Distribution Richtige Ladungssicherung verhindert Unfälle im Schwerlastverkehr
Ein neues Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz verlangt ab September 2009 alle fünf Jahre eine Weiterbildung. Ein Hintergrund: 25% aller Unfälle im Schwerlastverkehr können durch richtige Ladungssicherung verhindert werden.
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In Deutschland entstehen durch mangelnde Ladungssicherung jährlich Schäden von 200 bis 300 Mio. Euro. Der Gesetzgeber verweist zwar auf die anerkannten Regeln der Ladungssicherungstechnik, aber in der Praxis verlassen sich noch zu viele Kraftfahrer auf ihr Glück. Doch mit der richtigen Ladungssicherung könnten 25% aller Unfälle mit Lkws vermieden werden.
Wenn das Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz ab September 2009 in Kraft tritt, werden Kraftfahrer alle fünf Jahre Schulungen zu Fahrverhalten, Verkehrs- und Umweltsicherheit und damit auch der Ladungssicherung absolvieren müssen. Die Roman Mayer Group hat bereits im März dieses Jahres eine Logistikakademie gegründet, um ihre Mitarbeiter betriebsintern zu schulen.
Der Gedanke einer Logistik-Akademie ist bereits zwei Jahre alt
Die Ladung sei so schwer, dass sie sich ohnehin nicht bewege, fasst Mirko Scheuermeyer, Schulungsleiter der Roman Mayer Group, die Einstellung vieler Kollegen zusammen. Doch wer die physikalischen Kräfte, die während der Fahrt auf das Transportgut einwirken, wirklich verstehen lernt, weiß, dass sich die Naturgesetze nicht vom Gewicht der Ladung beeindrucken lassen.
Die Roman Mayer Group beschäftigt aktuell 581 Kraftfahrer, die gemäß Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz geschult werden müssen, so Peter Müller, Geschäftsführer der Logistik Akademie der Roman Mayer Group. Bereits vor zwei Jahren spielte die Unternehmensgruppe mit dem Gedanken eine Logistik-Akademie zu gründen.
Seit März 2009 ist das Schulungszentrum ins Handelsregister eingetragen. Mit der Gesetzesvorgabe sei dem Unternehmen die Entscheidung praktisch abgenommen worden, erklärt Müller. Die angebotenen Schulungen umfassen neben dem kompletten administrativen Bereich wie Excel, Word und Power Point, die Logistik-IT mit Softwareprogrammen wie Transflow, Axapta und Atlas sowie die Lagertechnik. Ein wichtiger Fokus liegt aber vor allem auf dem Berufskraftfahrer in der Verkehrssicherheit.
Das Gesetz verlangt eine regelmäßige Schulung
Im Zuge des neuen Gesetzes wird etwa eine regelmäßige Schulung zur Ladungssicherung verlangt. In der Logistik-Akademie können die Mitarbeiter in einem eintägigen Seminar ihre Kenntnisse auffrischen und vertiefen. Die Grundlagen der Ladungssicherung werden zwar während der Ausbildung zum Berufskraftfahrer vermittelt, aber wie das Transportgut in der Praxis zu sichern ist, wird dabei vernachlässigt.
Die häufigsten Fehler, so Scheuermeyer, die bei der Sicherung der Ladung gemacht würden, seien die Unterschätzung einer zu geringen Reibung, defekte und unzureichende Zurrmittel sowie unqualifiziertes Personal. Viele Fahrer unterschätzten die Wichtigkeit der Ladungssicherung. Einem Teil sei nicht bewusst, dass das Ladegut sich bewegen kann, auch wenn es noch so schwer ist, der andere Teil wolle keine Zeit verlieren, einfach aufladen und losfahren.
Reibungskraft ist die Basis einer guten Ladungssicherung
An sich ist die Reibungskraft die natürlichste Ladungssicherung, weil die Reibung zwischen zwei Materialien – dem Transportgut und der Ladefläche – das Rutschen erschwert. Diese physikalische Kraft hält die Ladung aber nur zu einem gewissen Teil an ihrem Platz. So genannte Antirutschmatten erhöhen zwar die Reibung zwischen den Ladegütern und der Ladefläche, doch auch diese Hilfsmittel reichen zur Sicherung allein nicht aus. Darüber hinaus werden entsprechende Zurrmittel benötigt, mit denen das Transportgut schräg, diagonal oder niedergezurrt wird.
Das Niederzurren funktioniere nur bei Gütern bis maximal 8 t. Daher reichten bei einer Ladung von 20 t 20 Gurte, mit denen sich jeweils 300 bis 400 kg sichern ließen, einfach nicht mehr aus, erklärt Scheuermeyer. Bei schwereren Gütern müsse schräg oder diagonal gezurrt werden, so könne ein einzelner Gurt mehr als 2 t halten. Wie eine Ladung fachgerecht zu transportieren ist, kann genau berechnet werden. Da dies aber doch sehr aufwendig ist, arbeitet die Roman Mayer Group hier mit Tabellen, die je nach Gewicht, Reibung und Zurrwinkel angeben, wie viele Gurte notwendig sind.
Schulungen werden praxisgerecht aufbereitet
Die Schulungsteilnehmer sollen die Gelegenheit erhalten, nicht nur auf Bildern und Filmen zu sehen, wie sich die unzureichende Sicherung der Ladung auswirkt, sondern auch direkt in der Praxis. Anhand einer Palette, die auf einen Lkw gestellt wird, soll den Teilnehmern zum Beispiel veranschaulicht werden, was bei einer Bremsung geschieht, wenn die Palette mit und wenn sie ohne Antirutschmatte befördert wird. Liegt die Palette auf rutschhemmendem Material, steht diese normalerweise auch nach einer Bremsung an ihrem ursprünglichen Platz.
Außerdem sollen die Fahrer ausprobieren, wann ein Stapel von fünf Paletten mit einem Gewicht von insgesamt 125 kg losrutscht und wann sich im Vergleich dazu eine einzelne Palette von 25 kg bewegt. Das für manche überraschende Ergebnis: Beide Ladungen rutschen zum selben Zeitpunkt weg, da es bei der Beladung auf die Reibung ankommt und nicht auf das Gewicht.
Die Logistik-Akademie will das Know-how der Mitarbeiter nutzten
In der Logistikgruppe mit ihren rund 1200 Beschäftigten stünde sehr viel Know-how zur Verfügung, erklärt Müller das Konzept der Logistik Akademie. Dieses Wissen soll in die Schulungsmaßnahmen einbracht werden. Der bereits zitierte Mirko Scheuermeyer etwa ist ausgebildeter Kraftfahrzeugmechaniker, Berufskraftfahrer und Kraftverkehrsmeister, der nach einigen Weiterbildungen jetzt unter anderem Schulungen zur Ladungssicherung leitet. Die Initiative, so heißt es, habe große Zustimmung bei Mitarbeitern und Vorgesetzten in den einzelnen Unternehmungen der Roman Mayer Group bekommen.
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