Verpackungstechnik Biokunststoffe zwischen Wirtschaftlichkeit und Umweltbewusstsein

Autor / Redakteur: Thomas Isenburg / Volker Unruh

Trotz eines Marktanteils von unter 1% im Jahr 2007 nimmt die Bedeutung von Biokunststoffen innerhalb aller Kunststoffe zu. Experten erwarten ein Marktwachstum von 20 bis 25% pro Jahr. Aber haben Biokunststoffe wirklich einen gar so positiven Effekt auf unser Klima?

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Vor dem endgültigen Bau von Chemieanlagen werden Polymilchsäuren in Miniplantanlagen optimiert. Bild: Uhde-Inventa-Fischer
Vor dem endgültigen Bau von Chemieanlagen werden Polymilchsäuren in Miniplantanlagen optimiert. Bild: Uhde-Inventa-Fischer
( Archiv: Vogel Business Media )

Elektronikkonzerne haben den Ressourcenschutz für ihre Marketingstrategien entdeckt. So wirbt Nokia mit dem umweltfreundlichsten Handy der Welt, und das besteht teilweise aus Mais. Maisstärke ist der Grundstoff für das Bio-plastik, aus dem Nokia die Handyschale des Evolve 3110 fertigt. Beim Kunststoff handelt es sich um den Biokunststoff Polymilchsäure (PLA).

Biokunststoffe dringen in neue Anwendungen vor

Namenhafte Elektronikhersteller wie Motorola, NEC, Sony oder Siemens forschen auf diesem Gebiet. „Die ‚grünen’ Telefone, die wir im Laufe dieses Jahres auf den Markt bringen werden, führen wir in allen Preissegmenten ein,“ kündigte Shivakumar Vizepräsident bei Nokia an. Ein Laptop, dessen Gehäuse aus einem Biokunststoff besteht, stellte kürzlich Fujitsu vor.

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Die Bedeutung von Biokunststoffen nimmt trotz eines Marktanteils von unter 1% im Jahr 2007 innerhalb der Kunststoffe zu. Experten erwarten ein Marktwachstum von 20 bis 25% pro Jahr.

Aber haben Biokunststoffe wirklich einen positiven Effekt auf unser Klima? Von der stofflichen Seite scheint dieses logisch. Die auf natürlichen Rohstoffen basierenden Biokunststoffe haben das bei ihrer Zersetzung freiwerdende Kohlendioxid schon bei der Photosynthesereaktion zur ihrer Bildung verbraucht.

Polymilchsäure (PLA) ist ein verarbeitetes biologisch abbaubares Polymer, hergestellt aus erneuerbaren Ressourcen. Bisher wird der Werkstoff schon gelegentlich für Verpackungen oder Getränkeflaschen als Ersatz für Polyethylenterephthalat (PET) verwendet.

Die Basis des PLA sind Agrarprodukte wie Zuckerrohr, Zuckerrüben, Gerste oder Mais. Hieraus extrahiert man Zucker, bisweilen über die Stärke. In einem Bioraffinerieprozess erfolgt die Fermentation des Zuckers zur Milchsäure.

Anlagentechnik aus Deutschland zur Herstellung von Biokunststoffen

Mit Anlagentechnik made in Germany des zum Thyssen-Krupp Konzern gehörenden Unternehmens Uhde-Inventa-Fischer erfolgt die Polymerisation des monomeren Milchsäuremoleküls zum Kunststoff Polymilchsäure (PLA). Dabei kann auf die Erfahrungen bei der Synthese von Polyethylenterephthalat (PET) und Polyamid (PA) zurückgreifen. Bei Uhde-Inventa-Fischer rechnet man für 2010 mit einem Marktvolumen von 700000 t Polymilchsäure PLA in Westeuropa.

Im Bereich der Ökobilanzen herrschen noch große Unsicherheiten. Werden wirklich alle Umweltauswirkungen entlang des gesamten Lebensweges vom Abbau der Rohstoffe inklusive Hilfsstoffe und Energieträger, über den Transportweg betrachtet?

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