Kransysteme

Gebäude am Haken

| Autor / Redakteur: Alexander Kalcher / Simone Käfer

Ein- und Zweiträger-Laufkrane dominieren das Layout der Fertigungshallen bei Säbu im oberbergischen Morsbach.
Ein- und Zweiträger-Laufkrane dominieren das Layout der Fertigungshallen bei Säbu im oberbergischen Morsbach. (Bild: Abus)

Ausgestattet mit einer intelligenten Kransteuerung sind die Deckenkrane bei Säbu sowohl auf kommende Anforderungen an die Tragfähigkeit als auch auf eine zunehmende Automatisierung vorbereitet.

  • Das Unternehmen Säbu aus der Fertigbaubranche hat zwei Standorte mit insgesamt zehn Krananlagen ausgerüstet.
  • Eine Lastanzeige hilft, ungleiche Lastverteilungen zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen auszugleichen.
  • ABU Control vernetzt die automatisierungstechnischen Module des Krans. Ein integrierter Webbrowser ist der Schlüssel zur kabellosen Parametrierung und Diagnose sowie zum Condition Monitoring.

Säbu bietet modularen Fertigbau an und unter den Marken Fladafi und Safe Container­lösungen für Industrie, Kommunen und das Handwerk. Ebenso wie die Produkte und Gebäude von Säbu muss auch die Hebetechnik vielseitig und anpassbar sein. In den letzten drei Jahren wurden daher für die Standorte Morsbach und Gransee in Brandenburg insgesamt zehn Krananlagen von Abus Kransysteme als Erstausrüstung oder als Ersatz angeschafft. Von der Auslegung bis zur Inbetriebnahme wird Säbu vom Abus-­Partner Tertel Fördertechnik beraten.

Einträger-Laufkrane für den Modulbau

Jedes Modul des Fertigbauunternehmens basiert auf einer 3D-­Stahlkonstruktion, die zunächst Schritt für Schritt an verschiedenen Arbeitsplätzen zu einzelnen Elementen und dann raumbildend verschweißt wird. Durch steigende Elementgewichte und schnellere Taktzeiten war es nötig, die Tragfähigkeit der vorhanden Kranbahn voll auszureizen und zusätzlich zu den vorhanden 5t-Einträgerkranen weitere Krane mit höherer Traglast einzusetzen. Abus löste die Anforderung über eine Krandistanzierung: Die vorhandenen Krane wurden mit entsprechender Lichtschranken- und Steuerungstechnik nachgerüstet und im ersten Schritt durch einen weiteren 10-t-Kran ergänzt.

Kontrolliertes Abbremsen mit Schaltpunkten

Dieses Sicherheitssystem erkennt während der Fahrt einen stehenden oder sich ebenfalls nähernden anderen Kran, verlangsamt und stoppt die Fahrbewegung, um den geforderten Abstand einzuhalten. Am Kranbahnende sorgen mechanische Endschalter für ein Abbremsen des Krans. Wird der erste Schaltpunkt überfahren, reduziert die Steuerung die Fahrgeschwindigkeit und stoppt den Kran beim Überfahren des zweiten Schaltpunktes komplett. Aus statischen Gründen ist die Distanzierung zudem lastabhängig ausgelegt. Diese wird aktiv, sobald der jeweilige Gegenkran die Grenzlast von 5 t überschreitet – in diesem Fall können sie nicht gemeinsam im gleichen, auf maximal 10 t Tragfähigkeit ausgelegten Hallenfeld, also zwischen zwei benachbarten Betonstützen, betrieben werden.

Zweiträger-Laufkrane verladen ganze Raumeinheiten

Nach erfolgtem Korrosionsschutz der Stahlkonstruktionen werden die Module in der nächsten Halle zu fertigen Raumeinheiten mit Innenwänden im klassischen Trockenbau, Leitungsführung für Sanitär-, Elektro- und Lüftungstechnik sowie je nach Ausbaugrad mit Fußbodenheizung und Estrich weiter ausgebaut. Fenster und Verglasungen werden ebenso wie Wandabschlüsse und Fassadenträgersysteme nach Möglichkeit bereits im Werk montiert.

Je nach Gewicht der fertigen Raumeinheiten werden die Module mit einem oder beiden der 39 m spannenden 10+10-t-ZLK (Zweiträger-Laufkrane) auf einen Tief­lader gesetzt. Hierbei bewähren sich die modernen, Frequenz­umrichter-­gesteuerten Antriebe der Krane und ihrer Laufkatzen sowie die intelligente Kransteuerung ABU Control.

Steuern mit der Pendeldämpfung

ABU Control bietet Frequenz­umrichter-gesteuerte Antriebe, die beim Kran- wie auch beim Katzfahren ein stufenloses Beschleunigen, das Halten jeder gewünschten Geschwindigkeit sowie ein sanftes Bremsen und sicheres Positionieren der Last gewährleisten. Dadurch ist es Säbu möglich, mit den Kranen – bei Bedarf im Tandembetrieb – selbst 20 m lange Module genau auf den Tieflader zu setzen. Darüber hinaus unterstützt diese Antriebstechnik ein ganz wesentliches Merkmal der modularen Kransteuerung: die Pendeldämpfung. Über mathematische Algorithmen, welche die Fahrgeschwindigkeit und Beschleunigung von Kran und Laufkatze, die Haken­position und die Länge des Lastaufnahmemittels berücksichtigen, berechnet ABU Control das zu erwartende Lastpendeln beim Bedienen des Krans und kompensiert dieses durch entgegengesetztes Bewegen der Antriebe. Gerade beim Lasthandling bedeutet dies ein zusätzliches Sicherheitsfeature für Anwender.

Die Steuerung gewährleistet auch den Gleichlauf der Kran­antriebe und managt zugleich die Sicherheitssensorik und Überlastsicherung der Laufkrane. Sie ermöglicht zudem eine Feineinstellung des Kranverhaltens, bei der zusätzlich zur Auswahl der grundlegenden Fahr- und Hubprofile Parameter wie die maximale und minimale Geschwindigkeit oder die Brems- und Beschleunigungsrampen innerhalb sicherer Grenzen angepasst werden können.

Beim Einrichten der Funktionen ist es besonders hilfreich, dass die Steuerung über das Abus-­Betriebs­system Kran-­OS mittels WLAN und Webbrowser einen servicefreundlichen, kabellosen Zugriff ermöglicht, ohne dabei per Hubbühne auf die Steuerungskästen der Kranelektrik zugreifen zu müssen. Kran-OS von Abus wird über einen Webbrowser aufgerufen, ist also unabhängig vom Betriebssystem des Laptops oder Tablets und verlangt keinerlei Softwarelizenzen.

Lastanzeige bringt Sicherheit

Ein wichtiges Merkmal für Säbu und seinen Transportdienstleister ist die Lastanzeige. Beim Verladen von Containern geht es darum, zulässige Massen sowohl für den Transport als auch für die Montage per Mobilkran auf der Baustelle zu überwachen. Die Lastanzeige gibt einen ersten Anhaltswert über das Gewicht der Module.

Ein weiterer Vorteil der Lastanzeige ist der Lastausgleich. Oftmals kommt es nicht nur auf die gesamte Last an, sondern auch auf ihre Verteilung beim Aufsetzen auf den Tieflader. ABU Control erfasst für jede beteiligte Laufkatze das Gewicht und hilft so, ungleiche Lastverteilungen zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen auszugleichen.

Krantechnik zukunftssicher ausgelegt

Mehrere Jahrzehnte Betriebsdauer sind für Krane keine Seltenheit. Um so wichtiger ist es, sie möglichst zukunfts- und damit investitionssicher auszulegen. Säbu legt in diesem Zusammenhang großen Wert auf die Tandemfähigkeit der Krane. Diese soll es ermöglichen, auch künftig eine Überlastung der Hallenstatik zu vermeiden. Darüber hinaus beobachtet das Unternehmen in den letzten Jahren, dass die Massen von Gebäudemodulen stetig zunehmen – und hat sich daher für entsprechend tragfähigere Krane entschieden.

Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende Automatisierung, die auch in der Krantechnik Einzug hält. ABU Control vernetzt die automatisierungstechnischen Module des Krans – der integrierte Webbrowser ist der Schlüssel zur kabellosen Parametrierung und Diagnose sowie zum Condition Monitoring des Krans, was auch die Funktionalität des Lastkollektivspeichers einschließt. Die Steuerung eröffnet hier neue, interessante Einsatzszenarien, beispielsweise als Lösungen für das präzise Einlegen von Teilen in Biegepressen.

Säbu hat, was den Umstieg auf eine elektronische Kransteuerung betrifft, Neuland betreten. Das Unternehmen hat diesen Schritt auch deswegen gewagt, weil die langjährige und zielorientierte Zusammenarbeit mit Abus Krantechnik und der Werksvertretung Tertel das notwendige Vertrauensfundament geschaffen hat.

* Alexander Kalcher ist technischer Redakteur bei Abus Kransysteme in 51647 Gummersbach, Tel. (0 22 61) 37-0

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