Ob man als Verlader, Spediteur oder Logistikdienstleister Teil der Supply Chain ist: Transporte und ihre Steuerung werden immer vielschichtiger – nicht erst seit Corona. Ideal ist, wenn Transport und Lager ineinanderspielen. Durchgängige Sichtbarkeit der Frachtbewegungen innerhalb der Lieferkette ermöglicht beispielsweise das Modul SAP Transportation Management (TM). Es ist Teil der nahtlos integrierten Supply Chain Execution Platform (SCE) aus Walldorf, die auch SAP EWM einschließt. Im nachfolgenden Beitrag stellen wir verschiedene SAP-Partner und ihre Lösungen vor.
Mit dem Salt-Add-on Gelangensbestätigung kann die Verbringung von Waren ins EU-Ausland protokolliert nachgewiesen werden – das gewährleistet die Umsatzsteuerfreiheit.
Eines vorneweg: „TM“ steht in diesem Beitrag nicht für „trade mark“, also für eingetragene oder auch nicht eingetragene Marken, sondern es ist Teil der SAP-Begriffswelt und bedeutet schlicht und ergreifend „Transportation Management“. Wie der Name schon vermuten lässt, geht es also um eine Transportmanagement-Software von SAP. In der Supply Chain Execution Platform (SCE) von SAP fließen geschäftliche Daten aus ERP beziehungsweise SAP S/4HANA zusammen mit smarten Daten von Sensoren (aus der Produktion) sowie Telematikinformationen (die in den einzelnen Lastkraftwagen generiert werden). Zahlreiche SAP-Gold- oder -Silber-Partner haben sich darauf spezialisiert, den von SAP angebotenen Standard für beispielsweise das strategische Frachtmanagement, die Auftragsverwaltung oder auch die konkrete Planung und Ausführung von Transporten an die betrieblichen Erfordernisse ihrer Kunden anzupassen. Dazu gehören auch die Kalkulation und Abrechnung der Frachtkosten sowie Analysen und Berichte.
Als Experte für die Digitalisierung der Supply Chain steht beispielsweise Salt Solutions, Würzburg, – seit Kurzem Teil von Accenture – bei Prozessen zur Senkung der Transportkosten und der Optimierung von Warenflüssen seinen Kunden beratend zur Seite. Ein Beispiel ist das Add-on „Gelangensbestätigung“, die der Gesetzgeber seit 2013 bei Lieferungen ins EU-Ausland verlangt. Mithilfe dieses Add-ons kann der Kunde protokolliert die Verbringung der Ware an den Zielort nachweisen, womit die Umsatzsteuerfreiheit gewährleistet ist.
Add-ons sind das Salz in der Suppe
Der Salt-KEP-Monitor ist ein SAP-basiertes Add-on zur Integration der Kurier-, Express- und Paketdienste sowie der Speditionen eines Kunden. Integriert in das SAP ERP oder SAP EWM, drucken Salt-Kunden mit dem Add-on ihre Etiketten, übertragen Daten an ihre Dienstleister oder erstellen Ladelisten.
In Zeiten von Omnichannel-Handel heißt das Paradigma ja „seamless“, also nahtlos. Aber kann die Interaktion zwischen SAP EWM (drinnen) und SAP TM (draußen) überhaupt funktionieren angesichts massiver Funklöcher und eines Flickenteppichs unterschiedlicher IT-Systeme einer Supply Chain? Wir haben einige SAP-Partner zu diesem Thema befragt und auch, wie man sich die Implementierung von SAP TM vorzustellen hat: Kaufen Kunden zusätzlich zu ihrem bestehenden EWM oder investieren sie nicht besser gleich in die komplette Supply Chain Execution Platform aus Walldorf?
Laut Fin Geldmacher, Geschäftsführer bei Prismat in Dortmund, hat SAP in den letzten Jahren massiv in die Lösungen der Digital Supply Chain investiert. „Wenn man sich die Roadmap der Lösungen SAP EWM und SAP TM anschaut, wird hier auch zukünftig noch einiges kommen“, sagt Geldmacher. Nichtsdestotrotz gebe es schon zahlreiche Kundenbeispiele, bei denen beide Systeme integrativ und erfolgreich zum Einsatz kommen. „Aber sicherlich können diese Softwarelösungen ihre vollständige Power hinsichtlich Echtzeitkommunikation nur dann richtig ausspielen, wenn auch die Hardwareseite (Infrastruktur, Sensorik, Aktorik) richtig funktioniert und sie mit den Softwarelösungen integriert ist“, so der Topmanager.
Für Michael Rölli, Transportlogistikexperte bei der Hamburger CBS-Tochter Leogistics, steht die Eingangsfrage im engen Zusammenhang mit der Strategie in der operativen Logistik: Welche Disziplin ist führend – Lager oder Transport? Denn TM wie auch EWM würden in der Regel vom verladenden Unternehmen genutzt: zum einen für die Planung der Transporte in SAP TM, zum anderen für die operative Durchführung der Kommissionierung und Verladung im SAP EWM. Rölli: „Grundsätzlich stellt SAP mit der Integration zwischen EWM und TM die Möglichkeit bereit, die logistischen Prozesse nahtlos abzuwickeln. Dies betrifft aber lediglich die internen Prozesse des verladenden Unternehmens.“
Infos für alle Prozessteilnehmer
Wir alle wissen, dass „draußen“ in der realen Welt im Unterschied zum geordneten „Drinnen“ von Unternehmen häufig unvorhergesehene Dinge passieren, die Prozesse beeinflussen. Hierbei gilt es, externe Lösungen einzubinden, sodass Informationen dort abgegriffen werden können, wo sie entstehen. „Ein Beispiel ist die Anbindung der Telematik des Frachtführers, um ein Echtzeit-Tracking zu gewährleisten. Mithilfe moderner Cloud-Lösungen, wie beispielsweise der ,myleo/dsc‘, können diese Informationen dann allen Prozessteilnehmern zur Verfügung gestellt werden“, sagt Michael Rölli.
Das Thema Omnichannel stellt viele Kunden von Westernacher vor große Herausforderungen. Wie Matthias Hollenders, Global Lead Internet of Things & Industry 4.0 beim Heidelberger Consulting-Unternehmen, erläutert, beginnt das in der Planung bei der Ermittlung von Bedarfen und Beständen und reicht bis hin zur Logistik. Wichtig sei es hier, die Logistiksysteme eng miteinander zu koppeln, „was wir bei unseren Kunden mit den stark integrierten SAP-TM- und -EWM-Systemen auch schaffen“. Keine Seltenheit sei es allerdings, dass man sich mit dem Kunden auf einer Reise befinde, bei der anfangs noch eines der Systeme eben nicht auf SAP basiere. „Um hier dann das fehlende nahtlose Ineinandergreifen der Systeme auszugleichen, das eben elementar für Omnichannel ist, müssen wir über ,Control-Tower‘-Ansätze die Prozesse stark miteinander verzahnen.“ Somit ließe sich trotz „Funklöchern“ und „Flickenteppichen“ ein gut funktionierendes Omnichannel gestalten.
Stand: 08.12.2025
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Für Peter Müller, Team Manager im Bereich Warehouse & Transport Solutions bei FIS Informationssysteme und Consulting im unterfränkischen Grafenrheinfeld, lautet die oberste Prämisse auch für die Supply Chain: Integration. Nur durch eine nahtlose Anbindung aller IT-Systeme – SAP TM mit SAP EWM und SAP S/4HANA oder auch mit Fremdsystemen – würden Händler langfristig erfolgreich bleiben. „SAP stellt mit diesen Softwarelösungen die Basis für eine integrierte Supply Chain bereit. Diese Basis individuell auf die SAP-Nutzer zuzuschneiden und zu verzahnen, liegt anschließend an den SAP-Beratungshäusern. Erst dann spielen alle Prozesse ideal zusammen und Unternehmen profitieren von mehr Transparenz und Produktivität“, sagt Müller. SAPs zugrunde liegende Fiori-Technik ermögliche außerdem mobile Funkanwendungen für EWM, aber auch TM, also im Lager und darüber hinaus.
Supply Chain Execution Platform
Doch wie sieht die Einführung nun konkret aus? Die Implementierung des SAP TM erfolgt in der Regel über einen SAP-Beratungspartner wie Körber. Wie Thomas Gries, Chief Executive Officer SAP im Körber-Geschäftsfeld Supply Chain, anmerkt, ist im Vorfeld der Erwerb der entsprechenden SAP-Lizenz Voraussetzung. „Im Rahmen des Implementierungsprojekts werden die kundenspezifischen Prozesse im SAP TM abgebildet. Hierbei werden insbesondere das SAP EWM und auch das ERP-System – SAP oder non-SAP – mit dem SAP TM über Standardschnittstellen integriert. Eine Lizenz für das SAP TM kann jederzeit zusätzlich zu bereits bestehenden SAP-Lizenzen (wie zum Beispiel einer existierenden SAP-EWM-Lizenz) erworben werden“, sagt Gries. Empfehlenswert ist es Gries‘ Worten zufolge aber in vielen Fällen, insbesondere beim Einsatz von S/4 auch als ERP-Lösung, die komplette Supply Chain Execution Platform als integralen Bestandteil der S/4-Lösung zu lizenzieren.
Innovation, Integration, Vereinfachung
Für Christian Heck, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Mannheimer HPC AG, hat SAP in den letzten Jahren die Verzahnung von EWM und TM stark vorangetrieben. Im Bereich Digital Supply Chain würden die Entwicklungen unter drei Aspekten laufen: Innovation, Integration und Vereinfachung der Benutzerdialoge. „EWM und TM sind bereits seit einigen S/4HANA-Versionen direkt (embedded) im SAP-System verfügbar und müssen nicht zwingend auf einem getrennten System installiert werden. Im Rahmen der Entwicklungen wurde mit dem Release S/4HANA 2020 FSP01 auch die Integration von EWM und TM noch mal verbessert. So kann EWM nun direkt auf den Speditionsauftrag zugreifen und damit direkt den Versandprozess mit nutzen. Es werden also keine doppelten Objekte mehr verwaltet“, sagt Heck.
Nahtlos in S/4HANA integriert
Carmelo Pascadopoli, SAP-Vertrieb All for One Group und in dieser Funktion in Bielefeld verantwortlich für das Transportmanagement, merkt an, dass es die SCE-Plattform zwar noch gebe, sie aber nicht mehr die propagierte Ziellösung sei. Im Zuge der Entwicklungen von S/4HANA sind sowohl EWM als auch TM aus dieser Plattform in den „Core“ gewandert und stehen somit innerhalb des S/4-Systems integriert zur Verfügung. „Wir als All for One Group stellen unter dem Begriff ,Connected Logistics‘ Lösungen bereit, um Informationen aus der Supply Chain über Services nahtlos in das S/4HANA-System zu bringen. Anwendungsfälle sind zum Beispiel Temperaturüberwachungen als IoT-Szenario, Telematikintegration der Fahrzeuge, Übernahme von Tracking-Informationen vom Spediteur oder Services zur Interaktion mit dem Fahrer, welche, wie von Ihnen beschrieben, auch Offline-fähig sein müssen“, sagt Pascadopoli.
„In den meisten Fällen kommen die Kunden bezüglich einer EWM-Einführung auf uns zu“, merkt Markus Schneider an. Schneider ist Vice President Segmentleitung Advanced Logistics bei Valantic in München. „Eine TM-Einführung ist, wenn überhaupt, meist für eine Phase 2 geplant.“ Im Rahmen der ersten Gespräche und der ersten Prozessdesigns würden die Kunden aber meist sehr schnell merken, dass hochintegrative End-to-End-Prozesse vor Modulgrenzen nicht haltmachten. „Eine parallele Betrachtung von Logistik- und Transportprozessen ist dann die logische Konsequenz. Haben die Supply-Chain-Prozesse eine gewisse Komplexität und spielen Planung und Optimierung eine wichtige Rolle, führt an SAP EWM und SAP TM eigentlich kein Weg vorbei. Integrierte Prozesse als Basis für eine zukunftsfähige Supply Chain bedingen eben eine integrierte Betrachtung und ein integriertes Design“, sagt Schneider.
Zu guter Letzt noch ...
Eigentlich ein schönes Schlusswort – wäre da nicht immer noch die Frage nach „guten“ Add-ons. Valantic hat für das EWM beispielsweise welche zur automatischen Umpriorisierung von Lageraufgaben oder für das optimierte Handling von zwei Paletten in der Logistik für Flurförderzeuge mit langen Gabeln in petto. Im Transportbereich ist eine oft genannte Kundenanforderung die Ermittlung und Weiterbelastung der tatsächlichen Transportkosten an den Kunden.
Prismat besitzt dank seiner langjährigen Projekterfahrung ein großes Portfolio an zusätzlichen Lösungen, die die Dortmunder seit 2019 unter der Marke „prismat/RAKETE“ für S/4HANA führen und technisch vereinen. Konkret werden Lösungen in den Themenbereichen Prozesse, Integration, Ergonomie und Analysen angeboten. Das Körber-Geschäftsfeld Supply Chain bietet Add-ons für die Steuerung der Kommunikation mit der Fördertechnik, die Visualisierung und Simulation von Lagerautomation, die Steuerung interner Werksverkehre, Lieferempfangsbestätigungen, Zeitfensterbuchungen durch Spediteure und die Leer- und Leihgutabwicklung. Die beiden wichtigsten Lösungen von FIS bei der Softwareeinführung sind deren Templates „FIS/ewm+“ und „FIS/tm+“, die als Projektbeschleuniger dienen. Durch das vorkonfigurierte Customizing und dokumentierte Prozesse verkürzt sich das Projekt deutlich und die Software ist schneller einsatzbereit. ■