MTM MTM-Methodik erschließt sich neue Anwendungen

Redakteur: Jürgen Schreier

Am 23. Oktober 2008 wurde Dr. Bernd Müller (Bosch Rexroth AG) zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen MTM-Vereinigung e.V. gewählt. Im Experteninterview gibt er Auskunft über die seine Ziele und die künftigen Aktivitäten des Verbandes.

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Herr Dr. Müller, was werden die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als Vorstandsvorsitzender der Deutschen MTM-Vereinigung sein?

Müller: Der Schwerpunkt unserer Arbeit wird die weitere Verbreitung der MTM-Methodik zur Steigerung der Produktivität und mittlerweile auch die Sicherung der Ergonomie in Unternehmen sein. Wir folgen unseren Mitgliedsfirmen an die Fertigungsstandorte und gründen dort bei Bedarf Tochter- und Beteiligungsunternehmen die vor Ort Hilfestellung in der Landessprache geben und qualifizierte Mitarbeiter bereitstellen.

So gibt es zum Beispiel Tochterunternehmen in der Schweiz und in Brasilien. Aktuell liegen die stark wachsenden Länder China und Indien im Fokus, da immer mehr Mitgliedsfirmen ihre Produktion dorthin ausweiten. Unser Ziel ist es, die MTM-Prinzipien und unser Know-how auch in diesen Ländern schnell und flexibel bereitzustellen. Auch die Weiterentwicklung der MTM-Methoden wird nach wie vor ein Schwerpunkt sein.

Inwieweit wird die MTM-Anwendung auch inhaltlich weiterentwickelt?

Müller: Die Anwendungsbereiche für MTM in den Unternehmen werden immer breiter. Wir waren bisher sehr stark produktions- und montageorientiert. Heute findet man MTM-Anwendungen auch in der Logistik und Instandhaltung sowie in Verwaltungen und im Dienstleistungsbereich. Wir haben das Geschäftsfeld „Organisation Dienstleistung“ neu aufgebaut. Erfreulicherweise gewinnen wir derzeit viele Banken und Versicherungen, die MTM bei sich anwenden wollen. Darin liegt ein großes Potential für uns.

Wir sind sehr stark verbreitet in Großunternehmen, aber MTM eignet sich auch hervorragend für den Einsatz in KMU. Auch für kleinere Unternehmen haben wir spezielle Methoden zum Erkennen von Schwachstellen in den Abläufen und zur Vereinfachung der Kalkulation entwickelt. MTM-MEK ist beispielsweise eine Methodik für Einzel- und Kleinserienfertiger.

Ist MTM für kleinere Unternehmen nicht zu aufwändig?

Müller: Ein Planer, der eine Fertigungslinie gestalten will, ist zunächst völlig unabhängig davon, wie groß sein Unternehmen ist. Wichtig ist, dass diese Aufgabe methodisch sauber gelöst wird, das heißt, es wird ein hochproduktives Arbeitssystem mit effizientem Layout, guter Ergonomie und angemessener Personalauslastung geplant. Für ein Unternehmen ist es eine große Herausforderung, die MTM-Methodik im Unternehmen einzuführen. In der Einführungsphase braucht es jemanden, der eigens dafür freigestellt ist, was sich viele KMU nicht leisten können.

Der Unterschied zwischen den KMU und den Großunternehmen liegt damit nur in der Implementierung und nachhaltigen Sicherung der MTM-Methoden-Anwendung. Da die MTM-Expertenteams in KMU sehr klein sind, ist die Fluktuation einzelner Teammitglieder ein großes Problem.

Die Deutsche MTM-Vereinigung kann entstandene Unterkapazitäten durch Projektingenieure ausgleichen, die die Verantwortlichen im Unternehmen aktiv bei der Arbeitsvorbereitung und der Prozessplanung unterstützen – und zwar richtig von Anfang an. Ein wertvoller „Augenöffner“ für Potenziale und Gestaltungsansätze kann die Durchführung eines mehrtägigen, arbeitswissenschaftlichen Audits durch einen MTM-Projektleiter auch in kleineren Unternehmen sein.

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