Projektmanagement Erfolgsfaktor Höchstleistung
Klassisches, methodenorientiertes Projektmanagement ist wenig sensibel gegenüber dynamischen Entwicklungen. Eine Alternative stellt das transmethodische Projektmanagement dar. Es beruht auf der situativen Anwendung von Werkzeugen durch den Menschen. Über diesen Ansatz sprachen wir mit Dr. Gerhard Wohland, Leiter des Instituts für Höchstleistungen an der Benmark University in München.
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Herr Dr. Wohland, traditionelles Projektmanagement ist Ihrer Meinung nach überholt. Wie sehen die Konzepte der Zukunft aus?
Wohland: Die traditionellen Konzepte des Projektmanagements sind nicht generell überholt. Sie sind nur zu empfindlich für die modernen dynamischen Problemanteile. Dynamik heißt Überraschung. Bei Überraschungen helfen keine Methoden, sondern nur Ideen und die einzige Quelle für Ideen sind talentierte Menschen, die auf der Basis ihres Könnens bestimmte Werkzeuge richtig benutzen. Bei uns heißt diese Ergänzung der methodischen Projektmanagements: „Transmethodische Projektmanagement“ (TPM). Es ist eine Sammlung von Werkzeugen, mit denen auch die dynamischen Anteile von Projekten erfolgreich bearbeitet werden können.
Sie unterscheiden offensichtlich streng zwischen Methode und Werkzeug. Was ist der Unterschied zwischen beidem?
Wohland: Eine Methode ist eine Sammlung von Regeln, die aufeinander und auf ein Problem bezogen sind. Passt die Methode zum Problem, und werden alle verstanden Regeln und befolgt, so ist die Lösung. Der Vorteil von Methoden ist, dass „das Rad“ nicht immer wieder neu erfunden werden muss. Der Nachteil ist, dass Methoden nur dann entwickelt werden können, wenn sich Probleme ausreichend ähnlich wiederholen. Für neue überraschende Problemanteile gibt es (noch) keine Methode. Aus diesem Grund sind sie besonders dynamikempfindlich.
Und Werkzeuge?
Wohland: Werkzeuge sind unabhängig vom Problem. Sie werden lediglich in ihrer Bauweise und Funktion beschrieben. Wann sie benutzt werden können und was mit ihnen gemacht wird, ist zunächst offen. Erst in einer konkreten Situation kann ein geübter Könner entscheiden, ob und wie er das Werkzeug benutzt. Mit einem Hammer zum Beispiel, können keineswegs nur Nägel eingeschlagen werden. Insofern sind Werkzeuge dynamikrobust.
Kostensenkung mittels Outsourcing ist für viele Unternehmen der einzige Weg, um die Effizienz und Produktivität zu erhöhen. In wiefern gilt dies auch für dynamische Märkte?
Wohland: Das kommt darauf an, was mit Outsourcing gemeint ist. Konventionell ist Outsourcing die externe Zulieferung einer Leistung, die zuvor von einer internen Funktion erbracht wurde. Bei niedriger Dynamik kann dies die Kosten senken. Bei zunehmender Dynamik kann es jedoch gefährlich werden, denn je höher die Dynamik, umso mehr unterscheiden sich die Anforderungen. Es entsteht eine dynamische Vielfalt, der ein externer Zulieferer nicht mehr folgen kann.
Und was machen die Höchstleister nun anders?
Wohland: Höchstleister zerlegen die interne Kompetenz in zwei Anteile. Der erste Anteil besteht aus allen Kompetenzen, die über einen echten Markt bezogen werden können. Markt heißt: Eine Leistung wird von mehreren angeboten und von mehreren nachgefragt. Nur wenn der Zukauf auf die Schalenkompetenz beschränkt bleibt, kann die Selbstorganisation des Marktes genutzt werden. Nur dann sinken die Preise und die Qualität steigt. Nur diese Form des Outsourcings ist ein Element von Höchstleistung. Die Wertschöpfungstiefe wird reduziert. Die Steuerung wird entlastet. Die dynamikrobuste Selbstorganisation des Marktes wird genutzt.
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