Supply Chain Management

Vernachlässigt der Maschinenbau seine Lieferketten?

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„Natürlich gehen wir jetzt im nächsten Schritt an unsere Lieferanten ran“, blickt Schippmann in die nähere Zukunft. „Warum soll ich selber kommissionieren, wenn der Lieferant es kann? Warum packe ich die Teile auf innerbetriebliche Transportgestelle, wenn der Lieferant es für mich machen oder schon so anliefern kann?“

Dass Produktion und Logistik vor großen Veränderungen stehen und man heute schon davon profitieren kann, macht Andreas Kohl deutlich. Er ist Werkleiter Logistik im Getriebemotorenwerk Graben-Neudorf von SEW-Eurodrive, Stammsitz Bruchsal. Einem Unternehmen der Antriebstechnik mit 15 Produktionswerken auf den Triade-Kontinenten und 75 auf der ganzen Welt verteilten sogenannten Drive-Technology-Centern (Montage- und Servicewerke). Sein Unternehmen fertigt Produkte und Komponenten der Antriebstechnik, liefert aber immer häufiger auch antriebstechnische Systemmodule und -komponenten. „Die wichtigste Branche ist für uns nach wie vor die Logistik, genauer gesagt, die Intralogistik, die Fördertechnik“, erklärt Kohl. Er hat die Thematik Industrie 4.0 und deren Produktionsphilosophie im Blick. „Da wird vorausgesagt, dass die Produktionseinheiten künftig global vernetzt sein werden, sich selbstständig organisieren, um Aufträge auszuführen. Dass die reale und virtuelle Welt miteinander verschmelzen, dass Maschinen autonom entscheiden, dass Geräte selbstständig untereinander kommunizieren und die beteiligten Anlagen innerhalb kürzester Zeit an Produkte und Produktionswünsche angepasst werden können“, beschreibt Kohl den Status quo.

Smart Factories setzen eine völlig neue Produktionslogistik voraus

Maschinen und Geräte würden als Modelle behandelt und getestet, bevor man sie herstellt und installiert. „Man braucht dazu eine völlig neue Produktionslogistik. In der Smart Factory agieren sogenannte ,Cyber-Physical Systems‘, das sind intelligente Maschinen, Betriebsmittel, Lagersysteme, die gegenseitig Informationen austauschen, Aktionen auslösen und sich gegenseitig selbstständig steuern“, ist Kohl sicher. SEW hat darauf bereits reagiert und in der Produktion ,Logistik-AGV‘ und ,Montage-AGV‘ (Automated Guided Vehicle) eingeführt. Benefit: Eine Produktivitätsverbesserung über eine Montagezeitreduzierung von circa 20 %, beinahe halbierte Gesamtdurchlaufzeiten, eine 30 %-ige Kapazitätserweiterung bei gleichzeitig 20 % eingesparter Fläche. Die Amortisationszeit für das 1,7-Mio.-Euro-Invest schätzt Kohl auf 3,8 Jahre. MM

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