Immer Feuer löschen und vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sehen? Das ist historisch gesehen der Alltag von Logistikern. SAP Transportation Management (TM) und Extended Warehouse Management (EWM) können die Effizienz hier massiv steigern.
Implementierung von SAP Transportation Management (TM) für Hub-Szenarien.
(Bild: Camelot ITLab)
Durch gewachsene Prozesse und Strukturen und stetig steigende Kundenanforderungen ist eine extrem hohe Varianz und Komplexität für die Logistik entstanden. Den Alltag zu meistern, reicht nicht mehr. Wie in allen Bereichen eines Unternehmens müssen permanent die Prozesse optimiert und Kostensenkungspotenziale gehoben werden. Der im Folgenden gezeigte Ansatz beschreibt anhand eines konkreten, in der Praxis bewährten Beispiels, wie Logistiker diese herausfordernden Aufgaben erfolgreich lösen und einen noch größeren Mehrwert aus dem SAP-TM/EWM-System generieren können.
Erster Schritt: lohnende Verbesserungsmaßnahmen identifizieren
Sehr häufig sind die logistischen Prozesse in den Unternehmen historisch gewachsen und zeichnen sich durch hohe Komplexität und enorme Variantenvielfalt aus. Hauptgrund dafür sind sehr individuelle kundenspezifische Anforderungen, aber auch spezielle Anforderungen pro Verkehrsträger oder Relation. Nimmt man dann noch verschiedene Produktarten (zum Beispiel lose Ware versus verpackte Ware) sowie unterschiedlichste Transport-Ressourcen (Container, ULDs, verschiedene Paletten) und Versandarten (Komplettladung versus Teilladung) hinzu, ist das Ergebnis eine extrem hohe Variantenvielfalt.
Die gute Nachricht ist, dass es bei fast jedem Unternehmen sehr viele Optimierungspotenziale in der Logistik gibt: Sei es die Steigerung der Prozesseffizienz durch Automatisierung, die Beschleunigung von Prozessen oder die direkte Senkung von Frachtkosten, zum Beispiel durch Konsolidierung von Sendungen.
Bewährte Methode zur Steigerung der Effizienz mit SAP Transportation Management (TM)/Extended Warehouse Management (EWM).
(Bild: Camelot ITLab)
Die schlechte Nachricht ist, dass die Identifikation der attraktivsten und nachhaltigsten Optimierungspotenziale typischerweise eine große Herausforderung darstellt. Wichtig ist deswegen die Möglichkeit, die eigene Sendungsstruktur, KPIs aus den logistischen Prozessen (zum Beispiel Anzahl Rampenkontakte pro Tag, Standgelder pro Monat, …) sowie die Logistikkosten über ein Benchmarking mit ähnlichen Unternehmen aus der Branche zu vergleichen. Das Ergebnis ist dann eine erste Einschätzung bezüglich lohnenswerter Handlungsfelder.
Reduktion Standgelder sowie Verringerung Anzahl Rampenkontakte
In unserem Beispiel hat ein Versender im Rahmen einer solchen Benchmarking-Studie festgestellt, dass die Standgelder, die Kosten für die Abfertigung sowie die Anzahl der Rampenkontakte bei der Outbound-Logistik deutlich überdurchschnittlich sind. Nun stellt sich der Versender die Frage, mit welchen Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden kann.
Bewährt hat sich hier die Berücksichtigung eines Outside-In-Views. Erfahrene Logistiker haben bereits viele Projekte durchgeführt und können hier Input liefern. Camelot hat die Projekterfahrungen strukturiert aufbereitet in dem sogenannten Value Generation Framework: Dies ist ein Katalog von Optimierungsmaßnahmen in der Logistik. Der Katalog kann nach den Zielgrößen durchsucht werden (zum Beispiel Senkung von Standgeldern, höhere Effizienz bei der Abfertigung et cetera) und enthält pro Verbesserungsmaßnahme Angaben, für welche Situation sich diese Maßnahme eignet oder nicht eignet und welche Verbesserungen in ähnlichen Projekten erzielt wurden. Zusätzlich sind diese Verbesserungsmaßnahmen zu konkreten Prozessen verknüpft und zeigen auf, wie diese Prozesse mit SAP TM/EWM umgesetzt werden können.
Im konkreten Beispiel wurden über das Framework dann folgende Maßnahmen als geeignet ermittelt:
Einführung einer Slot-Management-Lösung mit Self-Service-Check-in zur Effizienzsteigerung der Abfertigung;
Verringerung der Anzahl Ladestellen im Werk durch Änderung der Lagerstruktur (zentrales Versandlager);
Einführung eines Shipping Hubs für die Ausgangsverkehre. Damit sollen für die KEP- (Kurier/Express/Paket-) und Stückgutverkehre nicht für jede Relation/TDL (Transportdienstleister) mehrere Ladestellen im Werk angefahren werden. Es gibt einen zentralen Hub, bei dem die TDL die Sendungen abholen. Mittels Werksverkehre werden die Sendungen von den Ladestellen an den Hub transportiert.
aufgrund der im Framework enthaltenen Erfahrungswerte hat der Versender entschieden, die Lösung mit dem Shipping Hub zuerst zu untersuchen und gegebenenfalls danach eine Slot-Management-Lösung zu implementieren.
Lösungsoptionen für die Implementierung eines Shipping Hubs
Der entscheidende Vorteil eines Shipping Hubs ist die Verringerung der Anzahl der Rampenkontakte in den einzelnen Ladestellen. Dies wird erreicht durch eine Konsolidierung der Sendungen pro Ladestelle für den Transport zum Shipping Hub. Im Shipping Hub erfolgt dann ein Cross-Docking zu den Ausgangstransporten je nach Ziel-Destination.
Der Shipping Hub kann prozessual und technisch unterschiedlich abgebildet werden:
Betreiben eines Shipping Hubs analog zu Cross-Docking-Hubs von Stückgutdienstleistern mittels SAP-TM/EWM-Transitlager-Prozessen;
Nutzen von separaten Abschnitten in den Ausgangslieferungen/-Transporten in SAP TM für die (automatisierte) Planung der Transporte auf dem Werksgelände;
Nutzen eines Yard-Management-Systems für die Konsolidierung der Transporte zum Beispiel über Vorladungskonzepte.
Für welche Sendungen lohnt sich ein Shipping Hub?
Die Entscheidung für einen Shipping Hub wirft natürlich die logische Folgefrage auf, für welche logistischen Umfänge der neu einzurichtende Hub genutzt wird. Soll etwa eine allgemeine Gewichtsgrenze für alle Transporte festgelegt werden, unterhalb derer Kundenlieferungen automatisch für Konsolidierung berücksichtigt werden? Oder sind gezielte komplexere Geschäftsregeln in Bezug auf entsprechende Ladestellen, Produktkategorien, geographische Relationen und Kundengruppen ratsam, um das Optimierungspotenzial richtig zu heben und womöglich auch räumliche Einschränkungen im zukünftigen Hub in Betracht zu ziehen?
Eine weitere Fragestellung betrifft die zusätzliche Erhöhung des Konsolidierungspotenzials durch zeitlich flexibles Ladedatum oder durch die Bildung von kundenübergreifenden Transporten. Schließlich werden die durch Skaleneffekte zu erwartenden Frachtkostenersparnisse in einer Business-Case-Betrachtung untersucht und mit den Zusatzkosten einer neuen Hub-Lösung abgeglichen.
Stand: 08.12.2025
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Die Erfahrung zeigt: Ein detaillierter Blick auf die historische Transportstruktur mithilfe von dedizierten Analysetools trägt wesentlich dazu bei, die geeignetsten Relationen und Umfänge zu identifizieren und das erwartete Optimierungspotenzial durch Simulationen genau zu beziffern. Letztlich führt eine solche fundierte taktische Transportanalyse zu einem reibungslosen operativen Betrieb des Shipping Hubs, da die Ergebnisse als Rahmenbedingungen der operativen Transportplanung weiterverwendet werden. Die Flexibilität von SAP TM/EWM erlaubt die Ergebnisse der Sendungsanalyse als Business Rules mittels der BRF+-Technologie (Business Rules Framework) zu hinterlegen. Dadurch ist eine einfache und kontinuierliche Optimierung im laufenden Betrieb möglich.
Fazit: Nachhaltige Steigerung der Effizienz der Supply Chain Execution mittels SAP TM/EWM erfordert ein konsequent strukturiertes Vorgehen
Die Komplexität der Logistik kombiniert mit sehr vielen „versteckten“ Verbesserungspotenzialen erfordert ein klar strukturiertes Vorgehen:
1. Identifikation von Handlungsfeldern mittels Benchmarkings (Unternehmen mit ähnlicher Struktur);
2. Feststellen des Reifegrades der aktuellen logistischen Prozesse: Durch ein Maturity Assessment soll die Überforderung von Unternehmen durch zu große Änderungen verhindert werden;
3. Identifikation von Verbesserungsmöglichkeiten, fokussiert auf die zuvor definierten Handlungsfelder;
4. Validierung des Business Cases und Definition der exakten Business Rules;
5. Erfolgreiche Implementierung der Optimierungen, basierend auf vorhandenen Best Practices.
Häufig ist ein Outside-In-View bei der Identifikation und Implementierungen von Prozessverbesserungen notwendig. Daher sollten sich Unternehmen für derartige Projekte einen Partner an die Seite holen, der die notwendigen Tools und Methoden bereithält.
* Peter Maag und Zsolt Simon sind leitende Experten im Bereich Transportation Management bei der Camelot Consulting Group in 68165 Mannheim, Tel. +49 621 86298800, office@camelot-itlab.com