Bei der Auswahl der richtigen Software für die Supply Chain ist die Entscheidung zwischen dem Universaltaschenmesser Enterprise Resource Planning (ERP) oder Supply-Chain-Managemant-(SCM-)Speziallösungen eine philosophische Frage. Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, sollte jedes Unternehmen das gemeinsam mit SCM-Experten anhand seiner individuellen Anforderungen selbst beantworten.
Ob vollständig integrierte ERP-Lösungen, Best-of-Breed- oder andere Ansätze – Unternehmen müssen sich jetzt Gedanken machen, wie sie dem Innovationsdruck standhalten und die künftigen Anforderungen bewältigen wollen.
(Bild: Remira)
ERP-Systeme sind die Universaltaschenmesser vieler Unternehmen: Aus etlichen Aufgabenbereichen sind sie kaum noch wegzudenken. Sie bieten eine funktionsübergreifende Unterstützung, um Geschäftsabläufe besser zu organisieren, zu strukturieren und zu steuern. Doch wenn es um spezielle Anwendungen geht, geraten ERP-Systeme häufig schneller an ihre Grenzen, als ihren Anwendern lieb ist. Dann sind intelligente Softwarelösungen gefragt, mit denen sich die gesamte Wertschöpfungskette optimieren lässt. Spezialisierte SCM-Tools liefern in diesem Fall detailliertere Informationen und Prognosen auf der Basis von KI-unterstützten mathematischen Algorithmen. Fest steht: Egal ob vollständig integrierte ERP-Lösungen, Best-of-Breed- oder andere Ansätze – Unternehmen müssen sich jetzt Gedanken machen, wie sie dem Innovationsdruck standhalten und die künftigen Anforderungen bewältigen wollen.
Leistungsfähigkeit innerhalb der Supply Chain erhöhen
Viele teils komplexe und miteinander verzahnte Abläufe sind nötig, bevor Produkte zur richtigen Zeit am richtigen Ort in geforderter Quantität und Qualität zur Verfügung stehen. Laut einer aktuellen Studie, die das ZEW Mannheim im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) durchgeführt hat, lässt sich der Gewinn durch den Einsatz von KI um bis zu 25 Prozent steigern. Viele Unternehmen haben dieses enorme Potenzial bereits erkannt. Die Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz und Big Data wird auch im Supply-Chain-Management immer größer. Schwachstellen lassen sich damit leichter identifizieren, Prognosen erstellen, Markttendenzen aufweisen und damit insgesamt die Supply Chain optimieren.
Zur Auswahl der passenden SCM-Lösung sollten sich Unternehmen einen Überblick über ihre Prozesse und Herausforderungen verschaffen und alle relevanten Abteilungen in das Projekt integrieren.
ERP-Systeme stoßen häufig an ihre Grenzen, wenn es um komplexere Prozesse mit hohem Rechenaufwand geht. Um diese Anforderungen perfekt zu erfüllen, müssten klassische ERP-Systeme um SCM-Tools ergänzt werden. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des gesamten Systems zu verbessern und damit Wettbewerbsvorteile zu generieren. Um dies zu erreichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die man zunächst leicht auf zwei Leitgedanken herunterbrechen kann: die Nutzung eines integrierten Ansatzes und das Vorgehen mit einer Best-of-Breed-Auswahl an Speziallösungen.
Integrierter Ansatz mit Vor- und Nachteilen
Verfolgen Unternehmen in ihrem Supply-Chain-Management einen integrierten Ansatz, nutzen sie ein ERP-System, um schnell einen Überblick über alle Geschäftsabläufe und Materialflüsse zu bekommen. Es ist vergleichbar mit einem Schweizer Taschenmesser – ein Werkzeug mit vielen einzelnen Komponenten. Integriert sind beispielsweise Module für den Einkauf, die Produktion, das Lager, den Vertrieb, das Management von Kundendaten, die Buchhaltung oder das Personalwesen. Alle geschäftsrelevanten Daten sind so transparent in einem einzigen System verfügbar. Es gibt eine einheitliche Datenbasis und Bedienoberfläche, zusätzliche Schnittstellen entfallen.
Mit dem ERP-System lässt sich beispielsweise schnell der Deckungsbeitrag eines Kunden ermitteln. In der Lagerverwaltung können sich Unternehmen direkt konkrete Lagerplätze und zugewiesene Artikel oder Chargen anzeigen lassen. Allerdings sind Logistik- und Lagerprozesse in einem ERP-System weit weniger detailliert abgebildet – es ist nicht zu vergleichen mit einem spezialisierten Lagerverwaltungssystem, das durch die Analyse umfangreicher Datenmengen beispielsweise eine Reorganisation der Lagerfläche oder eine Verbesserung von Einlagerungsstrategien ermöglicht.
Auch die Absatzplanung und die Disposition sind weniger ausgefeilt, da keine aussagekräftigen Statistiken herangezogen oder saisonale Schwankungen berücksichtigt werden, sondern die Angaben und Informationen auf statischen Parametern beruhen. Denn Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen werden beim integrierten Ansatz häufig gar nicht eingesetzt.
Die beste Lösung für jeden Bereich
Setzen Unternehmen auf den Best-of-Breed-Ansatz, nutzen sie keine übergeordnete ERP-Komplettlösung, sondern wollen für jeden Bereich im Unternehmen die bestmögliche IT-Lösung verwenden. So sorgen dann beispielsweise KI-unterstützte Softwaretools für fundiertere Analysen und Prognosen im Einkauf unter Berücksichtigung saisonaler Schwankungen, Marketingstrategien und anderer Einflüsse. Trends können abgebildet und Bestände optimal auf den jeweiligen Bedarf ausgerichtet werden. Auch lässt sich feststellen, ob einzelne Prozesse im Unternehmen ineffizient sind und Optimierungspotenziale ungenutzt bleiben. Allerdings kann die Komplexität des Systems auf Kosten der Datenharmonisierung steigen. Daten müssen unter Umständen in einem Data-Warehouse konsolidiert werden. Schnittstellen sind notwendig, um die Kompatibilität mit vorhandenen Systemen sicherzustellen.
Stand: 08.12.2025
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Wenn es um spezielle Anwendungen im Supply-Chain-Management geht, geraten ERP-Systeme schneller an ihre Grenzen, als ihren Anwendern lieb ist. Dann sind häufig Speziallösungen gefragt.
„Anwender sollten bei der Auswahl darauf achten, dass der Anbieter die Zahl der Schnittstellen möglichst reduziert und spezialisierte Tools verwendet, die in der Praxis bereits ihre Kompatibilität bewiesen haben“, sagt Marek Matuszewski, Chief Sales Officer (CSO) bei Remira. Der Anbieter von Supply-Chain-Solutions hat genau daran gearbeitet und bietet Unternehmen nun ein Best-of-Breed-Angebot aus einer Hand für die gesamte Supply Chain an.
Micro-Services mit einer Schnittstelle
Eine dritte Möglichkeit sind sogenannte Micro-Services. Diese bieten sich für alle Unternehmen an, die hohe Anforderungen in speziellen Bereichen haben, sich aber nicht vollständig von einem grundsätzlich integrierten Ansatz mit ihrem ERP-System lösen wollen. Ein Beispiel wäre ein Großhändler für Ersatzteile, der ein riesiges Sortiment und zigtausend Lagerfächer hat. Pro Fach sind fünf bis zehn Stück von jedem Ersatzteil vorhanden. Unterjährig verkauft der Händler bei 90 Prozent der Artikel maximal zwei bis drei pro Fach. Steht die Inventur an, benötigt der Händler eine geeignete Software, da eine manuelle Erfassung zu zeit- und kostenaufwendig wäre.
Um seinen Warenbestand zu ermitteln, bietet sich in diesem Fall die Stichprobeninventur an. „Wir empfehlen dann in der Praxis, das ERP-System um eine Speziallösung für die Stichprobeninventur zu erweitern“, erklärt Matuszewski. Das Ergebnis der Stichprobeninventur wird an das ERP-System übermittelt und kann direkt abgerufen werden. So reduziert sich der Aufwand für die Inventur erheblich.
Ähnlich signifikante Ergebnisse und Optimierungspotenziale liefern spezialisierte und KI-gestützte Supply-Chain-Management-Tools auch im Bereich Einkauf und Disposition sowie in der Lagerverwaltung. Die Anbindung erfolgt über die leicht zu konfigurierende API-Schnittstelle. Zukunftsgerichtete Anbieter liefern Lösungen, um den Zeit- und Kostenaufwand beim Customizing zu minimieren. Remira bietet dazu beispielsweise einen eigenen Connector an, mit dem Anwender per Plug-and-play-Lösung angebunden werden, ohne dass externe Dienstleister zur Installation benötigt werden. ■
* Michael Milkowski ist Teamleiter Marketing der Remira Group GmbH in 44263 Dortmund, Tel. (02 31) 9 97 82-0, info@remira.com