Bestände senken, Durchlaufzeiten reduzieren

Freigabesysteme lassen die Produktion runder laufen

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So kann zum Beispiel jeder Maschinengruppe ein Fertigungssteuerer zugeordnet werden, der die Auftragsfreigabe für seine Gruppe plant, die Bearbeitungszeit für die eingegangenen Aufträge kalkuliert und diese gemäß der Kapazität der fertig gewordenen Aufträge freigibt (Bild 3). Man kennt das aus Diskothekenzeiten: Der Türsteher lässt einen immer erst rein, wenn ein anderer das Etablissement verlässt – und dürfte kaum mit sich reden lassen. Der Clou: Ob Türsteher oder Karte – Conwip lässt sich extrem einfach und komplett ohne IT-Unterstützung beherrschen.

Statt Produktionstermine steuert das System den Materialbestand

Im Unterschied zu anderen Verfahren werden bei der Conwip-Methode also nicht primär Termine gesteuert, sondern die Höhe des Materialbestands in der Produktion. Dieser Materialbestand wird einmal ausgelegt. In Projekten, die das Beratungsunternehmen Vollmer & Scheffczyk GmbH (V&S) begleitet, werden dabei in der Regel die Kriterien Durchlaufzeit, Kundentakt und ein gewünschtes Sicherheitsmaß zugrunde gelegt. Dann wird dieser Bestand Schritt für Schritt gesenkt.

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Das Ergebnis: Die durchschnittlichen Durchlaufzeiten werden erheblich gesenkt – und sind vor allem planbar. Liefertermine können so verlässlich eingehalten werden. Ein absoluter Pluspunkt am Markt.

Zerspaner senkt Bestand in der Produktion um 50% mittels Freigabesystem

Mehr als 1800 Aufträge gab es gleichzeitig in der Produktion bei der Christian Weber GmbH (CWG) – einem Zerspanungsspezialisten in Gosheim. Damit verbunden, kämpfte das Unternehmen mit Lieferrückständen und stark schwankenden Durchlaufzeiten. 50% weniger Bestand in der Produktion lautete das Ziel. Die Methode: Conwip. CWG entschied sich für eine Beratungsbegleitung in Form eines Interim-Managements. So konnte eine besonders eng verzahnte Umsetzungsunterstützung sicher- gestellt werden.

Zunächst wurden sämtliche Wertströme im Unternehmen analysiert, um den notwendigen vom unnützen Bestand zu trennen. Einige Produktionssegmente konnten durch Kanban-Systeme gesteuert werden. Für die restlichen Produktionsbereiche wurde ein Conwip-Bestand ausgelegt.

Das Ziel, 50% weniger Umlaufbestand vor Augen, wurde eine schrittweise Reduzierung der Aufträge beschlossen. Mit einer sogenannten Topfplanung stellte man sicher, dass die Aufträge auch kapazitiv machbar sind. Eskalationsmechanismen gaben den Meistern Aktionsmöglichkeiten an die Hand. Start: 2008 mit einem Kontingent von 1000 Karten.

Trotz vorhandener Ressourcen darf ein Auftrag nicht immer gestartet werden

Die größte Herausforderung für CWG: Das Management musste lernen, dass es trotz vorhandener Ressourcen und Materials richtig ist, einen Auftrag nicht zu starten. Denn nur so wird wirklich diszipliniert Planbarkeit und Fluss in die Produktion gebracht.

Heute, nach zwei Jahren, ist das Ziel erreicht: 750 Aufträge in der Produktion. Eine Halbierung der mittleren Durchlaufzeit konnte CWG bereits nach einem Jahr verbuchen.

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