Supply Chain Management

Unternehmen vernachlässigen Bedrohungen der Lieferketten

| Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Eine Unterbrechung der Lieferkette kann viele Ursachen haben und für die Unternehmen teuer werden.
Eine Unterbrechung der Lieferkette kann viele Ursachen haben und für die Unternehmen teuer werden. (Bild: ©Hanoi Photography - stock.adobe.com)

Die Risiken in den globalen Märkten und Lieferantennetzwerken steigen. Doch die wenigsten Unternehmen verfügen über Pläne für plötzliche Unterbrechungen in ihrer Lieferkette, obwohl Versorgungsengpässe regelmäßig Millionenschäden verursachen.

Zu solchen Ergebnissen kommt die Studie „Supply Chain Risk Management – Herausforderungen und Status quo“, die der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und Riskmethods, der Marktführer im Bereich Supply Chain Risk Management, zum zweiten Mal durchführten.

Störungen in der Lieferkette kommen häufiger vor als erwartet

Danach verzeichnete die Mehrheit der befragten Unternehmen (77 %) in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Unterbrechung in der Lieferkette. 37 % berichten von mehr als fünf Störungen, die den Geschäftsablauf beeinträchtigt haben – eine Steigerung von 42 % im Vergleich zum Vorjahr. Jede fünfte Lieferkettenunterbrechung hatte Schaden von 1 Mio. Euro und mehr zur Folge. Trotzdem verfügen weiterhin erst 24 % (Vorjahr: 20 %) der Unternehmen über systematische Pläne zur Krisenreaktion.

„Angesichts der immer zahlreicher werdenden politischen Spannungen und Krisenherde rund um den Erdball ist es für das Procurement wichtiger denn je, sein Risikomanagement einem permanenten Stresstest zu unterziehen“, sagt BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch. Das habe die aktuelle Studie bewiesen.

Die wenigsten Unternehmen messen zudem den finanziellen Schaden, der durch die Unterbrechung der Lieferkette oder den Ausfall eines Lieferanten entsteht. Gerade einmal 7 % nehmen eine strukturierte Bewertung der Auswirkungen eines Schadens auf Umsatz oder Ergebnis vor.

Sublieferanten verursachen immer mehr Störungen der LIeferketten vorbereitet

Zudem beschränkt sich das Risikomonitoring meist auf direkte Lieferanten. Doch immer häufiger werden Störungen von Sublieferanten verursacht. Das meldet mittlerweile jedes zweite Unternehmen, 24 % mehr als im Vorjahr. „Die heutigen komplexen und vernetzten Supply-Chain-Netzwerke sind besonders verletzlich. Deshalb ist es wichtig, die Lieferkettenstruktur aller Ebenen im Blick zu haben. Doch lediglich 18 % der Befragten überwachen die Sublieferanten“, erläutert Heiko Schwarz, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer von Riskmethods. Andere Ursachen von Störungen liegen bei den eigenen Produktionsstätten (28 %) oder logistischen Knotenpunkten wie Häfen oder Flughäfen (20 %).

In 53 % der Unternehmen ist die Einführung von Risikomanagement eine Reaktion auf vorausgegangene Störungen in der Lieferkette oder auf regulatorische Anforderungen. Positiv ist, dass es bei zwei von drei Unternehmen eine strategische Entscheidung (62 %) ist.

Überwiegend erfolgt die Risikoüberwachung im Rahmen der Lieferantenanalyse und -bewertung. Indikatoren wie Qualität und Performance (88 %) sowie Finanzkennzahlen und Bonitäten (81 %) stehen dabei im Vordergrund. Frühindikatoren und Veränderungen beim Lieferanten, wie Managementwechsel oder veränderte Wachstumsprognosen, hat dagegen nur die Hälfte der Unternehmen kontinuierlich auf dem Radar. Cyberrisiken überwachen gerade einmal 11 %.

Checkliste

Tipps für krisenfeste Lieferketten

  1. Regelmäßige Beobachtung und Analyse der Rohstoff- und Beschaffungsmärkte zur Minimierung von Lieferrisiken und zur Stärkung der Supply Chains.
  2. Globale Länder- und Standortrisiken regelmäßig monitoren, um bei einem plötzlichen Riss der Supply Chain schnell auf Ersatzlieferanten zurückgreifen zu können.
  3. Krisenfeste Lieferketten profitieren auch von der juristischen Kompetenz des Einkaufs (Beispiel: Kenntnisse des Einkaufs über den richtigen Abschluss von Logistikverträgen helfen bei der Risikominimierung – falsch abgeschlossene Verträge können sonst teuer werden).
  4. Industrie 4.0: Einkäufer müssen Know-how aufbauen, um die Digitalisierung aller Glieder der Wertschöpfungs- und Lieferketten erfolgreich umsetzen zu können – nur dann lassen sich alle mit dem industriellen Internet der Dinge verbundenen Geschäftspotenziale heben.
  5. Aufbau, Pflege und kontinuierliche Erweiterung des eigenen Lieferantennetzwerkes – partnerschaftlich, fair und auf Augenhöhe.
  6. Auditierung, Zertifizierung und regelmäßige Schulung der Lieferanten.
  7. Regelmäßiger Informationsaustausch mit den Lieferanten, um von deren Marktkenntnis bestmöglich profitieren zu können.
  8. Unternehmen mit ausländischen Produktionsstandorten: Ein guter Mix zwischen zentralem Einkauf (Stammsitz des Unternehmens) und operativem Einkauf (ausländische Tochtergesellschaften, die vor Ort beschaffen) sorgt für stressfreie Lieferketten.

Quelle: Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)

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