Verpackungstechnik

Biokunststoffe zwischen Wirtschaftlichkeit und Umweltbewusstsein

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Kritiker, wie Wolfgang Beier vom Umweltbundesamt, meinen, dass man den gesamten Prozess von der Kultivierung der Pflanzen bis zur Verwertung oder zur Zersetzung in Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O) betrachten müsse. Dabei sind alle Umweltauswirkungen über den gesamten Lebensweg von der Rohstoffherstellung bis zur Abfallentsorgung in einer seriösen wissenschaftlichen Arbeitsweise zu untersuchen. Hier spielen auch die verwendeten Dünge- und Pflanzenschutzmittel eine Rolle.

Biokunststoffe weniger umweltfreundlich als Mehrweg-Behälter

Eine Untersuchung im Vorfeld der letzten Fußballeuropameisterschaft für die Umweltministerien Österreich, Schweiz und Deutschland erfasste Trinkbecher unter anderem aus Polymilchsäure (PLA), einem Biokunststoff, Polyethylenterephthalat (PET), Karton und Polypropylen (PP). PLA-Becher waren gemäß der Studie noch keine ökologische Alternative zu den fossilen Produkten aus Polyethylenterephthalat (PET) und Polypropylen (PP).

Die Umweltbelastungen von Einweg PLA- und PET-Bechern waren vergleichbar und lagen deutlich über Kartonbechern. Die mit Abstand geringsten Umweltbelastungen zeigten allerdings die ebenfalls untersuchten Mehrwegbechersysteme. Das beste Einwegbecherszenario belastet die Umwelt doppelt so stark wie das ungünstigste Mehrwegbecherszenario.

Biokunststoffe nicht unbedingt nachhaltig

Eine Erhebung der Fraunhofer-Institut Umwelt-, Sicherheits-, Energietechnik Umsicht in Oberhausen sagt aus: In Bezug auf die Umweltauswirkungen sind die Biokunststoffe nicht a-priori als die nachhaltigere Lösung anzusehen. Es existieren durchaus Studien, in denen sie deutlich schlechter als petrochemische Vergleichsmaterialien abschneiden.

Eine Übersicht von Mitarbeitern des britischen Imperial College London und des National Non-Food Crops Centre (NNFCC) hat aber ergeben, dass Biokunststoffe in der Regel Vorteile gegenüber petrochemischen Polymeren in den Kategorien „fossiler Energieverbrauch“ und „Treibhausgasemissionen“ zeigen, jedoch weniger vorteilhaft oder sogar ungünstiger sind in den Kategorien „Eutrophierung“, „Ozonbildung“ oder „Versauerung“ sind. Nur bei sechs der betrachteten 40 Vergleichsstudien liegen die petrochemischen Produkte vorn.

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