Nearshoring statt Fernost
Warum Bulgarien und Tschechien für Zulieferer an Bedeutung gewinnen

Von Nadja Müller * 5 min Lesedauer

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Steigende Lohn- und Energiekosten setzen deutsche Unternehmen zunehmend unter Druck, gleichzeitig ist eine Verlagerung nach Asien für viele Branchen keine Option: zu lange Lieferzeiten, zu unsichere Lieferketten, zu aufwendig die Qualitätssicherung. Eine Alternative liegt näher, im wörtlichen wie im geografischen Sinne: Bulgarien und Tschechien.

Das Nearshoring vermeidet zu lange Lieferzeiten, zu unsichere Lieferketten sowie eine zu aufwendige Qualitätssicherung der gewünschten Produkte.(Bild: ©  wladimir1804 - stock.adobe.com)
Das Nearshoring vermeidet zu lange Lieferzeiten, zu unsichere Lieferketten sowie eine zu aufwendige Qualitätssicherung der gewünschten Produkte.
(Bild: © wladimir1804 - stock.adobe.com)

Der Kostendruck in der deutschen Industrie hat in den vergangenen Jahren eine Schwelle erreicht, an der klassische Antworten wie Effizienzsteigerung, Prozessoptimierung oder Skalierung des Einkaufs durch Mengenrabatte oft nicht mehr ausreichen. Lohnkosten, Energiepreise und regulatorische Auflagen haben sich auf einem Niveau eingependelt, das Unternehmen zwingt, nach anderen Lösungen zu suchen. Für Zulieferer, die Komponenten und Baugruppen zum Beispiel für Automotive, Medizintechnik, Elektrotechnik oder Haustechnik fertigen, stellt sich damit zunehmend die Frage, wo in Europa noch wettbewerbsfähig produziert werden kann, ohne auf die EU-Vorteile zu verzichten. Damit wird Nearshoring eine Option.

Der Kostenvergleich: ein Verhältnis von eins zu vier

Der naheliegende Treiber ist der Personalkostenvergleich. „Stundensätze in Bulgarien liegen bei etwa einem Viertel des deutschen Niveaus, ergänzt durch niedrigere Energie- und Gemeinkosten sowie attraktive Investitionsförderungen“, sagt Josef Gleixner, Geschäftsführer der Inotech Group. Der Systemlieferant für technische Kunststoffteile hat Werke in Deutschland, Tschechien und Bulgarien. Tschechien liegt kostenseitig zwar über Bulgarien, bietet dafür eine höhere Produktivität und eine bessere Verfügbarkeit qualifizierter Facharbeiter, ein Standortvorteil, der besonders für technische Kunststoffteile und Automotive-Anwendungen relevant ist. Die geografische Nähe verstärkt diesen Effekt: Tschechien schließt an die deutsche Grenze an, sodass abhängig vom Standort der Werke sich Transportzeit und -kosten gegenüber innerdeutschen Strecken kaum unterscheiden.