Costdata Mit der Kalkulation von Einkaufsteilen kräftig Geld sparen

Redakteur: Jürgen Schreier

Durch die steigende Nachfrage nach spezifischen Teilen entstehen auf den Zuliefermärkten immer häufiger Quasi-Monopole und unfreiwillige Abhängigkeiten. Immer mehr Einkäufer verfolgen deshalb eine neue Strategie: Statt Angebote einzuholen und lediglich Preise zu vergleichen, kalkulieren sie, was die Herstellung des Einkaufsteils tatsächlich kostet. Damit verbessern sie ihre Verhandlungsposition entscheidend.

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Der Einkauf ist so stark unter Druck wie nie. Der scharfe, weltweit anziehende Wettbewerb schmälert die Gewinne, zwingt zu immer kürzeren Entwicklungszeiten und zu massiven Einsparungen. Parallel dazu nimmt die Wertschöpfungstiefe ab: Inzwischen werden häufig mehr als 60 Prozent der Wertschöpfung von den Zulieferern zugekauft. „Tatsache ist, dass der Einkauf heute meist den größten Kostenblock im Unternehmen steuert“, erläutert Frank Weinert, Vorstand der Kölner Unternehmensberatung Costdata. Gleichzeitig erweisen sich die klassischen Instrumente des Einkaufs wie Preisvergleich und Ausschreibung zunehmend als ungeeignet, um Kosten in der erforderlichen Größenordnung zu sparen: „Wenn es nur einen Lieferanten gibt – was wollen Sie dann vergleichen oder ausschreiben?“ so der Einkaufsexperte.

Immer weniger Wettbewerb auf den Beschaffungsmärkten

Besonders in hoch entwickelten Wirtschaftszweigen wie Automobilindustrie, Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt sowie Consumer Electronics entfällt der Hauptteil des Einkaufsbudgets inzwischen auf komplexe Systeme und Baugruppen. „Weil aber nur wenige Zulieferer in der Lage sind, die komplexen Teile anzufertigen, fehlt es Einkäufern bei der Auswahl ihrer Zulieferer oft einfach an wirklichen Alternativen“, so Weinert.

Entsprechend enger sind auch die Bindungen an die einmal ausgewählten Lieferanten geworden: Je spezifischer und komplexer das in einem Teil enthaltene Know-how, desto stärker sind Unternehmen von ihren Lieferanten abhängig. Durch Investitionen in die gemeinsame Produktentwicklung entsteht so oft eine unfreiwillige Kundenbindung von erheblicher Dauer. Ein Lieferantenwechsel ist in diesen Fällen aufgrund immenser Wechselkosten praktisch unmöglich. Frank Weinert: „In diesen Fällen hat der Zulieferer quasi die Marktmacht eines Monopolisten.“

Kalkulieren statt Angebote vergleichen

Diese quasi-monopolistischen Strukturen auf dem Beschaffungsmarkt haben im Einkauf zu einem Umdenken geführt. „Viele Einkäufer haben inzwischen erkannt: Wenn der Wettbewerb nicht für Kostentransparenz sorgt, müssen sie es selbst tun“, sagt Weinert. „Weil also der Preisvergleich mangels funktionierenden Wettbewerbes nicht möglich ist, nutzen sie Spezial-Know-how, um auszurechnen, ob die Preise gerechtfertigt sind.“ Tatsächlich gehen immer mehr Einkäufer dazu über, mit Hilfe von Kalkulationsdaten und entsprechenden Softwareprogrammen externer Spezialdienstleister die Herstellungskosten ihrer gewünschten Einkaufsteile zu kalkulieren. Dieses Wissen über die Kostenstruktur der Beschaffungsobjekte hilft ihnen dabei, überhöhte Gewinnmargen zu erkennen und abzubauen.

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