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Im Biergarten das Lager steuern – Apps machen es möglich

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Entwickler versprechen direkten Blick in die Produktion

Doch der Schwabe un seine Kollegen gehen schon einen Schritt weiter. Mit ihrer App ist es möglich, sich direkt in das Produktionssystem einzulocken, sich den Fabrikpark visualisieren zu lassen, Produktionskennzahlen auszulesen und den Live-Status der Maschine abzufragen, sie nach einer Wartung wieder freizugeben, den Auftragsstatus zu ermitteln oder Servicemeldungen zu bearbeiten. Dreht der Benutzer das IPad, geglangt er von der detaillierten Maschinenansicht zum Überblick über den gesamten Maschinenpark. „Wir müssen uns bei der Entwicklung fragen, was macht Sinn dargestellt zu werden“, erklärt Wößner und der Forscher Geißen ergänzt: „Die Informationen müssen auf die Hardware zugeschnitten werden“.

Will heißen: Der Manager, der zuhause seine privaten Apps nutzt, muss sich auch beruflich schnell in den Programm zurechtfinden können. „Unsere Hausaufgabe ist die Usability“, prophezeit Wößner, der darauf verweist, dass Apple keine detaillierte Bedienungsanleitung mitliefere. Alles geht über ITunes – einstecken und das Gerät läuft. Der Nutzer ist gewöhnt, in Apps zu denken. Die technischen Redakteure sind dann wohl zukünftig nicht mehr gefragt. Bei mobilen Anwendungen für die Industrie träfe der kreative Entwickler, der erst gegen 10 Uhr das Büro aufsucht und Espresso trinkt auf den strukturierten SAP-Entwickler, heißt es in der Branche. Zwei Philosophien in einem Projekt – kann das gut gehen?.

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Autobauer managt Riesenlager mit Logistik-App

„Natürlich“, sagt Dr. Christoph Plapp vom Softwarehaus Logivations. Er kann sich beruhigt zurücklehnen. „Wir haben gemeinsam eine Schnittstelle mit SAP entwickelt“, erklärt der Unternehmer, dessen App bei einem großen Autobauer eingesetzt wird. Der Automobilist nutzt die Lösung in einem 500.000 m² großen Logistikzentrum. Das Unternehmen kann mit der App die unterschiedlichen Lagerbereiche in 3D darstellen, hat somit Zugriff auf die Lastverteilung und mehr Transparenz in den Prozessen. Die Implementierung dauerte 2 bis 3 Jahre, berichtet Plapp.

Das Ergebnis: Zweistellige Produktivitätszuwächse. Die Halbierung des Aufwands sei drin, so die Entwickler. „Der Autobauer kann die Lastverteilung jetzt sauber definieren“, erklärt Reinhard Riss, CEO von Aristos Management Consulting, der die Implementierung des App vor Ort betreut hat. „Die Mitarbeiter waren dem Tablet gegenüber sehr aufgeschlossen. Sie freuten sich auf ihr neues Spielzeug“ , berichtet Riss. Gegenwärtig arbeiten die Meister mit dem Tablet und theoretisch könnten sie ihr Lager auch vom Frühstückstisch verwalten. Arbeitswissenschaftler schlagen da Alarm. Die Verknüpfung von Beruf- und Privatleben macht einigen Forschern große Sorgen. Auch einige Konzerne haben das mittlerweile erkannt.

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