Beschaffungsmanagement Flexibilität und Resilienz: Reshoring und Nearshoring in der Verbindungsbranche

Von MA Alexander Stark 4 min Lesedauer

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Globale Lieferketten stehen unter Druck. Unternehmen im Bereich der Verbindungs- und Schraubtechnik reagieren mit neuen Strategien: Reshoring und Nearshoring gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Rückverlagerung von Produktionskapazitäten für C-Teile, kombiniert mit Automatisierung und digitalen Beschaffungssystemen, macht sie flexibler, reduziert Risiken und fördert Nachhaltigkeit.

Als Reaktion auf die Herausforderungen der globalen Lieferketten haben viele Unternehmen gezielte Maßnahmen ergriffen, um ihre Produktion und Lieferkette näher an Kunden in Deutschland und Europa zu verlagern.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Als Reaktion auf die Herausforderungen der globalen Lieferketten haben viele Unternehmen gezielte Maßnahmen ergriffen, um ihre Produktion und Lieferkette näher an Kunden in Deutschland und Europa zu verlagern.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die Corona-Pandemie und Angriffe durch Piraten auf Frachter im Roten Meer haben deutlich gemacht, wie fragil globale Lieferketten sein können. Diese plötzlich auftretenden Störungen in den Versorgungsketten führten dazu, dass viele Unternehmen ihre bisherige Strategie hinterfragen mussten. Besonders das sogenannte Reshoring und Nearshoring, also die Rückverlagerung von Produktionskapazitäten in das Heimatland oder in nahe gelegene Regionen, rückten wieder in den Fokus der unternehmerischen Überlegungen. Diese Strategien bieten Möglichkeiten, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen, Risiken zu minimieren und gleichzeitig flexibler auf Marktveränderungen zu reagieren.

Der Bericht Resiliency in the Making von Accenture bestätigt die wachsende Bedeutung von Nearshoring und Reshoring als Strategien zur Verbesserung der Resilienz in Lieferketten. Immer mehr Unternehmen ziehen demnach in Erwägung, Produktionsstätten in geografischer Nähe zu ihren Absatzmärkten zu verlagern, um weniger abhängig von einzelnen Regionen zu sein und schneller auf Marktveränderungen zu reagieren. Hier profitieren Unternehmen von gemeinsamen Rechts- und Marktbedingungen, die grenzüberschreitende Transporte innerhalb Europas vereinfachen.

Diversifizierung für mehr Resilienz

Die Rückverlagerung von Produktionskapazitäten kann sich aufgrund von Aspekten wie Lieferketten-Resilienz, Kundennähe und einer besseren CO2-Bilanz lohnen.

„Die zunehmende Unsicherheit in den globalen Lieferketten hat unsere Kundenbranchen vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Viele unserer Kunden, insbesondere aus der Automobil-, Luftfahrt- und Maschinenbauindustrie, reagieren mit einer verstärkten Diversifizierung ihrer Lieferantenbasis und einer erhöhten Lagerhaltung kritischer Komponenten“, erklärt Simon Wittmann, Head of Marketing & eCommerce beim Verbindungstechnik-Spezialisten Böllhoff aus Bielefeld. „Zudem beobachten wir eine wachsende Nachfrage nach regionalen Lieferanten, um die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Nicht zuletzt auch aus dem Gesichtspunkt der immer bedeutender werden Nachhaltigkeit“, so Wittmann.

„Angesichts der wachsenden Unsicherheiten unternehmen die Kundenbranchen verschiedene Schritte zur Absicherung“, bestätigt Arne Welenz, Bereichsleiter für Vertrieb in der Mittelstandsindustrie bei Dresselhaus. „Dazu zählen die Einführung von Zertifikaten, neue Ausschreibungen, die häufig online durchgeführt werden, sowie verstärkte Audits und persönliche Gespräche mit den Kunden vor Ort.“

Als Reaktion auf die Herausforderungen der globalen Lieferketten haben Unternehmen wie Böllhoff und Dresselhaus gezielte Maßnahmen ergriffen, um ihre Produktion und Lieferkette näher an Kunden in Deutschland und Europa zu verlagern: So hat Dresselhaus europäische Produktionen in seine Angebote integriert. Besonders bei Waren mit kurzen Lieferzeiten spielt diese Alternative eine entscheidende Rolle. „Produkte, die nachträglich veredelt werden, stammen häufig aus Europa, viele davon direkt aus Deutschland“, so Welenz.

Böllhoff wiederum sourct bereits aus diversifizierten Lieferquellen in Deutschland, Europa und Asien. „Was unsere eigene Produktion betrifft, so haben wir mit dem Bau von zwei weiteren, europanahen Produktionsstätten in der Türkei und Marokko begonnen“, erklärt Wittmann. Zudem hat Böllhoff strategische Partnerschaften mit regionalen Zulieferern aufgebaut, um die Flexibilität und Reaktionsfähigkeit seiner Lieferkette weiter zu erhöhen. Diese Reshoring- und Neashoring-Initiativen tragen nach den Worten von Wittmann dazu bei, die Versorgungssicherheit der Kunden zu gewährleisten und gleichzeitig die Nachhaltigkeit der Produktions- und Beschaffungsprozesse zu verbessern.

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Technologische Innovationen treiben den Rückverlagerungsprozess

Der Rückverlagerungsprozess kann aber auch vor dem Hintergrund steigender Lohnkosten in vielen klassischen Produktionsstandorten in Asien sinnvoll sein, während neue Automatisierungslösungen in Europa eine zunehmend attraktive Option darstellen. Denn ein zentrales Element des modernen Beschaffungsmanagements ist der Einsatz digitaler Lösungen. Elektronische Beschaffungssysteme wie EDI (Electronic Data Interchange) und IoT (Internet of Things), ermöglichen eine transparente und automatisierte Abwicklung von Bestellprozessen. Echtzeit-Überwachung von Lagerbeständen und automatisierte Nachbestellungen tragen dazu bei, Engpässe zu vermeiden und gleichzeitig Lagerhaltungskosten zu minimieren.

„Um das Beschaffungsmanagement in Zeiten unsicherer Lieferketten zu optimieren, setzt die Böllhoff Gruppe auf eine Reihe innovativer technischer Lösungen “, erläutert Wittmann. Hier kommt dem Anbieter zugute, dass er bereits seit Jahren mit umfangreichen Beschaffungssystemen rund um die Disposition und Absatzplanung arbeiten und somit schon einen hohen Grad der technischen Unterstützung gewährleistet. „Aber natürlich berücksichtigen wir auch neue Lösungen, insbesondere auf Basis künstlicher Intelligenz, um unsere Systeme weiter zu optimieren und im operativen Tagesgeschäft effizienter zu arbeiten“, betont Wittmann.

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Für Dresselhaus besteht ein zentrales Element des optimierten Beschaffungsmanagements zum Beispiel aus einem C-Teile Management, das durch Kanban-Lösungen unterstützt wird. „Darüber hinaus optimieren wir die Logistik durch sogenannte „letzte Meter“-Systeme wie Regalsysteme direkt am Arbeitsplatz“, so Welenz. Digitale Bestelllösungen mit Echtzeit-Verfügbarkeitsanzeigen tragen ebenfalls zur Effizienzsteigerung bei.

Unternehmen wie Böllhoff und Dresselhaus zeigen auch auf der Regionalmesse Schraubtec, wie Reshoring und Nearshoring erfolgreich umgesetzt werden können. Durch den Einsatz modernster Technologien und eine strategische Anpassung der Beschaffung gelingt es ihnen, sowohl die Bedürfnisse ihrer Kunden als auch die eigenen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Effizienz zu erfüllen. Die Verbindung von Innovation, regionaler Produktion und nachhaltigem Wirtschaften wird für viele Unternehmen mehr und mehr zum Schlüssel zum Erfolg.

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