Von Billigreifen überrollt

Letzter deutscher Reifenrunderneuerer meldet Insolvenz

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Politiker verstehen die Vorzüge runderneuerter Reifen zu langsam

Das gemeinsame Engagement mit der Allianz Zukunft Reifen (Azur), die das Thema Runderneuerung mit politischen Appellen, Messeauftritten, Fachvorträgen und der positiven Ökobilanz der Runderneuerung durch das Fraunhofer-Institut unterstützt, hat zudem in den letzten Monaten zu vermehrtem Zuspruch durch die Bevölkerung und wachsender Aufmerksamkeit in Medien und Politik geführt, wie man anmerkt. „Doch die schlechte marktwirtschaftliche Lage im Land, der Preisdruck im Energiesektor, die billigen Importreifen und die Versäumnisse in der Politik haben uns zu diesem Schritt geführt“, klagt Hinghaus-Kaul. Auch wenn das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung wachse und in der Politik endlich die ökologischen und gesamtwirtschaftlichen Vorzüge der Runderneuerung gesehen würden, sei der Veränderungsprozess aus Sicht von Hinghaus-Kaul zu behäbig. Es sei nicht abzusehen, ob und wann Maßnahmen wie die Erhebung von angemessenen Zöllen auf Billigreifen zum Schutz hiesiger Produkte greifen könnten und kommunale Fuhrparks endlich konsequent mit runderneuerten Reifen ausgestattet würden.

Die politischen Rahmenbedingung verbessern sich allmählich

Die politischen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Monaten zugunsten der Runderneuerung verbessert, wie Azur registriert. Die aktuellen EU-Kriterien für die umweltorientierte öffentliche Beschaffung im Bereich Straßenverkehr führen runderneuerte Reifen seit Juni 2023 auch für Pkw, leichte Nutzfahrzeuge und ihre Anhänger an. Das ermöglicht Behörden, Kommunen und öffentlichen Betrieben die rechtssichere Ausstattung sämtlicher Fahrzeuge mit runderneuerten Reifen. Und weil Bundesbehörden gemäß des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (Krweg) jetzt verpflichtet sind, bei der Beschaffung Produkte zu bevorzugen, die rohstoffschonend, energiesparend, abfallarm, reparierbar, schadstoffarm oder recycelbar sind, müssten aus Sicht des Azur-Netzwerks alle Fahrzeuge der öffentlichen Hand sukzessive mit runderneuerten Reifen ausgestattet werden, wenn die Logik stimmt. Dennoch bedarf es weiterer Gesetzesänderungen, um die Zukunft der Runderneuerung zu sichern. Die Aufnahme runderneuerter Reifen in die Reifenkennzeichnungsverordnung stehe beispielsweise ebenso noch aus wie eine Richtlinie für migrations- und emissionsbasierte Messverfahren und Vorschriften wie die ECE117 für runderneuerte Reifen. Wenn die EU hier nicht bald handle und die Zielkonflikte zwischen Kreislaufwirtschaft und Chemikalienrecht bereinige, drohe das Aus für die Runderneuerung und den Green Deal, mahnt Azur. Eine entsprechende Resolution soll am 4. Juni 2024 im Rahmen der The Tire Cologne offiziell unterzeichnet werden. Denn Reifen sind momentan durch nichts zu ersetzen, weshalb sie möglichst lange im Wertstoffkreislauf gehalten werden müssen.

(ID:50018870)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung