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Herr Winkler, gibt es im relativ strukturschwachen Oberpfälzischen Probleme dabei, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden? Wie ist Ihre Fluktuationsrate hier im Unternehmen?
Winkler: Also, das Letzte zu beantworten, weiß ich wirklich nicht, das ist sicher ...
... minimal gering mit der Fluktuation?
Winkler: Nein, das möchte ich nicht sagen. Das Problem ist einfach, dass die Mitarbeiter ständig im Ausland tätig sind, vorwiegend in Amerika. Und das ist heute einfach das Problem. Unsere Leute gehen nicht etwa, weil sie unzufrieden sind. Wir haben jetzt wieder einen Fall, es ist ein junger Mann, aber er hat eine Freundin. Er sagt, sie macht nicht mehr mit, und das ist unsere Problematik.
Da spielen persönliche Gründe die Hauptrolle?
Winkler: Absolut. Ich kann Ihnen eines sagen: Mit unserer ganzen Firmenkultur und was wir alles bieten, da haben wir null Probleme. Leute gehen nur in Fällen, wo sie permanent am Wochenende nicht zuhause sind. Das ist ein ganz klares Problem, das kommunizieren wir auch ganz offen.
Hat sich das verändert? Denken Ihre Mitarbeiter zunehmend an ihre Freizeit?
Winkler: Ja, ganz klar, das Anspruchsdenken wird immer größer. Ich führe meine Firma jetzt 38 Jahre, und die Entwicklung geht immer in die gleiche Richtung: Die Leute sind nicht mehr bereit, private Interessen hintenanzustellen.
Bekommen Sie die immer wieder aufkeimende Technikfeindlichkeit bei jungen Leuten zu spüren?
Winkler: Überhaupt nicht. Die Technikfeindlichkeit spürt bei uns keiner. Alle sind überzeugt, sie sind Technik-verliebt, wenn sie bei uns arbeiten, weil man sich verwirklichen kann. Ich wollte immer sehen, was ich mache, ich wollte den Erfolg sehen, nicht erst nach 10, 20 Jahren. Und das erlebt hier jeder.
So ein Projekt, das ist nach ein bis zwei Jahren abgeschlossen, und dann kann jemand sehen: Das habe ich geschaffen. Das gibt ein großes Erfolgserlebnis, das ist es auch, wofür Leute Entbehrungen auf sich nehmen. Wenn jemand dann sagt, jetzt war er genügend draußen, dann haben wir 1000 Jobs für ihn. Die Firma wird immer größer, wir können immer mehr bieten. Das ist übrigens ein wichtiger Punkt: Dass die Firma Leute integrieren kann, die nach jahrelangen Baustellenaufenthalten nicht mehr draußen sein wollen.
Bleiben wir mal beim Thema: Welche Ausbildungsberufe werden von den Jugendlichen denn besonders nachgefragt?
Winkler: Am beliebtesten ist der Fachinformatiker, dann kommen die Elektroniker, und dann haben wir natürlich noch die Mechatroniker und die Maschinen-Mechaniker, die eine Metallbauerlehre machen. Es ist für uns kein Problem, sehr gute junge Leute zu bekommen. Wir veranstalten einen Tag der offenen Tür im November, da kommen regelmäßig 300 bis 400 Leute. Wir haben die letzten zwei Jahre auch die doppelte Menge eingestellt, das heißt letztes Jahr über 65 Leute. Wir beschäftigen aktuell über 150 Auszubildende, und wir haben natürlich auch das Ziel, dass wir sie nach der Lehre übernehmen.
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