Etikettieren

Was ist Etikettierung? Bedeutung, Definition & Prozesse

| Autor / Redakteur: Sabine Mühlenkamp / Bernd Maienschein

Die jüngere Druckergeneration von Bluhm druckt bis zu fünf Zeilen Text, Chargen- oder Seriennummern und Barcodes sowie 2D-Codes.
Die jüngere Druckergeneration von Bluhm druckt bis zu fünf Zeilen Text, Chargen- oder Seriennummern und Barcodes sowie 2D-Codes. (Bild: Bluhm)

Eine effiziente Etikettierung ist das Erfolgsgeheimnis vieler Lager- und Transportbetriebe. Etiketten helfen dabei, Waren zu lokalisieren und erleichtern das Bestandsmanagement. Hier erfahren Sie, welche Etikettiersysteme es gibt und welches System das Richtige für Sie ist!

Der Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist jedem Verbraucher inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Auch wenn die wenigsten die einzelnen Kürzel und Strichcodes auf dem Etikett einer Lebensmittelverpackung entziffern können, tragen diese Informationen zu einem guten Gefühl beim Einkaufen bei. Theoretisch lässt sich über die Chargennummer der Produktionsort, das Herstelldatum und so weiter feststellen. Diese Rückverfolgbarkeit ist bei den Verbrauchern nicht mehr nur bei Lebensmitteln gefragt, sondern auch bei Gebrauchsgütern. So ermittelte eine Online-Umfrage der Pricewaterhouse Coopers AG, dass Verbraucher die Rückverfolgbarkeit besonders bei

  • Elektronik (70 %),
  • Kleidung/Textilien (68 %) und
  • Haushaltsgeräten (66 %)

schätzen. Demnach informiert sich eine große Mehrheit über die Lieferkette von Produkten am liebsten über die Angaben auf dem Etikett der Verpackung.

Etiketten existieren in unendlicher Vielfalt

Wie lassen sich jedoch all diese Informationen auf kleinstem Raum unterbringen? Etiketten sind eine Lösung, von denen es heute eine unendliche Anzahl an Form, Farbe und Material gibt. Dabei gibt es Etiketten, die duften, gegenüber Fett, Wasser und Öl resistent sind oder beim Ablösen keinerlei Spuren hinterlassen. Im harten Industriealltag sind Etiketten schon mal in Acrylatfolie gegossen oder kommen als technologisches High-End-Produkt, den RFID-Etiketten mit RFID-Chip, daher.

Kennzeichnungssysteme und Beschriftungssysteme

Eine andere Lösung sind Kennzeichnungs- und Beschriftungssysteme. Für diese werden verschiedenste Techniken eingesetzt, angefangen bei Inkjet-Lösungen über Lasertechniken (CO2-Laser, Festkörperlaser)Thermotransferdrucker (TTO-Drucker) bis hin zu Etikettendruck-Spendesystemen. Ob Symbole, Piktogramme, Logos oder Kurztexte – dem Umfang und der Gestaltung sind kaum Grenzen gesetzt. Häufig müssen sogar Vorgaben durch nationale und internationale Richtlinien eingehalten werden.

Sei es nun Etikettiermaschine oder Beschriftungssystem – jede dieser Komponenten ist inzwischen ein komplexes System, bei dem es inzwischen um weit mehr geht, als einen gut leserlichen Aufdruck.

  • Wie können zum Beispiel Rüstzeiten minimiert werden?
  • Wie etikettiert man runde Behältnisse oder druckt auf sehr glatte Oberflächen?
  • Ist die verwendete Tinte lebensmittelecht?

Unternehmen, die sich mit Kennzeichnung und Etikettierung beschäftigen, haben daher meist viele Spielarten im Programm. Dabei bieten sie nicht nur verschiedene Drucktechnologien und die Möglichkeit der Etikettenapplikationen, sondern ergänzen diese durch intelligente Inspektions- und Bildverarbeitungssysteme sowie Datenbanken und Lesegeräte.

Vernetzte Sensorik ist für die Etikettierung Standard

Auch in dieser Branche fordert der digitale Wandel seinen Tribut. Eine vernetzte Sensorik und spezielle Steuerungselektronik ist Standard. „Im Etikettierbereich geht der Trend hin zu ‚all electric‘: Fast alle unsere Druckspendesysteme verfügen mittlerweile über einen elektrischen Antrieb. Auf Druckluft kann also verzichtet werden“, bestätigt Andreas Koch, Vertriebsdirektor Bluhm Systeme. „Ziel ist es, selbst beim Abblasen des Etiketts ohne Druckluft auszukommen. Daran arbeiten wir derzeit.

Für das Etikettieren zählt am Ende die Gesamtanlageneffizienz

Generell geht es darum, Ausfallzeiten zu minimieren, Ausschuss zu vermeiden und Rüstzeiten zu reduzieren. Dabei sind das automatische Verstellen von Formaten, Anschlägen und Werkzeugen sowie viele weitere Positionierungen, die von intelligenter Antriebstechnik erledigt wird, hilfreich. Am Ende zählt für die Anwender die Gesamtanlageneffizienz – es geht nicht allein darum, den Kennzeichnungsprozess so schnell wie möglich zu gestalten.

Wenn eine Maschine ausfällt, nützt es wenig, dass diese Weltmeister im Durchsatz ist. Daher liefern die Kennzeichnungsmaschinen inzwischen viele Prozessdaten, die für mehr Transparenz, Prozesskontrolle und Effizienz sorgen. Von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt auf dem Weg zur vollständig digitalen Maschine, die in zukünftigen Industrie-4.0-Anwendungen gefragt ist.

Zur Digitalisierung fehlt der Verpackungsbranche die notwendige Kompetenz

Damit könnte es aber noch etwas dauern, zumindest wenn man den Zahlen einer Umfrage der Managementberatung Porsche Consulting in Deutschland, Österreich und der Schweiz glaubt.

  • Gut die Hälfte der Befragten glaubt zwar, dass die Innovationen der Industrie 4.0 in ihrem Unternehmen bis in zwei Jahren Wirklichkeit werden. Dann werde zum Beispiel die optimale Reihenfolge von Aufträgen automatisch ermittelt und für die Produktion eingeplant (55 %).
  • Allerdings fehlen laut Umfrage zwei Drittel der Unternehmen der Verpackungsbranche (70 %) aktuell noch die notwendigen Kompetenzen, um den digitalen Wandel zu meistern.
  • Insgesamt wird diesem zwar eine große Bedeutung für die Verpackungsbranche zugeschrieben – so fürchten drei von vier Befragten (75 %), dass ihr Unternehmen seinen Marktanteil ohne Digitalisierungsstrategie nicht halten kann.
  • Dennoch beschäftigt sich erst ein Drittel (35 %) intensiv damit.

Serialisierung – Eine komplexe Aufgabenstellung steht vor der Tür

Wie Digitalisierung funktioniert, zeigt die Verpackungsbranche der Pharmaindustrie. Häufig geht es bei der Etikettierung oder Kennzeichnung nicht nur um das eigentliche Darstellen von Informationen. Die Lösung kann unter Umständen tief in die Abläufe des verpackenden Unternehmens eingreifen. So müssen ab Februar 2019 Medikamente mit einer individuellen Seriennummer gekennzeichnet werden, um gegen das Eindringen gefälschter Arzneimittel in die legale Lieferkette vorzugehen.

Alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel müssen zudem mit individuellen Erkennungsmerkmalen und einer Vorrichtung gegen Manipulation versehen werden. Letzteres geschieht etwa über Merkmale, wie Hologramme, synthetische DNA- und Lasercodes oder besondere Druckfarben, die helfen, das Original zu erkennen. Um die komplexe Aufgabenstellung der Serialisierung zu lösen, arbeiten einige Pharmaunternehmen und Verpackungshersteller seit mehr als zehn Jahren zusammen. Hierbei werden viele Fragen, die derzeit unter dem Stichwort Industrie 4.0 diskutiert werden, bereits geklärt. Zum Beispiel wie mit Updates der Software umgegangen werden soll oder wie die Fälschungssicherheit und der Manipulationsschutz gewährleistet werden kann.

Die Etikettiermaschine hilft, Informationen zu übermitteln

Fazit: Das Aufbringen von Informationen sieht manchmal einfach aus, ist es aber nicht. Vielmehr ist es das Ergebnis aus einem komplizierten Geflecht aus Marketing, Technologie und Werkstoffwissen. Dass die Anwender, sei es aus der Konsumgüterbranche oder Industrie, davon in der Regel wenig merken, ist den Herstellern von Kennzeichnungs- und Etikettiermaschinen zu verdanken. Sie sorgen dafür, dass die Anlagen schnell, sicher und störungsfrei laufen.

Moderne Etiketten – mehr als nur Informationsübermittler

Eine ganz andere Rolle übernehmen Etiketten in der Süßwarenindustrie. Zwar sind Inhaltsstoffe ebenfalls wichtig, entscheidender ist aber, die Käufer noch näher an die Marke zu binden. Zu den neuesten Trends zählen kurzweilige Videos und Spots rund um das Produkt, die sich Verbraucher während des Genusses anschauen können. Über QR-Codes landet der Verbraucher zum Beispiel in eigens aufgesetzten Youtube-Channels. Und die NFC-Technologie, ein Funkstandard zur drahtlosen Datenübertragung, lässt das Etikett unter Umständen sprechen. Dafür muss nur das Handy in die Nähe (wenige Zentimeter Abstand genügen) des Etiketts gehalten werden. Ein Rum-Produzent hat diese Technik im vergangenen Sommer bereits für seine Marketing-Kampagne genutzt und 40.000 Flaschen damit ausgerüstet. Konsumenten konnten direkt mit dem Unternehmen in Kontakt treten. Man mag darüber nicht immer einer Meinung sein, ob dies sinnvoll ist, allerdings zeigt dieses Beispiel deutlich, dass beim Thema Etikettierung und Kennzeichnung nur die Fantasie Grenzen setzt – technologisch bietet die Branche ungeahnte Möglichkeiten.

* Dipl.-Ing. Sabine Mühlenkamp ist Fachjournalisten für Chemie und Technik in 76149 Karlsruhe, Tel. (07 21) 8 30 41 18, info@muehlenkamp.net

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