdinger seine Kosten an einen bayerischen Autobauer weiterreichen. Der Automobilhersteller suchte und fand eine Alternative, so dass Rüdinger ausstieg. „Der Kollege wird in ein paar Monaten sehen, dass er bei dem Vertrag drauflegt“, prognostiziert der Spediteur. Das Problem sei, dass Spediteure immer eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung vornehmen müssen, weil sie Kapazitäten auslasten und Fixkosten umlegen müssen.
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