Mit dem Aufbau eines modernen Logistikzentrums zur Produktionsversorgung entstand bei der Meyer-Werft in Papenburg eine neue Herausforderung für die Intralogistik. Mit einem Upgrade des Transportleitsystems Syncrotess von Inform und neu strukturierten Transportprozessen auf Basis intelligenter Algorithmen werden heute alle Teile, die zum Bau großer Kreuzfahrtschiffe benötigt werden, vorausschauend geplant und just in time an die richtige Stelle in der Fertigung geliefert.
Ovation of the Seas: Das auf der Meyer-Werft 2016 vom Stapel gelaufene, 348 Meter lange Kreuzfahrtschiff fährt ferne, exotische Ziele an.
(Bild: Meyer-Werft)
Ein Schiff, das im Hafen liegt, ist sicher, doch dafür ist es nicht gebaut“, sagt ein berühmter Postkartenspruch. Was es bedeutet, ein Schiff sturmfest zu bauen, wissen die mehr als 3.500 Mitarbeiter der Meyer-Werft. Das Schiffbauunternehmen fertigt in Papenburg bereits seit 1795 Schiffe und seit Mitte der 1980er-Jahre große Kreuzfahrtschiffe, darunter etwa die Aidacosma. Über rund drei Jahre erstreckt sich ein Projekt und mehr als zwölf Monate dauert es, bis ein solches Schiff fertig gebaut und getestet ist. Es ist über 300 Meter lang und wird mehr als 3.000 Passagieren Platz bieten.
Pro Tag fallen für den Schiffbau etwa 1.500 interne Materialtransporte an. Diese erledigen 175 Beschäftigte in der Intralogistikabteilung, die seit fünf Jahren unter der Leitung von Christian Meyer agiert. Seit 2004 ist das Transportleitsystem Syncrotess für den innerbetrieblichen Transport im Einsatz. Im Rahmen eines Modernisierungsprojektes wurde dieses im Jahr 2021 auf die neuste Produktversion heraufgesetzt und optimiert seither nicht nur die Transportaufträge, sondern auch die Planung und Steuerung der gesamten Intralogistik.
Ein neues Logistikzentrum mit neuen Anforderungen
Mit Wechselbrücken und Sattelaufliegern werden Baumaterialien von Großkomponenten bis hin zu Kleinteilen just in time vom modernen Logistikzentrum bis ans Schiff oder direkt auf die Schiffsbaustelle geliefert. So strukturiert liefen die Prozesse jedoch nicht immer, erinnert sich Meyer. „Vor dem neuen Logistikzentrum gab es eine Vielzahl von Lagerorten, die aufgrund ihrer räumlichen Trennung zu ineffizienten Versorgungsprozessen führten.“ Aus diesem Grund und wegen des immer größer werdenden Marktdrucks, vor allem durch Werften in China und Europa, entschied die Meyer-Werft 2019, in ein neues und digitales Logistikzentrum zu investieren und die bestehende IT-Infrastruktur zu modernisieren.
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In diesem Zuge wurde auch das Transportleitsystem an die neuen Anforderungen in der Intralogistik angepasst und auf den Stand moderner Technik gebracht. „Syncrotess war für uns schon immer das Spezialsystem für den innerbetrieblichen Transport“, sagt Meyer. Die Add-on-Software für das ERP-System unterstützt die zentrale Steuerung und Optimierung aller logistischen Abläufe im Werksverkehr. „Wir können damit nicht nur die komplexen Strukturen unserer Intralogistik optimal abbilden, sondern erhalten auch optimierte Transportaufträge, sodass wir den Schiffsbau just in time beliefern und damit unsere Termintreue hochhalten können.“
Während 2004 noch ein Schiff jährlich aus der Halle in Papenburg hinaus auf die Weltmeere entlassen wurde, sind die Kapazitäten inzwischen auf drei Schiffe pro Jahr gewachsen. „Wäre Corona nicht gekommen, hätten wir die Produktion sogar auf vier Schiffe jährlich hochgeschraubt“, so Meyer. Doch die Krise erforderte eine mit den Kunden vereinbarte Streckung der Aufträge. Zwei Schiffe pro Jahr stehen bis 2025 in den Auftragsbüchern. Das bedeutet einen deutlichen Umsatzrückgang. „Aber langsam setzt sich die Kreuzfahrtflotte weltweit wieder in Bewegung. Und die vorhandenen Aufträge so effizient wie möglich zu bauen, ist das Gebot der Stunde.“
Das richtige Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Die Materialbedarfe aus der Fertigung werden über das ERP-System SAP EWM an Syncrotess übermittelt. Letzteres ermittelt aufgrund diverser Systemparameter eine Versorgungstour und meldet die Abfahrtzeit an das ERP-System. Die Transportgüter werden nach der Kommissionierung im Logistikzentrum auf Wechselbrücken geladen und zum Umschlagpunkt transportiert. Von dort aus geht das Material entweder in den Produktionsbereich oder mithilfe von Kränen über sogenannte Öffnungen direkt auf das Schiff. An Bord müssen die Materialien aufgrund der begrenzten Raumkapazität manuell weitertransportiert werden.
„Auf der Baustelle darf nur vorhanden sein, was wirklich gebraucht wird. Zum einen, weil die Flure und Räume auf den Schiffen eng sind, und zum anderen, weil das Material bei langen Liegezeiten beschädigt werden könnte und es die Brandlast auf dem Schiff erhöht“, erklärt Meyer. Aus diesem Grund liefert die Intralogistik die benötigten Teile in kleinen, aber passgenauen Arbeitspaketen kurzzyklisch an. Im Ergebnis wird die Fertigung just in time mit den richtigen Materialien versorgt. Gleichzeitig sorgt die algorithmische Transportoptimierung für eine gleichmäßige Ressourcenauslastung, hohe Transparenz und vermeidet Leerfahrten.
Mobile Applikation sorgt für transparente Nachverfolgbarkeit
Mittels des Systems von Inform steuert und überwacht die Disposition bei der Meyer-Werft alle Aufträge in der Intralogistik und verfolgt den Auftragsstatus sowie die Krandisposition. Bei Handlungsbedarf erhält das Team schnell die richtigen Informationen auf übersichtlichen Dashboards. Im operativen Transport erhalten Fahrerinnen und Fahrer der Lkw, Stapler sowie die Mitarbeitenden auf dem Schiff alle für sie relevanten Informationen zu den Transporten und Waren über eine zugehörige, mobile App.
Stand: 08.12.2025
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Einen relevanten Vorteil sieht Meyer in der einfachen Protokollierung der Lieferungen: „Wenn der Transport abgeschlossen ist, schießen unsere Mitarbeiter ein Foto der Güter an ihrem finalen Bereitstellungsort, laden dieses einfach in die App hoch und verknüpften es mit der dazugehörigen Bestellung. Das schafft nicht nur maximale Transparenz und Nachvollziehbarkeit, sondern hilft der Fertigung auch, das Material in den verwinkelten Gängen auf dem Schiff schnell zu finden.“
Ein weiteres Ziel des Upgrade-Projektes bestand darin, alle Transportressourcen in einer Kette abzubilden und optimal steuern zu können. Vom Gabelstapler bis zum Kran wird die Anlieferung des Materials heute durchgängig abgebildet. Besonders von Vorteil ist für Meyer die Konfigurierbarkeit des Transportleitsystems.
Da jedes Kreuzfahrtschiff andere Anforderungen an die Fertigung stellt und aus anderen Materialien besteht, müssen die Parameter in der Planung schnell und einfach anpassbar sein. „Manchmal ist vor Baubeginn noch nicht klar, wie schwer oder groß manche Produktionsgüter sind. Hier müssen wir flexibel sein, um die Auswirkungen unserer Planung auf Basis realer Gegebenheiten erkennen zu können“, sagt Christian Meyer.
Praxisorientierte Software für die Intralogistik
Trotz der Reisebeschränkungen während der Coronapandemie setzten die Beteiligten das Upgrade-Projekt wie geplant um. „Sich in der Hochzeit dieses Projekts nur per Online-Meeting abstimmen zu können, war zwar für die meisten von uns neu, wandelte sich aber schnell in die gelebte Praxis und hinderte uns keineswegs an der erfolgreichen Umsetzung“, erinnert sich Meyer.
In der Zusammenarbeit schätzte er vor allem, dass sich die Konzeption der neuen Prozesse mit der Software nah an den tatsächlichen Gegebenheiten in der Fertigung und Logistik orientierte. „Wenn eine Software in den Livebetrieb geht, muss alles funktionieren. Mit Inform haben wir einen guten Partner an unserer Seite, der unsere Bedürfnisse versteht.“ ■
* Ulf König ist Head of Strategic Business Development Manufacturing Logistics bei der Inform GmbH in 52076 Aachen, Tel. +49 2408 94560, info@inform-software.com