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Beschaffung Qualität wird beim China-Einkauf oberste Priorität

| Redakteur: Stéphane Itasse

Mit einem Wirtschaftswachstum von 9,8% im vierten Quartal 2010 steht China nach der Krise wieder glänzend da. Parallel dazu steigen im Westen die Ängste um knappe Rohstoffe. Einen Überblick aus der Sicht von Einkaufsverantwortlichen gab der Thementag „China: vom billigen Jakob zum Global Player“.

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Wer in China günstig einkaufen will, sollte auf die Logistikkosten und Transportwege achten. (Bild: Kühne + Nagel)
Wer in China günstig einkaufen will, sollte auf die Logistikkosten und Transportwege achten. (Bild: Kühne + Nagel)

Veranstaltet hatte den sogenannten Thementag in Frankfurt am Main das Centrum für Supply Management (CfSM) in Estenfeld zusammen mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Das große wirtschaftliche Wachstum in Asien führe zu einem schärferen Kampf um Rohstoffe. „Die großen Rohstoffvorkommen sind nicht unbedingt da, wo die Wirtschaftszentren sind“, erläuterte Prof. Ronald Bogaschewsky, Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre an der Universität Würzburg und wissenschaftlicher Beirat des CfSM.

Chinas Wachstum verschärft Kampf um Rohstoffe

Insbesondere China sei deshalb politisch sehr aktiv, um sich den Zugang zu sichern. Die Devise laute: Rohstoffzugang gegen Infrastruktur und keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten. „Der freie Markt wird nicht dafür sorgen, dass wir mit Rohstoffen versorgt sind“, warnte er.

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Für die Einkäufer machte Dr. Guido Stannek, Vice President Supply-Chain-Management und Vice President Procurement der Sartorius AG, Göttingen, drei wichtige Trends aus: Es gebe mehr Volatilität an den Finanzmärkten, die Faktorkostenvorteile würden kontinuierlich abnehmen und die Rohstoffe würden immer knapper und teurer, bei ebenfalls steigenden Volatilitäten.

Zum Beispiel würden die Währungsschwankungen den Einkäufern zu schaffen machen: Im Jahr 2010 stieg der Euro zum Dollar innerhalb von sechs Monaten um bis zu 19%, zwei Jahre zuvor gab es innerhalb von vier Monaten eine Euroabwertung um 21%.

Starke Lohnsteigerungen reduzieren Chinas Kostenvorteile

Bei den Faktorkosten werden laut Stannek die stark steigenden Löhne in China den Vorteil reduzieren. Derzeit betragen die Lohn- und Arbeitskosten 10% des deutschen Niveaus, bis 2017 erwartet er einen Anstieg auf circa 30%. „In den küstennahen Regionen sind die Faktorkostenvorteile bereits deutlich niedriger“, erläuterte der Sartorius-Einkaufsverantwortliche.

Bei den Rohstoffen schließlich mache die auch spekulative Nachfrage den Einkäufern zu schaffen. „Die Rohstoffpreise sind bald wieder auf dem Niveau vor der Lehman-Pleite“, analysierte Stannek.

Den Einkäufern empfahl Stannek, die Einflussfaktoren wie Lohnkosten, Logistik, Kompetenz und Effizienz der Lieferanten sowie Rohstoffe, Energie und Wechselkurse genau zu betrachten. Dies sei die Basis für das Verständnis von Preismechanismen und der richtige Ansatz für die globale Einkaufsarbeit.

China-Einkäufer müssen Alternativen aufbauen

Außerdem sollten sie ihr Risikomanagement erweitern, technische Maßnahmen wie Alternativkonstruktionen und -materialien, mehrere Lieferanten oder spezielle Strategien für bestimmte Produktgruppen anregen und schließlich dafür sorgen, dass Preissteigerungen auch an die Kunden weitergegeben werden können.

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