Supply Chain Management

Vernachlässigt der Maschinenbau seine Lieferketten?

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Hauke Schippmann, Head of Supply Chain beim global tätigen Windkraftanlagenhersteller Nordex, hat schon 2010 einen grundsätzlichen Wechsel im Produktionsverfahren durchgeführt: Von einer Boxenfertigung ist man damals in der Rostocker Gondel- und Flügelproduktion auf die Linienfertigung umgestiegen – mit allen Konsequenzen. „Wir erkennen jetzt sofort jegliche Prozessfehler und können sie nachhaltig abstellen. In der Boxenfertigung hatten wir viele Leute beschäftigt, die sogenannten ,Firefighter‘, die darin ihr berufliches Glück gesehen haben. Das ist aber nicht das Erfolgsprinzip, sondern: Probleme erkennen und nachhaltig abstellen“, erklärt Schippmann seine Strategie.

Nordex konzentriert sich auf die Herstellung von Anlagen der 2,5-MW-Klasse, zum Jahreswechsel sollen 3,0- beziehungsweise 3,3-MW-Windräder dazukommen. Weil in jeder Produktion Platz Mangelware ist, hat man besonderes Augenmerk auf die Materialbereitstellung gerichtet. Hier geht es insbesondere um Themen wie Ergonomie, Flächen, Equipment, aber auch Fehlteile.

Das Bereitstellungsprinzip ist wichtig für die Materialversorgung

Wie in jeder guten Linienfertigung muss das Material taktgenau bereitgestellt werden. Bei Nordex geschieht das über ein externes Lager vor Ort. Bei einem Dreistundentakt pro Gondel reichen die Komponenten gerade einmal für drei Anlagen, also einen Arbeitstag – dann gäbe es Probleme.

„Wir haben einen Produktionsbetrieb, keinen Produktionslagerbetrieb“, so Schippmann. „Das heißt, in der Produktion haben wir wirklich nur noch die Komponenten vor Ort, die für einen speziellen Produktionsauftrag verbaut werden.“ Seine Windenergieanlagen haben im Durchschnitt 2471 stücklistengeführte Komponenten, dazu kommen noch einmal bis zu 871 unterschiedliche Verbrauchsmaterialien wie Handschuhe, kleine Schrauben oder Unterlegscheiben. Schüttgut also, das nicht stücklistengeführt ist und über eine Verbrauchssteuerung eingesteuert wird.

Wichtig ist laut Schippmann das Bereitstellungsprinzip beim Windmühlenbauer: das Einbehälter- beziehungsweise das Zweibehälterprinzip oder auch gewisse Aufwärmpuffer. „Wo immer Sie schwere Gussteile haben, die auf einem Freilager liegen, können Sie die bei Minusgraden aus Toleranzgründen nicht sofort in die Produktion geben und verbauen“, so der Logistikleiter. Auch die Bereitstellungsart spiele natürlich ein Rolle: Dient man das Material über ein Roll-Dolly, ein KLT-Regal oder ein festes Gestell am Podest an oder wird es einfach auf dem Hallenboden abgestellt? „Diese Matrix haben wir uns für jede Komponente angeschaut“, erklärt Schippmann seine innerbetrieblichen Logistikphilosophie.

(ID:42411326)