Kompetenzverlust Logistikturm Tower 24 wandert ab ins Ausland
Giebelstadt (bm) – Hierzulande erdacht, andernorts vermarktet – der platte Spruch bekommt in diesen Tagen neue Nahrung. Noch im Frühjahr 2003 wurde auf dem Gelände des Dortmunder Technologiezentrums
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Giebelstadt (bm) – Hierzulande erdacht, andernorts vermarktet – der platte Spruch bekommt in diesen Tagen neue Nahrung. Noch im Frühjahr 2003 wurde auf dem Gelände des Dortmunder Technologiezentrums der Tower 24 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es sollte endlich Schluss sein mit der Warterei der Menschen beim samstäglichen Paketabholen, wenn der Zusteller während der Woche niemanden zuhause antreffen konnte. Dem Logistikturm räumten Experten damals gute Chancen ein. Gerade an Verkehrsknotenpunkten und in Ballungszentren sollte er eine echte Alternative insbesonder für jüngere, mobile Menschen, Singles und Doppelverdiener-Haushalte sein. Das Prinzip ist einfach: Hinfahren, Nummer eintippen, Paket rausholen – und das in weniger als einer Minute. Zuvor musste natürlich bei der Bestellung der Tower als Lieferanschrift angegeben werden.
Der Logistikturm – eine technische Meisterleistung
Ein- und auslagern kann der Turm im Prinzip alles, was in die 600 mm x 400 mm beziehungsweise 300 mm x 400 mm messenden Behälter passt und nicht schwerer ist als 50 kg. Sogar gekühlte Ware ist im Frischebereich (2 bis 7 °C) gut aufgehoben – wichtig für frische Lebensmittel beispielsweise. Der Clou an der Geschichte: Wie schon der Name des Turms verrät, kann er rund um die Uhr angefahren werden, sowohl vom Zusteller als auch von den Kunden. Die maximale Einlagergeschwindigkeit liegt bei rund 100 Paketen pro Stunde, und es existieren drei parallel nutzbare Automaten inklusive EC-Funktionalität.
Masse gegen Klasse
Doch das automatische Übergabesystem kam, aus verschiedenen Gründen, in den zurückliegenden vier Jahren nie richtig in Gang. Eine nicht unerhebliche Rolle dürfte dabei gespielt haben, dass DHL mit seinem Sendungsvolumen von Anfang an auf ein eigenes System, die Packstation, gesetzt hat. Die anfangs nur für Geschäftskunden gedachte Packstation der Deutschen Post wurde nach erfolgreich verlaufenen Tests auch für Privatkunden geöffnet. Mittlerweile sind über 700 dieser „Immer-offen-Paketschalter“, wie DHL ihre Übergabestation nennt, in über 120 deutschen Städten und Gemeinden verteilt, und bis Ende 2007 sollen noch einmal 30 weitere Orte hinzukommen.
Internationaler Erfolg von Tower 24
Ende Juli nun haben die Vordenker des Towers, das Fraunhofer-IML und SSI Schäfer Noell als Hersteller des technischen Innenlebens, den lange ersehnten Coup gelandet: Das irische Unternehmen 365 Vendors hat sich vertraglich die weltweiten Vermarktungsrechte des Systems Tower 24 gesichert. 365 Vendors verfügt seit Jahren über Erfahrung in der Herstellung und Vermarktung von diversen Übergabeautomaten für Lebensmittel, Kohlesäcke oder auch Gasflaschen. Weil die bisherigen Systeme von der Einlagerkapazität jedoch recht bescheiden ausfielen, interessierte sich das Unternehmen für die Dortmunder Pilotanlage.
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