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Beschaffung

Qualität wird beim China-Einkauf oberste Priorität

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Die Technik der Fertigungsanlagen und die Qualität der Halbzeuge seien zudem nicht so gut wie in Europa. Maschinen und Werkzeuge müssten deshalb für die großen Toleranzen bei den Halbzeug-Eigenschaften ausgelegt sein. Dafür müsse auch Know-how in der Produktion vorhanden sein. „Sie müssen ganz gezielt auditieren, wo man keinen europäischen Standard auf den ersten Blick findet“, empfahl Kehl.

Persönliche Beziehungen beim Einkauf in China entscheidend

Auch für Christoph Schürhoff, Leiter Einkauf der Fehrer-Gruppe in Kitzingen, sind die persönlichen Beziehungen beim Einkauf in China sehr wichtig. „Geschäfte lassen sich nur über gute Beziehungen, Guanxi genannt, sichern“, sagte er. Entscheidend sei dabei, dass es sich um echte persönliche Beziehungen handelt.

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Für sein Unternehmen findet Schürhoff die notwendigen Kundststoffe prinzipiell auch in China, aber nicht unbedingt die benötigten Spezialitäten. Zur Versorgung merkte er an: „Jeder Preis findet sein Niveau der Versorgungssicherheit.“ Der chinesische Kommunismus sein in dieser Hinsicht die reine Lehre der Marktwirtschaft.

Rohstoffe in China tendenziell teurer als in Westeuropa

Als Trends für den Bezug aus China stellte Schürhoff fest, dass Rohstoffe in China tendenziell teurer als in Westeuropa bleiben. Auch bei maschinenfallenden Spritzgießteilen lohne sich der Import nicht. Bei Baugruppen sei die Einfuhr schon eher möglich, aber abhängig von Bauraum und Logistik. Handwerk schließlich habe in China sowohl Tradition als auch Zukunft.

Für Ralf Liegert, Einkäufer beim Anlagenbauer Eisenmann AG in Holzgerlingen, erschweren fehlende globale Normen und Klassifizierungen den Stahleinkauf. In China seien nahezu alle Stahlrohmaterialien erhältlich, zum Teil in unterschiedlichen Güten. Auch seien die Stahlpreise für Rohmaterialien transparent und auf Tagesbasis nachvollziehbar.

Kontrolle ist beim Einkauf in China das A und O

Für Stahleinkäufer in China empfahl Liegert, mit einer detaillierten Analyse des lokalen Beschaffungsmarktes zu beginnen. Eine gezielte Lieferantenauswahl und eindeutige Ausschreibungsspezifikationen einschließlich Cost Breakdowns seien unabdingbar. Die Kalkulationsbestandteile gelte es intern zu analysieren und eine Eigenkalkulation der Herstellkosten als Vergleich in die Preisverhandlungen mitzunehmen. Schließlich sollte man das Feedback der eigenen Qualitätsprüfer für künftige Angebotsvergleiche und Verhandlungen nutzen. „Kontrolle ist in China das A und O“, bilanzierte Liegert.

Dem schloss sich Paul-Matthias Walter, Einkäufer für Fahrwerksteile aus Aluminiumguss bei der Audi AG, Ingolstadt, an. „Technische und qualitative Lastenheftanforderungen werden nur unzureichend berücksichtigt“, erläuterte er, mittelfristig sei eine Lieferantenqualifizierung durch europäische OEMs notwendig. Andererseits würden sich die chinesischen Lieferanten auch selbst immer mehr Know-how aneignen und für die Hersteller zugänglich machen.

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