Suchen

Ergonomie

Technik löst Probleme alternder Belegschaften

Seite: 2/4

„Aus unserer Betriebskrankenkasse bekommen wir zurückgespiegelt: Ältere Mitarbeiter sind nicht häufiger, aber sie sind länger krank.“ Es gebe eine sogenannte Multimobilität, das gehe damit einher, dass ältere Mitarbeiter nicht nur an Muskel-Skelett-Erkrankungen litten, sondern dass weitere Krankheitsbilder wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen würden.

Aus Altersstrukturanalysen wirksame Präventivmaßnahmen ableiten

Um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens auch weiterhin zu garantieren, hat B. Braun im Rahmen einer Unternehmensstudie tiefgehende Altersstrukturanalysen verbunden mit einer Demografieanalyse durchgeführt, um daraus Präventivmaßnahmen ableiten zu können. Auf das Jahr 2020 hochgerechnet ergibt sich für Ross daraus, „dass wir insbesondere in den Produktionsbereichen und auch im Logistikumfeld eine in Zukunft ansteigende Krankheitszahl und auch Arbeitsausfallzeiten haben werden. Daraus können wir Maßnahmen ableiten.“

Bildergalerie

Bildergalerie mit 6 Bildern

Ausgehend von der Analyse hat B. Braun Melsungen fünf Krankheitsbereiche festgestellt, denen es zu begegnen gilt: Muskel-Skelett-Erkrankungen, das Herz-Kreislauf-System, das Verdauungssystem, das Atmungssystem sowie Stresssyndrome wie Burn-out. Diese fünf Themenfelder verursachen bei Braun 70% der Arbeitsunfähigkeitstage. Das Ziel, präventive Maßnahmen dagegen anzubieten, war für Braun Ausgangspunkt der Studie, die das Unternehmen zusammen mit der TU München durchgeführt hat.

Fokussiert wurde schwerpunktmäßig auf die Belastungen im Kommissionierbereich des Warenverteilzentrums. Denn über den Werksarzt kam immer wieder das Signal, dass die Arbeitsplätze im Logistikbereich, vor allen Dingen in der Kommissionierung, belastend für die Beschäftigten sind, dass es dort zu hohen Ausfallzeiten kommt.

Manuelle Kommissionierarbeitsplätze auf Belastungen hin untersucht

Mittels Beobachtungsinterviews hat B. Braun die Arbeitsplätze der manuellen Kommissionierung analysiert. In Zusammenarbeit mit der TU München wurde das Inventar der Abatec-Methodik angewandt, eine Arbeitsbelastungsanalyse in Kombination mit der erweiterten Leitmerkmalanalyse. „Was uns gut gefallen hat, war, dass die Ergebnisse wunderbar grafisch aufbereitet zur Verfügung stehen“, so Ross. So konnte er die weiteren Schritte zusammen mit den beteiligten Akteuren gut einleiten. Sämtliche Prozesse des Kommissionierbereichs wurden analysiert: „Das Heben und Handhaben von Lasten, wir haben die Wege gemessen, wir haben die Gewichte gemessen.“ Dabei bewertet der Abatec-Bogen jedes einzelne Merkmal: Greifen, Bewegen von Lasten, Heben nach dem Anteil der einwirkenden Zeit innerhalb eines Gesamtzeitraums.

Ein Analyseergebnis war, dass die Mitarbeiter auf dem Kommissioniergerät stehen, anstatt zu sitzen, weil es zu viel Zeit benötigen würde, ständig aufzustehen und die Ware zu picken. Die Informationsaufnahme per Display war ein weiterer Kritikpunkt. Jetzt sind grafische Darstellung und Menüführung dahingehend verändert, dass nicht so viele Informationen auf einmal dargestellt werden, der Mitarbeiter also auf einen Blick das Wesentliche erfassen kann.

(ID:30544290)