Projektmanagement

Erfolgsfaktor Höchstleistung

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Wohland: Kultur ist nicht Ursache, sondern Ergebnis der herrschenden Verhältnisse. Höchstleister gestalten ihre Kultur nicht, sie beobachten sie aber. Auch kleinste Veränderungen dienen als informativer Sensor für Überlastung oder für Reserven. Wenn es einem Unternehmen gelingt sich dynamikrobust zu transformieren, dann folgt die Kultur automatisch. Das erklärt, warum ein Höchstleiter immer eine beeindruckende Kultur hat, ohne sich je mit dieser beschäftigt zu haben. Projekte zur Kulturentwicklung finden sich nur in Unternehmen, deren Kultur die eigene Überforderung abbildet. Die Werte von Individuen und Organisation funktionieren wie ein Gedächtnis. Sie ändern sich ständig, können aber nicht willentlich geändert werden.

„Das Wissen muss ein Können werden“, schrieb bereits der preußische General und Stratege Carl von Clausewitz. Auch er war der Meinung, dass nur durch Können Spitzenleistungen zu erreichen sind. Ist das bei dynamikrobusten Höchstleistern genauso?

Wohland: Das Können und nicht Wissen die Basis von Höchstleistung ist, gilt nur im Kontext hoher Dynamik. In den Zeiten träger Märkte war der tayloristische Formalismus, also Wissen, die Basis für Höchstleistung. Das Fachgebiet von Clausewitz war der Krieg, also ein System mit maximaler Dynamik. Das ist wohl der Grund, warum der General zur gleichen Erkenntnis gelangte wie heutige Höchstleister. Überall wo Dynamik dominiert, in der Kunst, im Sport, im Krieg und heute auch in der Wirtschaft dominiert das schnelle dynamikrobuste Können vor dem langsamen dynamikempfindlichen Wissen.

Welche Unternehmen können besonders von den Denkwerkzeugen der Höchstleister zu profitieren?

Wohland: Alle können davon profitieren. Allerdings machen die Werkzeuge allein aus einem traditionellen Unternehmen noch keinen Höchstleister. Das ist aber auch nicht nötig. Zunächst geht es nur darum, falsche Fragen durch richtige zu ersetzen. Auch für Nicht-Höchstleister ist dies der einfachste schnellste und billigste Weg Dynamikprobleme zu lösen. Übrigens können auch solche Unternehmen, die bereits Höchstleister sind, die Denkwerkzeuge nutzen um sich selbst besser zu verstehen und so die eigenen Errungenschaften zu schützen. Geschieht dies nämlich zu wenig, kann ein Höchstleister schnell wieder abstürzen. Wir nennen das „Seitenwindempfindlichkeit“.

Sie sagen, dass Dynamikprobleme nur mit den Ideen der Könner zu meistern sind. Woher sollen aber die vielen Talente kommen?

Wohland: Sie sind längst da. Da sie aber in konventionellen Unternehmen bisher nicht gebraucht wurden, sind sie unsichtbar, auch für die potentiellen Talente selber. Die Frage ist also nicht, wo man Talente findet, sondern wie man sie sichtbar macht. Bei Nokia Networks zum Beispiel werden dem Karrierekandidaten einige der aktuellen Probleme des Unternehmens präsentiert. Fällt es ihm leicht, beeindruckende Ideen für eine Lösung zu nennen, ist er „talent-verdächtig“. Ausbildung und bisherige Karriere spielen bei der Beurteilung fast keine Rolle.

Dynamik und die Probleme des dynamischen Marktes sind nicht voraussehbar. Wie bereiten sich Höchstleister auf die Ungewissheit zukünftiger Veränderungen vor?

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