Supply Chain Management Vernachlässigt der Maschinenbau seine Lieferketten?

Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Supply Chain Management (SCM) ist traditionell ein Handelsthema. In Fachsequenzen auf dem 30. Deutschen Logistik-Kongress in Berlin war zu spüren, dass sich auch der Maschinen- und Anlagenbau stärker für reibungslos funktionierende Lieferketten und deren Optimierung erwärmen kann – Kosteneinsparungen inklusive.

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Rotorblattfertigung: Schon 2010 hat Nordex in seiner Rostocker Produktion von der Boxen- auf Linienfertigung umgestellt.
Rotorblattfertigung: Schon 2010 hat Nordex in seiner Rostocker Produktion von der Boxen- auf Linienfertigung umgestellt.
(Bild: Nordex)

Die Salzgitter Maschinenbau AG hat Schwankungen in der Kapazitätsentwicklung, bei Durchlaufzeiten und Beständen – typische Herausforderungen eines Supply Chain Managements also. Logistikleiter Dr.-Ing. René Graf bringt seine Herangehensweise an die SCM-Problematik anhand eines 65 m³ fassenden Motor-Mehrschalengreifers von Salzgitter auf den Punkt: „Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir von Endprodukten reden. Wir haben Ähnlichkeitsprinzipien definiert. Wir wissen zwar, dass der Kunde einen Motor-Mehrschalengreifer bestellt hat, aber noch nicht, wie die Schalen, wie die Traversen aussehen. Aber wir wissen, welche Fertigungstechniken damit belastet werden.“ Graf kennt auch die standardmäßig verbauten Kaufteile und kann dementsprechend Einfluss auf sein Engineering nehmen.

Gezielt dahin gehen, wo es lange Wiederbeschaffungszeiten gibt

Ebenfalls von Salzgitter gefertigten Antennenträger sind ankerfreie, bis zu 45 m hohe ausfahrbare Masten für den militärischen Bereich, die nicht im Boden verankert werden müssen: „Wir reden da nicht von Losgrößen von 1000 oder 5000 Stück am Tag. Wir reden von einer Serie, wenn wir innerhalb von drei Jahren fünf gleichartige Geräte ausliefern.“ Trotz des in weiten Teilen der Branche praktizierten Engineer-to-order-Prinzips ohne Absatzplanung auf Artikelnummer-Ebene und mit zum Teil noch nicht existierenden Artikelstämmen plädiert Graf aber für den Einsatz von SCM; selbst wenn es etwas anders aussehen mag als in der Großserie. „Man geht gezielt dahin, wo lange Wiederbeschaffungszeiten existieren. Man muss sich einfache, händische Sachen überlegen“, so Graf. „Wir haben das mit unseren Ähnlichkeitsprinzipien versucht, um vorwärts zu kommen.“

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