Handelsströme Hormus-Blockade trifft Deutschland vor allem indirekt

Von Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein 2 min Lesedauer

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Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran trifft die weltweiten Handelsströme: Exporte im Wert von bis zu 1,2 Billionen US-Dollar jährlich könnten durch eine länger andauernde Blockade beeinträchtigt werden.

Abhängigkeiten des Welthandels von den an der Straße von Hormus gelegenen Exporteuren am Persischen Golf (Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait, Bahrain). Die Größe der Bubbles steht für den gesamten Handelswert; die Farbe gibt den Anteil des Persischen Golfs an.(Bild:  Ascii)
Abhängigkeiten des Welthandels von den an der Straße von Hormus gelegenen Exporteuren am Persischen Golf (Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait, Bahrain). Die Größe der Bubbles steht für den gesamten Handelswert; die Farbe gibt den Anteil des Persischen Golfs an.
(Bild: Ascii)

Keine Frage: Die Weltwirtschaft ist stark von Energieexporten aus der Goldregion abhängig. Zu den größten Abnehmern von Öl und Gas aus der Region zählen China, Indien und Japan. Deutschland steht dagegen nur in einer geringen Abhängigkeit, aber steigende Gaspreise machen natürlich auch die Industrie hierzulande verwundbar. Eine neue Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (Ascii), des Complexity Science Hub (CSH) und der TU Delft zeigt: Eine länger andauernde Schließung der Straße von Hormus könnte erhebliche Auswirkungen auf globale Lieferketten und Energiemärkte haben. Die Studie untersucht erstmals systematisch, wie stark Länder und Branchen weltweit von den Exporten jener fünf Golfstaaten abhängig sind, deren maritimer Handel vollständig durch Hormus verläuft: Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait und Bahrain.

Eine längere Blockade würde nicht nur Energiemärkte treffen, sondern auch zahlreiche globale Lieferketten unter Druck setzen.

Peter Klimek, Studienautor und Ascii-Direktor

Deutschland importiert jährlich Waren im Wert von rund 5,7 Milliarden US-Dollar aus Golfstaaten und weist dabei eine vergleichsweise breite Diversifizierung sowohl bei Produkten als auch bei Lieferländern auf. Den größten Anteil haben die Vereinigten Arabischen Emirate mit 4,2 Milliarden US-Dollar, vor allem durch den Import von Schiffen, Yachten und Industrieausrüstung statt klassischer Konsumgüter. Katar trägt mit 0,6 Milliarden US-Dollar bei, insbesondere durch Propan und Spezialgase, die auch in der Halbleiterproduktion und industriellen Prozessen eine strategisch wichtige Rolle spielen. Weitere Anteile entfallen auf Kuwait (0,4 Milliarden US-Dollar) und Iran (0,3 Milliarden US-Dollar), unter anderem mit Teppichen und Pistazien.

Negative Auswirkungen indirekter Effekte

Insgesamt sorgt die breitere Streuung und die geringere Abhängigkeit von schwer ersetzbaren Energieimporten dafür, dass Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Italien oder dem Vereinigten Königreich als widerstandsfähiger gilt. Dennoch bestehen indirekte Risiken: Steigende Energiepreise, insbesondere für Gas, könnten vor allem energieintensive Branchen wie die chemische Industrie erheblich belasten.

Studienautor Klimek: „Die direkte Abhängigkeit Deutschlands ist vergleichsweise gering – die eigentliche Verwundbarkeit liegt in den indirekten Effekten. Steigende Energiepreise wirken wie ein Multiplikator entlang der gesamten Wertschöpfungskette und treffen insbesondere die energieintensive Industrie. Genau hier entscheidet sich, wie stark geopolitische Spannungen letztlich auf die Realwirtschaft durchschlagen.“

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