Zulieferer-Wettbewerb Top-Performance durch Top-Logistik
Das zum Bereich A&D der Siemens AG gehörige Elektronikwerk Karlsruhe (EWK) hat im letzten Jahr einen Logistikwettbewerb für seine Zulieferer angestoßen. Ziel dieses Wettbewerbs war im Wesentlichen die Steigerung der Logistikleistung der Lieferanten, also letztendlich ihrer Liefertreue.
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Das Elektronikwerk Karlsruhe (EWK) gehört zum Bereich Automation and Drives (A&D) der Siemens AG und ist fester Bestandteil des Geschäftsgebiets Industrial Automation Systems (AS). Das EWK fertigt variantenreiche Produkte mit mittleren Stückzahlen. Insbesondere die Prozessautomatisierung wird mit Simatic S7-400, dem Prozessleitsystem PCS 7 sowie der ET-200-Peripherie für Explosionsschutzzonen bedient.
Die Logistikleistung des EWK zu den Kunden ist außer den Faktoren Kosten und Qualität ein essentieller Erfolgsfaktor. Unter der Logistikleistung des Lieferanten versteht das EWK die Liefertreue, Wunschtermintreue sowie die Lieferfähigkeit des Lieferanten.
Um die entsprechende Wettbewerbsfähigkeit zu erzielen, ist das besondere Engagement aller an der gesamten Supply Chain Beteiligten erforderlich. Themen wie die Logistikleistung der Lieferanten, die Bestandshöhe, die hohe Versorgungssicherheit der Fertigung mit dem entsprechenden Material sowie das notfalls notwendige Fehlteilmanagement sind wesentliche Aufgaben der Beschaffungslogistik im EWK.
Die größte Kundenzufriedenheit könnte erzielt werden, wenn alle Lieferanten zu den Wunschterminen des EWK liefern. Bereits das Einhalten der von den Lieferanten zugesagten Liefertermine trägt schon zu einer besseren Planungssicherheit und somit zu einer höheren Sicherheit in der Kundenversorgung bei.
Liefertreue wird genau gemessen
Diese Einhaltung der Zusagen wird im EWK in Form der Liefertreue gemessen. Hierbei wird der erstbestätigte Liefertermin mit dem tatsächlichen Wareneingangstermin verglichen und dann entsprechend bewertet. Bei der Bewertung sind -3/0 Tage als Toleranzfenster für die Messung (Siemens-A&D-weit) eingestellt. Der Lieferant ist also liefertreu, wenn die Lieferung in diesem Toleranzfenster erfolgt.
Die Bewertung der Wunschtermintreue (tatsächlicher Wareneingangstermin zum Wunschtermin der Bestellung) und der Lieferfähigkeit (erstbestätigter Termin zum Wunschtermin der Bestellung) vervollständigen die Messung der Logistikleistung des Lieferanten.
Die bisher beschriebene Messung der Logistikleistung der Lieferanten bezieht sich auf die normale Bestellabwicklung (Vorratsbeschaffung) im EWK. Eine für beide Seiten intelligente Alternative ist die engere Integration der Lieferanten in die Prozesse mittels geeigneter Forecast-Tools und Beschaffungsmodelle, zum Beispiel Konsignationslagerbeschaffung. Diese Abwicklungsmethode ist auch im Hinblick auf die Prozess- und Bestandskosten vorteilhaft.
Aufgrund der zu Beginn erwähnten variantenreichen Produkte und somit der Vielzahl unterschiedlicher Fertigungsmaterialien mit mittleren Stückzahlen ist für das EWK ein hohes Maß an Flexibilität bei der Materialversorgung erforderlich, um den Aufwand für Ersatzprozesse so gering wie möglich zu halten. Die auf diesem Wege erhöhte Versorgungssicherheit ist ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor für das EWK.
Die Lieferanten des EWK hatten im Geschäftsjahr 2005 eine unzureichende Liefertreue, die, sofern der vorhandene Materialbestand nicht ausreichte, durch ein intensives Fehlteilemanagement ausgeglichen werden musste. Die frühzeitige Information durch die Lieferanten bei Nicht-Einhaltung gemachter Terminzusagen war verbesserungswürdig. Der Anteil kosten- und prozessoptimierter Beschaffungsmodelle war rückläufig.
Das EWK hat daher zu Beginn des letzten Geschäftsjahres einen Logistikwettbewerb initiiert und erfolgreich durchgeführt. Im Wesentlichen sollte die Logistikleistung (Liefertreue) der Lieferanten gesteigert und der Einsatz bevorzugter Beschaffungsmodelle ausgebaut werden.
Logistikkoeffizient besteht aus vier Kennzahlen
In der Vergangenheit wurden die EWK-Lieferanten monatlich über ihre Logistikleistung mittels der Kennzahlen Liefertreue, Wunschtermintreue und Lieferfähigkeit schriftlich informiert. Zur Bildung des heutigen Logistikkoeffizienten wurde zusätzlich zu diesen Kennzahlen noch die bewertete Abwicklungsmethode, zum Beispiel ein Forecast-gestütztes Konsignationslager, aufgenommen. Der gewichtete Mittelwert dieser vier Kennzahlen bildet den Logistikkoeffizienten des Lieferanten.
Im Rahmen des Logistikwettbewerbs wurden zusätzlich zu dem neuen Logistikkoeffizienten die aktuelle Platzierung des Adressaten und die Nennung der Top-Ten-Lieferanten in das monatliche Schreiben aufgenommen. Diese Transparenz ermöglichte jedem Lieferanten, sich mit seiner Platzierung auseinander zu setzen und das Thema pro-aktiv in ein Logistikgespräch mit dem EWK einzubringen.
Während der vielen Gespräche stellte sich heraus, dass einige der Lieferanten weder die Prozesse in der Abwicklung noch die Parameter der Logistikbewertung des EWK kannten. Die Resonanz auf den Logistikwettbewerb war seitens der über 60 Teilnehmer sehr positiv. Neben dem puren Interesse konnte aber auch das Verständnis für die Probleme und Abläufe auf beiden Seiten gesteigert werden.
Der Wettbewerb hat grundsätzlich auch dazu beigetragen, dass sich die Lieferanten in diversen Gesprächen detaillierter als bisher mit den EWK-Bedürfnissen und den nachgelagerten Supply-Chain-Prozessen befasst haben. Als Ergebnis konnte die Liefertreue von 71% im Geschäftjahr 2005 auf über 86% im Geschäftsjahr 2006 gesteigert werden. Weiterhin deutet die Liefertreue der letzten Monate auf eine nachhaltige Stabilisierung größer 90% hin. Die Zu-Früh-Lieferungen der Lieferanten, die eine vermeidbare Kapitalbindung bedeuten, konnten ebenfalls um fast 70% reduziert werden.
Die offene Kommunikation der Logistikleistung zu den Lieferanten hat die bisher latent vorhandenen Probleme fair und transparent thematisiert. Darüber hinaus ist die Bereitschaft zu neuen, Forecast-gestützten Beschaffungsmodellen gesteigert worden. Es wurden Logistikverträge mit Firmen aus diversen Sparten neu abgeschlossen oder bestehende Verträge im Umfang erweitert.
Unterteilung der Lieferanten nach Materialgebieten
Um den marktspezifischen Eigenheiten der Fertigungsmaterialien Rechnung zu tragen, wurden die Lieferanten nach Materialgebieten in (Elektro-)Mechanik und Elektronik unterteilt. Im Materialgebiet Elektronik haben folgende Firmen die ersten Plätze belegt: Die Avago Technologies schnitt am besten ab, Platz 2 belegte die Acal GmbH, gefolgt von der Vishay Semiconductor GmbH. Im Materialgebiet (Elektro-)Mechanik gibt es folgende Gewinner: Erster Platz für die Harting Deutschland GmbH & Co. KG, gefolgt von der Elektronik-Kontor Komponenten GmbH, auf Platz 3 liegt die EPT GmbH & Co. KG.
Die jeweils Erstplatzierten werden nach Karlsruhe eingeladen und mit einem entsprechenden Rahmenprogramm honoriert. Nach dem Rückblick auf die Highlights des letzten Jahres sowie Ausblick auf das neue Geschäftsjahr stehen nach Überreichung der Urkunde auch das Kennenlernen der Stadt Karlsruhe sowie der Besuch eines Fußballspiels in der VIP-Lounge des Karlsruher SC auf dem Programm.
Gao Kwintmeyer ist Leiter Beschaffungs-logistik im Elektronikwerk Karlsruhe (EWK), Siemens A&D AS, 76187 Karlsruhe, Tel. (0721) 595-6359, gao.kwintmeyer@siemens.com
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